Aldi Süd - Betriebsrat und Geschäftsleitung starten Gespräche zum Interessenausgleich / Vorsitzender kann noch keine Einschätzung abgeben Felbusch möchte gute Lösungen für jeden Einzelnen

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Marco Brückl
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Aldi in Ketsch ist von der Filiale bis zur Rösterei kompakt beieinander – der Wegweiser am Ortseingang von Hockenheim kommend weist darauf hin. © Brückl

Ketsch. Der Schock sitzt noch tief – die Nachricht, dass die Regionalgesellschaft von Aldi Süd in Ketsch bis Mitte 2022 geschlossen werden wird (wir berichteten), erreichte die Mitarbeiter wie aus heiterem Himmel. „Niemand hat damit gerechnet“, sagt Viktor Felbusch im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Vorsitzende des neunköpfigen Betriebsrats muss aber mit seiner Mannschaft nach vorne schauen, denn die Gespräche mit der Unternehmensleitung haben begonnen.

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„Wir wollen schauen, dass wir für jeden Einzelnen eine gute Lösung erreichen“, sagt Viktor Felbusch. Man habe sich mit Aninna Angele aus Karlsruhe eine erfahrene Anwältin für solche Verhandlungen an die Seite geholt. Ein Zeitfenster für die Verhandlungen gebe es nicht, man habe sich keines gesetzt, selbstverständlich wollten die Mitarbeiter so schnell wie möglich über die Belange, die ihre Zukunft betreffen, Bescheid wissen. Betroffen seien insgesamt 275 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die 180 Arbeitsplätze ausfüllten. Zu den 275 Menschen aller Altersklassen, die meist aus der Region kommen, gehörten auch Saisonarbeiter oder Studenten dazu.

Die Atmosphäre zwischen beiden Seiten sei gut, Betriebsrat und Unternehmensführung befänden sich gerade in der Startphase – und es sei noch viel zu früh, um auf die Frage, ob womöglich viele oder eher wenige in anderen Regionalgesellschaften unterkommen, mit einer vernünftigen Einschätzung antworten zu können. „Es sind erst zwei Wochen vergangen. Dazu kann man vielleicht nach zwei Monaten etwas sagen“, betont Viktor Felbusch.

Mit der Gewerkschaft Verdi stehe man derzeit nicht in Kontakt, es sei vorerst auch nicht geplant. Mit Anwältin Aninna Angele verfüge man über den richtigen Beistand, um mit der Geschäftsleitung konstruktive Gespräche zu führen.

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Viktor Felbusch schaut so zuversichtlich nach vorne, wie es nach zwei Wochen seit Erhalt der Nachricht geht: „Es war natürlich auch für mich eine schlimme Nachricht, dass wir geschlossen werden.“ Seit achtzehneinhalb Jahren sei er am Standort tätig, seit 2011 bekleide er das Amt des Betriebsratsvorsitzenden, sagt der Brühler. Und: „Wir müssen einen klaren Kopf bewahren und uns auf die Gespräche konzentrieren.“ 15 Monate seien bis zur Betriebseinstellung noch hin.

Lange Tradition

Die Regionalgesellschaft Ketsch ist die älteste ihrer Art von Aldi Süd. 2018 feierte man 50-jähriges Bestehen. Der Standort sei mittlerweile nicht zukunftsfähig, da einer nötigen Erweiterung die Hochspannungsleitungen im Osten und Südosten sowie die unmittelbare Nähe zu Wohngebieten an der Nordseite des Logistikzentrums entgegenstünden, hieß es von Unternehmensseite.

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Hinzu kämen eine zu geringe Belastungsgrenze der Unterböden sowie eine zu geringe Hallenhöhe. Im Ergebnis sei es sinnvoller, den Betrieb in der Enderlegemeinde zum 30. April 2022 einzustellen und das zugehörige Filialnetz auf die umliegenden Regionalgesellschaften aufzuteilen. Es sei geplant, dass die Logistik ihren Betrieb zum 30. April und die Verwaltung zum 30. Juni 2022 einstellt, informierte das Unternehmen mit Hauptsitz in Mülheim an der Ruhr.

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Mit der aktuellen Logistikstruktur werde Aldi Süd nach eigener Einschätzung nicht dauerhaft Marktführer bleiben können. Neben Ketsch würden deshalb auch die Regionalgesellschaften Wittlich, Altenstadt und Montabaur schließen, hieß es abschließend.

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