Kunst - Dao Droste trotzt Corona mit Kreativität / Für ihr neues Werk lässt sie sich von der Kalligraphie inspirieren / „Tage der offenen Tür“ noch ohne Termin Eppelheim: Dao Droste trotzt Corona mit Kreativität

Von 
Sabine Geschwill
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Eppelheim. Die Jahresausstellungen in ihrer „Galerie Dao“ in der Wasserturmstraße haben seit mehr als drei Jahrzehnten Tradition. Doch im vergangenen Jahr verzichtete Eppelheims Künstlerin Dao Droste Corona-bedingt auf ihre traditionellen „Tage der offenen Tür“. „Ich habe mir überlegt, dass ich meine Ausstellung lieber gleich auf 2021 verschiebe“, erzählt sie.

Dao Droste arbeitet seit mehr als drei Jahrzehnten in Eppelheim. Ihre „Tage der offenen Tür“ haben Tradition, liegen Corona-bedingt aber auf Eis. © Geschwill
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Wann sie stattfinden wird, ist noch völlig offen. „Im Moment ist die Welt eine andere. Die Menschen haben gerade Sorgen und Probleme“, weiß die 68-jährige Künstlerin. Kreativ ist Dao Droste trotz Corona. Für ihr jüngstes Werk, eine Bronzeskulptur auf Granitsockel, ließ sie sich von der Kalligrafie inspirieren. Die 2,80 Meter hohe und mehrere Zentner schwere Bronzeskulptur auf einem Sockel aus „Indian Black Granit“ trägt den Titel „Bewegung“. Das Objekt steht mittlerweile in der norddeutschen Kleinstadt Diepholz vor der Firmenzentrale von „Lebensbaum“, einem Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Tee, Kaffee und Gewürze in Bioqualität spezialisiert hat.

„Energie des Lebens“ in Bronze

Von der Idee bis zur Realisierung dieses Werks hat es zwei Jahre gedauert. Erste Überlegungen skizzierte Dao Droste zunächst auf Papier. Für die Form ihres Kunstwerks überlegte sie sich verschiedene geschwungene Formen. Sie wollte die „Energie des Lebens“ in Bronze darstellen. Es folgten erste Skulptur-entwürfe. Schließlich entwickelte die Künstlerin einen dreidimensionalen Entwurf, der in 3-D-Technik gedruckt wurde. Anhand dieser Negativform wurde die Skulptur in sechs Teilen in einer Bronzegießerei in Straubing gegossen, dann zusammengefügt, verschweißt und mit Hochglanzlack überzogen. Die nach oben strebende Bronzeskulptur verkörpert auf künstlerisch-ästhetische Weise das Element „Bewegung“ und steht für die Energie des Lebens, für Wachstum, Zukunft, Offenheit und Toleranz.

Dao Droste wurde in Vietnam geboren. In Saigon wuchs sie mit elf Geschwistern auf. Im Alter von 19 Jahren hat die heute im In- und Ausland gefragte Malerin, Bildhauerin und Installationskünstlerin ihr Heimatland verlassen, um in Deutschland zu studieren, zu leben und zu arbeiten.

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Die Chemikerin begann im Anschluss an ihre Promotion eine bildhauerische Ausbildung. Seit 1983 ist sie als freischaffende Künstlerin tätig. 1987 eröffnete sie ihre „Galerie Dao“ in der Wasserturmstraße im Eppelheimer Norden.

Große Bekanntheit erlangte die bekennende Taoistin mit ihrer Bodeninstallation „open-mindedness“ mit 500 Gesichtern aus Terrakotta, die seit 1999 europaweit in vielen historischen Gebäuden gezeigt wird und zu Offenheit und Toleranz anregt.

Im Heute an morgen denken

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Mit ihrem Projekt „terra cantans“ möchte sie mit 150 lebensgroßen Köpfen aus Terrakotta für die friedliche Koexistenz von Mensch und Natur werben. Sie ist Schöpferin der internationalen „One World Award“-Statue und ist selbst Preisträgerin: 2015 wurde sie für ihr Engagement im Bereich „Kultur und Medien“ mit dem B.A.U.M.-Umwelt- und Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet, der 1993 ins Leben gerufen wurde, um bewusst Einzelpersonen auszuzeichnen. Dao Droste möchte mit ihren Werken zu mehr Umweltbewusstsein und nachhaltigem Handeln anregen. Die 68-Jährige gehört zu den Menschen, die im Heute an das Morgen denken und andere zum Nachdenken anregen möchten. „Wir haben alle eine Verantwortung für die nachkommende Welt“, betont sie. Jeder Mensch sollte bei seinem Denken und Handeln die Auswirkungen berücksichtigen. „Jeder stellt sich momentan die Frage, was das Wesentliche im Leben ist. Und ich hoffe, dass der Mensch endlich versteht, dass die Erde genug für uns alle bereithält, aber nicht genug für unsere Gier.“

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Ein wichtiger Ausgleich zu ihrem künstlerischen Schaffen ist für Dao Droste das Reiten. Seit sechs Jahren sind sie und ihr Pferd „Major“ unzertrennlich. Mit ihm verbringt sie jede freie Minute und genießt die Ausritte in der Natur.

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Freie Autorin Ich bin seit 1995 als freie Journalistin und Fotografin für die Schwetzinger Zeitung im Einsatz und betreue dabei hauptsächlich den Lokalbereich Eppelheim.