Pfarrzentrum

Eine Zeit voller Magie

Horst Zohsel erzählt in einem Vortag über die Rauhnächte

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svth
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In fast mystischer Atmosphäre nahm Horst Zohsel in seinem Vortrag über die Rauhnächte die Senioren gefangen. © Thüning

Brühl. Der Advent rückt näher und somit auch die Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest. Doch eine Tradition, die inzwischen etwas in Vergessenheit geraten ist, sind die Rauhnächte, die nach Weihnachten bis zum Dreikönigstag anhalten. Horst Zohsel hielt diesbezüglich einen Vortrag im Pfarrzentrum, organisiert vom Forum Älterwerden unter der Leitung von Ursula Jennewein. Mit schön dekorierten Tischen wurden Senioren auf eine Reise in die nachweihnachtliche Zeit eingeladen. Zu Beginn wurden an die Gäste Kaffee, Tee und Apfeltaschen ausgeteilt und das geselliges Beisammensein nahm seinen Lauf.

Nicht jeder kannte sich jedoch mit dem Thema des Referats aus. „Ich weiß, dass es die Nächte nach Neujahr sind“, meinte Besucherin Ursula Böhm. Sie interessiere sich schon für das Thema und bekäme nun zum ersten Mal eine Vorstellung dazu.

Nach einer sanften, musikalischen Einstimmung aus einer Oper erzählt Zohsel die Geschichte des Advents. Schon zum fünften Mal halte er den Vortrag über die Rauhnächte – vorher zusammen mit Klaus Ensenauer. „Früher war es der traditionelle Höhepunkt des Jahres“, erklärt Zohsel zu Beginn.

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Rauhnächte wurden meist in den Bergen still innerhalb des Familienkreises gefeiert. In dieser Zeit wurden außerdem die Naturgesetze außer Kraft gesetzt. Das glaubte man, da das Mondjahr elf Tage und zwölf Nächte kürzer ist als das Sonnenjahr. Sechs Nächte im alten und sechs Nächte im neuen Jahr heißen Rauhnächte und in dieser Zeit zwischen den Jahren sei der Teufel los. Das Tor zur jenseitigen Welt sei währendessen offen und Dämonen können ihr Unwesen treiben. Daher sei diese Zeit zwar besonders gefährlich, aber auch heilig.

Die Menschen räucherten viel in den Rauhnächten, um die Dämonen zu vertreiben. Die Magie während der Nächte sei auch heute noch gut praktizierbar – vorhersagen oder wahrsagen könne man in diesen Tagen ebenfalls besonders gut. Man räuchere die Wohnräume und Ställe, Mensch und Vieh. „Man soll drei Mal gegen den Uhrzeigersinn durch den Raum laufen“, erklärte Zohsel den Räuchervorgang, der zur Reinigung und zum Schutz gegen böse Geister diene.

Mit der letzten Nacht, der „Perchnacht“, fänden die Rauhnächte ihr Ende und der Sieg über die bösen Mächte wird gefeiert. „Ich kenne die Bräuche noch von meiner Mutter. Deshalb weiß ich so einiges schon darüber“, meinte Besucherin Magdalena Kohl. Auch Tochter Jeanette Patzschke, die ihre Mutter zum Vortrag begleitete, kenne sich mit Rauhnächten aus.

Zum Abschluss wies Zohsel darauf hin, dass die Weihnachtszeit heute meist hektisch verlaufe, obwohl es eine Zeit der Stille sein solle – Das bleibe jedoch jedem selbst überlassen. Nach seinem Vortrag las Maria Becker einen Text zur Adventszeit vor, um die Senioren auf die Weihnachtszeit einzustimmen. Vielleicht lebt nun auch der Brauch der Rauhnächte in einigen Brühler Häusern wieder auf. svth