Schul- und Sportzentrum

Bürgerdialog der Eppelheimer Grünen: Protest gegen massive Bebauung

Die Grünen bezeichnen die Pläne für Supermarkt und Wohnungen bei einem Bürgerdialog als „mit großen Nachteilen verbunden“.

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zg
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Am Bürgerdialog der Eppelheimer Grünen nehmen mehr als 80 Menschen teil. Die Partei spricht sich dabei für den Neubau einer Halle aus, kritisiert aber drohende Nachver-dichtung und Versiegelung. © Grüne

Eppelheim. Mehr als 80 Bürger kamen zum Bürgerdialog der Eppelheimer Grünen. Es ging um die aktuellen Pläne der Stadt für ein Mega-bauprojekt rund um die Rhein-Neckar-Halle. „In diesem Areal soll, so die bisherigen Pläne der Bürgermeisterin und ihrer Investorin, zusätzlich zum Neubau der Rhein-Neckar-Halle ein Supermarkt mit 1800 Quadratmeter Verkaufsfläche sowie insgesamt bis zu 130 Wohnungen, zum großen Teil in vierstöckiger Bauweise, gebaut werden“, beschreiben die Grünen den Hintergrund. Die Stadtbibliothek und die Schulmensa sollten zukünftig in der Kegelhalle untergebracht und der wertvolle Baumbestand im Planungsgebiet „größtenteils zerstört werden“, heißt es zur Thematik ergänzend.

Bei einem gemeinsamen Rundgang über das Areal im Schul- und Sportzentrum wurden die bislang vorgelegten Pläne sowie die Position der Grünen dazu von Stadtrat und Grünen-Sprecher Marc Böhmann, der Fraktionssprecherin Christa Balling-Gündling und Stadtrat Hubertus Mauss vorgestellt.

Das Projekt

Die Stadt Eppelheim beabsichtigt die städtebauliche Nachverdichtung und Neuordnung auf einem Areal, das bislang vor allem als Parkplatz sowie für die Rhein-Neckar-Halle und die Bibliothek genutzt wird.

In der Gemeinderatssitzung Mitte Dezember wurde vermeintlich über den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan „Südwestlich Schulzentrum“ entschieden. Die Sport- und Kulturhalle sollte abgerissen werden. Unternehmer Hans-Peter Wild hat für eine neue Halle acht Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Der Parkplatz sollte mit einem Edeka-Markt – Verkaufsfläche von über 800 Quadratmetern – im Erdgeschoss und Wohnungen in den Obergeschossen bebaut werden. Die Bibliothek sollte ebenfalls wegfallen und künftig außerhalb des Plangebiets in der bisherigen Kegelhalle untergebracht werden.

Aber: Ein Gemeinderat war bei der Sitzung befangen, deshalb ist der Beschluss ungültig und muss wiederholt werden. vw/caz

Dabei hatten auch die Teilnehmer reichlich Gelegenheit, ihre eigene Meinung und auch weitere Ideen zur Entwicklung des Areals einzubringen. „Viele von ihnen äußerten Kritik an den massiven Bebauungsplänen der Investorin“, unterstreichen die Grünen nach dem Bürgerdialog.

Als Gegenargumente wurden unter anderem der zusätzliche Lastwagen- und Autoverkehr, das Stadtbild, Aufheizung, Gefahr bei Starkregen durch zusätzliche Versiegelung, die Nutzungskonflikte der Wohnbebauung und des Supermarktes mit den Schulen beziehungsweise der Mensa sowie die Vernichtung der mehr als 100 Bäume genannt. Darüber hinaus stellten viele Bürger infrage, dass Eppelheim einen solch riesigen Supermarkt überhaupt brauche.

Konsens aller Menschen vor Ort war nach Angaben der Grünen, „dass der Neubau der Sporthalle absolute Priorität hat und möglichst bald realisiert werden“ müsse.

Klare Positionierung

Fraktionssprecherin Christa Balling-Gündling verdeutlichte die Position der Grünen: „Die planerische und finanzielle Vermengung des Neubaus der Sporthalle mit den geplanten Neubauten eines riesigen Supermarktes und der Wohnbebauung wäre für unsere Stadt mit großen Nachteilen verbunden. Wir Grüne wollen den Neubau der Sporthalle, unterstützt von der angekündigten Millionenspende von Ehrenbürger Dr. Wild, aus eigenen Mitteln realisieren.“ Stadtrat Hubertus Mauss stellte zudem dar, welch wichtige Rolle der riesige Baumbestand für das Quartier und die Bewohner Eppelheims hat: „Diese über 100 Bäume sorgen für Schatten und gute Luft und prägen dieses Areal auch stadtbildnerisch. Es wäre eine stadtklimatische Katastrophe, wenn diese Bäume einer solch massiven Nachverdichtung zum Opfer fielen“, so Mauss.

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Balling-Gündling ergänzte abschließend: „Wir sind für den Erhalt der Stadtbibliothek am bisherigen Standort. Das Gerede von der sogenannten ‚Energieschleuder Stadtbibliothek‘, das von der Stadtspitze und einigen Fraktionen im Gemeinderat immer wieder eingebracht wird, das sind erwiesenermaßen Fake News. Die Stadtbibliothek müsste natürlich energetisch modernisiert werden, verbraucht aber schon derzeit nur halb so viel Energie wie die Kegelhalle.“

Zahlreiche Bürger erklärten nach Angaben der Grünen am Ende der Veranstaltung entschlossen, sich gegen die vorgelegten massiven Bebauungspläne in diesem sensiblen Quartier Eppelheims engagieren zu wollen.