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Erfindung

Zwei Mädels und der Opa: Tüftler-Trio aus Hockenheim auf Müllmission

Manchmal entspringen große Ideen aus eigentlich kleinen Alltagsmomenten. Ein solcher war es, der den Freundinnen Viviana Santos und Lisa Christ aus Hockenheim in diesem Jahr ein lobenswertes Hobby bescherte.

Von 
Corinna Perner
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Auch rund um den Wasserturm finden Lisa Christ (links) und Viviana Santos (rechts) Müll, den sie in ihrem Müllwagen entsorgen. © Corinna Perner

Hockenheim. Manchmal entspringen große Ideen aus eigentlich kleinen Alltagsmomenten. Ein solcher war es, der den Freundinnen Viviana Santos und Lisa Christ aus Hockenheim in diesem Jahr ein lobenswertes Hobby bescherte. Denn als die beiden Zehnjährigen auf dem Schulweg jede Menge Zigaretten entdeckten, fragte sich Viviana: „Wer hebt den Dreck auf?“ – und der Stein kam ins Rollen.

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Denn „dann kam Lisa am nächsten Morgen mit einer Skizze“, berichtet sie weiter, wie die Freundin ihre Idee, einen Müllwagen zu bauen, zu Papier gebracht hatte. Die bekam dann auch bald der Onkel zu Gesicht, dessen Skepsis ob der Umsetzbarkeit und eine bevorstehende Reha ließen die Zehnjährige jedoch schnell an den Opa denken. „Der ist halt der, der alles baut“, meinte sie, mit ihm den richtigen an der Seite zu haben.

Opa Werner Bull wendete allerdings zunächst ein, dass nicht alle notwendigen Teile vorhanden seien – eine Aussage, die Enkelin Lisa schnell entkräften konnte: Räder gab es in Form der Stützräder ihres früheren Fahrrades, die der Opa glücklicherweise aufgehoben hatte, den ehemaligen Rollergriff fanden Lisa und Viviana auf dem Schulweg im Gebüsch und nahmen ihn für ihr Projekt mit. Einen Nachmittag später – „das hat mit Ach und Krach geklappt“ (Lisa Christ) – war das Gefährt im Großen und Ganzen zusammengesetzt und einsatzbereit. An das Gelingen glaubte Opa Werner Bull von Anfang an, kennt der 81-Jährige seine Enkelin doch nur zu gut: „Wenn die Lisa sich was in den Kopf gesetzt hat, wird es verwirklicht. Da gilt keine Ausrede“, ergänzt er schmunzelnd.

Viviana Santos (l.) hat die Idee, Lisa Christ (r.) zeichnet eine Skizze und Werner Bull kümmert sich gemeinsam mit der Enkelin um die Umsetzung. Das Ergebnis ist vor allem eines: praktisch. © Perner

„Do finne ma was“

Bei der Auswahl des Abfallbehälters war guter Rat teuer. Doch als ehemaliger Kachelofenbauer hatte der handwerklich begabte Großvater noch einen Lehmeimer zu Hause, der kurzerhand zum Mülleimer umfunktioniert wurde, sodass sich das Motto „do finne ma was“ einmal mehr bewahrheitete. Dank der zylindrischen Form des Eimers passen Müllbeutel besonders gut hinein, berichtet Werner Bull und Enkelin Lisa erzählt stolz, wie sie den oberen Teil mit der Stichsäge abgesägt hat. Schellen, Schrauben und Holz gab der Fundus ihres Opas ebenfalls her, sodass am Ende Plastik, Holz und Metall verbaut wurden. Dem Onkel enthielt Lisa das Gefährt nach Fertigstellung natürlich nicht vor und ließ sich dabei ein „Guck, das geht doch“ nicht nehmen.

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Auch die Mamas sind beeindruckt vom Ergebnis, „kleine Firmen fangen auch so an“, berichten sie, wie Viviana, Lisa und Werner Bull von der Idee über das Zeichnen der Skizze bis hin zur Umsetzung alle drei beteiligt waren.

Ein Team im Geiste

Während das Sammeln ganz Sache der Mädchen ist, sieht das mit der Mülltrennung etwas anders aus. „Das macht meistens die Mama“, verrät Lisa. Inzwischen wird Glas auch in einem separaten Sack oberhalb des restlichen Mülls gesammelt, bevor es im Hause Christ in die Glasbox wandert. Ob der restliche Müll dann in Zukunft im auf dem Weg liegenden öffentlichen Mülleimer entsorgt oder die Ausbeute dann doch weiterhin erst zu Hause vorgeführt wird, darüber herrscht aktuell noch etwas Uneinigkeit. Schwer wird der Wagen mit zunehmendem Füllstand allemal und so wechseln sich die Mädchen beim Ziehen ab.

Fehlen dürfen dabei weder die Handschuhe noch die zwei kleinen und eine große Zange, die sich die Mädchen bei Elke Schollenberger als Beauftragter der Lokalen Agenda ausgeliehen haben. Denn auch wenn die Mädchen während der Sammelzeiten der Grünen Engel die Schulbank inzwischen der weiterführenden Schulen drücken, fühlen sie sich der Gruppe zugehörig und entsprechende Aufkleber zieren den Wagen ebenso wie selbstverfasste Aufforderungen zur korrekten Müllentsorgung.

Müllwagen gebaut

"Müll gehört in die Mülltonne" – Ökogirls und Opa bauen Müllwagen

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Mitstreiter willkommen

Nicht nur für Hockenheim gelohnt hat sich der Bau des Müllwagens Marke Eigenbau allemal. Denn bei ihren vor den Sommerferien wöchentlich stattfindenden etwa eineinhalbstündigen Touren fanden sich nicht nur allerlei mehr oder weniger alltägliche Hinterlassenschaften wie Autoteile, eine Spraydose oder eine Flasche mit einer unbekannten grünen Flüssigkeit als Inhalt, sondern ein Trinkgeld in Höhe von 10 Euro wurde den Mädchen schon einmal von einem Passanten überreicht.

Auch die gefundenen Pfandflaschen brachten etwas Geld ein. Und natürlich ist ein gut gefüllter Müllsack für Viviana Santos und Lisa Christ ein ordentlicher Anreiz weiterzumachen. Schade dagegen finden sie es, wenn die gesäuberten Bereiche nach kurzer Zeit schon wieder vermüllt sind.

Inzwischen haben die beiden Zehnjährigen sogar einen Namen für ihren Club und nennen sich nun die „Ökogirls“. Wenn jemand mitsammeln möchte, ist er herzlich eingeladen, zeigt Viviana sich dabei offen für neue Gesichter und ist sich mit Lisa über das Aufnahmekriterium einig: Erwachsene sind nicht erwünscht. Gut wäre dagegen, wenn interessierte Kinder in der Nähe des Wasserturms wohnen, denn noch sind die Sammelgebiete räumlich begrenzt.

Der Opa hat daher auch schon den nächsten Auftrag: Eine Befestigung für die Müllsammeltonne am Fahrrad muss her, um den Sammelradius erweitern zu können. Die von der Enkelin auf einem Stadtplan dokumentierten bisherigen Einsätze sollen nämlich auf andere Gebiete Hockenheims ausgeweitet werden.

Freie Autorin Freie Mitarbeiterin für Hockenheim und Umgebung rund um die Themen Kultur, Religion sowie Land und Leute.

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