AdUnit Billboard
Roland-Seidel-Halle

Oftersheimer Bürgermeisterkandidaten stellen sich Fragen der Bürger

Rund 500 Bürger waren zur offiziellen Kandidatenvorstellung in der Oftersheimer Roland-Seidel-Halle gekommen. Die Besucher sehen an diesem Abend die Demokratie als Sieger.

Von 
Stefan Kern
Lesedauer: 
Amtsinhaber Jens Geiß (l.) und Herausforderer Pascal Seidel stellen sich in Abwesenheit des dritten Kandidaten Samuel Speitels-bach den Fragen einiger unter den rund 500 Besuchern in der Roland-Seidel-Halle. © Norbert Lenhardt

Oftersheim. Das Interesse an diesem Wahlkampftermin war beachtlich. Rund 500 Bürger kamen in die Roland-Seidel-Halle, um Bürgermeister Jens Geiß und sein Herausforderer Pascal Seidel zu erleben. Eines der Motive, das hier voranging gewesen zu sein schien. Durchweg begegnete man Bürgern, die die Kandidaten einfach mal erleben wollten. Auffallend war, dass dem Termin von vielen Bürgern kaum Orientierungskraft für die Wahlentscheidung zugestanden wurde. Die meisten Bürger, die unsere Zeitung fragte, waren sich ihre Wahl schon sehr sicher.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Es ging eher um Rückversicherung denn Orientierung. Kurt Keller erklärte, dass er die beiden ja schon kenne und daher auch wisse, wem er seine Stimme gibt. Trotzdem fand er die Veranstaltung wichtig. „Ist schon gut, die beiden einmal zusammen zu sehen.“ Auch Brigitte Bacher hat sich schon entschieden. Ihre Meinung wird sie kaum ändern, aber noch einmal konzentriert beobachten, wie sich der Erwählte schlägt, dass „ist mir wichtig“. Aber wirklich Überraschendes erwartete sie nicht.

Wahlhelfer zur Bürgermeisterwahl in Oftersheim



21 Thesen zur Wahl: Vergleichen Sie Ihre Positionen mit denen der Kandidaten. Mit unserem digitalen Programm können Sie überprüfen, welcher der Kandidaten Ihre Interessen am stärksten vertritt.

Hier geht's zum Wahlhelfer.

Nach zweimal 15 Minuten war denn auch nicht wirklich viel Überraschendes auf dem Tisch. Außer vielleicht, dass Symbolpolitik wichtiger ist, als es scheint. Das Thema Namensgebung der Roland-Seidel-Halle, ein Fass, das Pascal Seidel aufmachte, sorgte in Sachen Stimmung für ein erstaunliches Zwischenhoch.

Trotzdem kam das Thema bei der anschließenden Fragerunde nicht mehr auf. Hier drehte sich alles um Klimaschutz, die Trassenführung der Bahn, die Bedeutung der Diversität, Schutz von Minderheiten, die Barrierefreiheit sowie Verkehrsführung, Geschwindigkeitskontrollen, bezahlbarer Wohnraum, Vereinsförderung und die Infrastruktur für den Radverkehr. Gleich vorweg, es gab keine Sätze, die eine bestehende Wahlentscheidung ins Wanken hätten bringen können. Aber, so Karl-Heinz Mechler, „es war gut einmal alles kompakt serviert zu bekommen“.

Klimaschutz nimmt viel Raum ein

Auch wenn den servierten Menüs sehr ähnliche Rezepte zugrunde lagen. Beachtlichen Raum nahm das Thema Klimaschutz ein. Der Slogan, mehr Güter auf die Schiene, war schon aus Klimaschutzgründen unstrittig. Beide betonten dabei aber die überragende Bedeutung des Lärmschutzes. Die Trasse sei, so Seidel, von so überragender wirtschaftlicher Bedeutung, dass effektiver Lärmschutz einfach kein Problem sein dürfe. Auch in Sachen Entsiegelung von Flächen, mehr Bäumen im öffentlichen Raum und dem Kampf gegen Schottergärten waren sich die beiden Kandidaten einig. Mehr Flächen müssen entsiegelt, mehr Bäume gepflanzt und Schottergärten wieder begrünt werden. Seidel legte dabei den Finger in die Wunde namens Klimaschutzkonzept. Nur noch zwei Gemeinden im Rhein-Neckar-Kreis hätten keins und leider gehöre Oftersheim dazu.

Bezahlbarer Wohnraum

Beim Thema Geschwindigkeitskontrollen brachte der Herausforderer ein mobiles Blitzgerät ins Spiel, das in anderen Kommunen seine Wirksamkeit schon unter Beweis gestellt habe. Auch in Sachen Inklusion habe Oftersheim mit der Dorf-Pride-Veranstaltung im vergangenen Jahr, meinte Geiß, schon gezeigt, dass das Thema genau wie die Barrierefreiheit ernst genommen werde. Und das gelte auch für das Thema bezahlbaren Wohnraum. Geiß erinnerte daran, dass Oftersheim 320 kommunale Wohnungen habe und damit auf dem Wohnungsmarkt durchaus Einfluss habe.

Seidel nahm dabei den Leerstand ins Visier und erklärte, dass er mit Eigentümern das Gespräch suchen werde, um den Wohnungsmarkt zu entlasten. Aber schnelle Linderung konnte keiner versprechen. Die Idee einer Wohnungsbaugesellschaft will Seidel prüfen lassen. Wobei Geiß erklärte, dass sich das für eine Kommune in der Größe Oftersheims laut Experten nicht rechnen würde.

Sehr konkret wurde es mit der Frage nach einem Kulturraum für den Musikverein. Es würde viel für die Sportvereine getan und es scheine manchmal so, dass die Kulturvereine etwas aus dem Blick gerieten. Zum Glück, so Geiß, seien für den Musikverein ja gerade Räumlichkeiten gefunden worden. Aber im Grundsatz sei das eine gute Idee, die im Kontext des Sanierungsprojekts Ortsmitte II angegangen werden könnte. Nicht wirklich befriedigende Worte gab es zur Radschnelltrasse. Die Sache, das befanden beide Kandidaten, sei auf dem Weg, würde aber sicher noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

Wie von vielen Besuchern erwartet, gab es kaum Überraschungen. Aber als wichtig wurde die Veranstaltung trotzdem bewertet. Martin Schindler fand genau wie Gabi Heid und Thorsten Meiser, dass sich der Abend gelohnt habe. Gefreut hat Meiser den Umgang, den die Kandidaten miteinander pflegten. „In diesen aufgeheizten Zeiten war es eine Wohltat, diesen fairen Austausch zu erleben.“ Und gut war auch zu sehen, so Schindler, dass viele Menschen am kommunalen Geschehen doch Anteil nehmen. Wer die Wahl gewinne, sei offen, aber für die Demokratie sei es ein guter Abend gewesen.

Freier Autor Stefan Kern ist ein freier Mitarbeiter der Schwetzinger Zeitung.

Mehr zum Thema

Bürgermeisterwahl Oftersheimer Bürgermeisterkandidaten stellen sich vor

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Roland-Seidel-Halle Unwägbarkeiten bei der Kandidatenvorstellung für die Bürgermeisterwahl in Oftersheim

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Bürgermeisterwahl Was Sie die Oftersheimer Bürgermeisterkandidaten schon immer fragen wollten . . .

Veröffentlicht
Mehr erfahren
AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1