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Bürgermeisterwahl

Oftersheimer Bürgermeisterkandidaten stellen sich vor

Bei der Kandidatenvorstellung legen sich Jens Geiß und Pascal Seidel mächtig ins Zeug – der eine spricht über Errungenschaften, der andere mehr über die Gestaltung der Zukunft.

Von 
Joachim Klaehn
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Die Bürgermeisterkandidaten Pascal Seidel und Jens Geiß (v.l.) schütteln sich bei der Kandidatenvorstellung in der Roland-Seidel-Halle in Oftersheim freundschaftlich die Hand. © Norbert Lenhardt

Oftersheim. Die gespannte Erwartungshaltung ist vor Beginn der Kandidatenvorstellung am Montagabend zu spüren. Schon um 18 Uhr stehen eine ganze Menge Leute vor dem Eingang der Roland-Seidel-Halle. Doch bei dieser besonderen Veranstaltung vor der Bürgermeisterwahl am 18. September gibt es für das Publikum wie auch Medienvertreter kein Pardon. Pünktlich um 18.15 Uhr öffnen die Pforten. Und recht schnell füllt sich die akribisch vorbereitete Szenerie. Amtsinhaber Jens Geiß (47) und Herausforderer Pascal Seidel (39) stehen vor dem Härtetest. Alles ist reglementiert. Kameras und Mischpult stehen bereit, zwei Ecken für Redner oder Fragesteller ebenfalls, auch wenn es nicht der Hyde Park mit seiner legendären „Speakers’ Corner“, sondern mittendrin in Oftersheim ist.

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Bürgermeisterkandidaten stellen sich in Oftersheim vor

Die meisten der später rund 500 Besucher sind froh, dass Kandidat Nummer drei, Samuel Speitelsbach (35) aus Ravenstein, nicht erschienen ist. Bei vielen scheint der Tenor so zu sein, dass sie sich per Briefwahl (bereits 2 000 der 9 565 Wahlberechtigten sollen diese Möglichkeit bis 12. September genutzt haben) oder eben innerlich für einen der beiden Bewerber bereits entschieden haben – und sich nochmals vergewissern möchten, ob sie dem „Richtigen“ am Wahlsonntag ihre Stimme geben. Wahlausschussvorsitzender, Veranstaltungsleiter und Ex- Bürgermeister Helmut Baust erklärt die Spielregeln. Einmal ist er um einige Sekunden zu früh. „Noch net?“, sorgt er für Lacher im Publikum. Der Kameramann für den begleitenden Livestream zählt den Countdown runter.

Die Besucher in der Roland-Seidel-Halle warten gespannt auf den Beginn der Bürgermeister-Kandidatenvorstellung, bei der sich Jens Geiß und Pascal Seidel um jeweilige Sympathiepunkte bemühen. © Norbert Lenhardt

Dann geht’s los. Mit Amtsinhaber Jens Geiß um 19.10 Uhr. Er ist exzellent vorbereitet, wie sein Gegenüber Pascal Seidel, der laut Protokoll vor dem Redebeitrag von Geiß die Bühne verlassen muss, leicht nervös. Doch beide „grooven“ sich ein. Die starke Resonanz zeige das starke Interesse an Oftersheim und dieser anstehenden Wahl. Es mache „eine Demokratie aus, dass man sich als Amtsinhaber nach einer achtjährigen Amtszeit der Wiederwahl stellen muss“, so steigt er ein, „es handelt sich um eine Persönlichkeitswahl.“

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Er skizziert seinen persönlichen Werdegang, seine tiefe Verwurzelung mit dem Ort, sein Selbstverständnis als Diplom-Betriebswirt. Das Faible für Zahlen würde ihn schon immer begleiten, „Zahlen lügen nicht“, konstatiert Geiß, der in der katholischen Kirche als Ministrant und später als Vorsitzender der CDU-Fraktion im Gemeinderat von 2007 bis 2014 „früh gelernt hat, Verantwortung zu übernehmen“.

Geiß führt die Errungenschaften in der Gemeinde auf. Im Schulwesen, den zweiten Jahrgang der Ganztagesgrundschule in der Theodor-Heuss-Schule, die insgesamt 480 Kindergartenplätze im Ort, vergleicht die hundertprozentige Quote mit Mannheim, die Quadratestadt habe 25 Prozent weniger Kindergartenplätze zu bieten – und kommt zur Schlussfolgerung: „Ja, wir haben unsere Hausaufgaben für unsere Familien gemacht.“

„Es handelt sich um eine Persönlichkeitswahl“: Jens Geiß bei der Kandidatenvorstellung. © Lenhardt

Das Thema massive Kritik des Gemeinderats umkurvt Geiß geschickt, betont die Priorisierung von Projekten, nennt Zahlen zum Rettungszentrum, zu Schulinvestitionen sowie Kanal- und Straßenbaumaßnahmen. Angebote für Senioren seien ihm wichtig, die Jugendlichen, die Vereine. Einen seiner Leitsätze verrät Geiß: „Zweimal billig gekauft ist am Ende teurer als einmal richtig.“ Auf wirtschaftliches Handeln habe er in der Politik schon immer Wert gelegt. So seien kommunaler Wohnungsbestand, Sanierung von gemeindeeigenen Immobilien und Nachhaltigkeit unter „neuesten energetischen Gesichtspunkten“ wichtige Faktoren. Stolz verkündet er, dass es eine Urkunde von Umweltbundesministerin Svenja Schulze für Oftersheim gegeben habe. Die Uhr des 15-minütigen Zeitfensters tickt unerbittlich – Geiß erhöht das Tempo. Digitalisierung, Glasfaserausbau, Sanierungsgebiet „Ortsmitte II“, Carsharing-Fahrzeuge, Parken, Renaturierung von Leimbach und Landgraben, Bahnunterführung, es wird stakkatohaftiger. Man fühlt: Geiß will in die zweite Amtsperiode gehen. Unbedingt. Er wirbt dafür, ihm „weiterhin Vertrauen zu schenken“. Mit dem Klingelton schließt er ab – ein gut getimter „Parforceritt“.

Die Unterschiede bei Pascal Seidels Rede sind offensichtlich, als er ab 19.27 Uhr strukturiert redet. Es wird noch privater, er spricht die Bürger mehrmals direkt an. Meint, es sei ein „intensiver Wahlkampf“ und „eine persönliche Bereicherung“ für ihn. Es wird klar, warum er das höchste Amt in der Gemeinde anstrebt, weil er schon immer ehrgeizig war. Bereits in jungen Jahren hat er über verschiedene Stationen bei der Stadt Schwetzingen Verantwortung gespürt, ja gewollt.

Ein „intensiver Wahlkampf“ und „eine persönliche Bereicherung": Pascal Seidel bei der Kandidatenvorstellung. © Norbert Lenhardt

Diplom-Verwaltungswirt, Ordnungsamtsleiter seit 2014, zuständig für 40 Mitarbeitende dort, die erworbene Zusatzqualifikation in der Führungsakademie des Landes Baden-Württemberg – Seidel weiß, wie Verwaltungsspitze und Rathäuser funktionieren, wie die dort arbeitenden Menschen ticken. Zwei Leitsätze für ihn: Der Mensch stehe immer im Mittelpunkt – sowie eine Direktive für sein Tun: „Sei Teil der Lösung und nicht des Problems“. Seidel beruft sich gar auf einen Satz von Ex-Bürgermeister Karl Frei, der Siegwald Kehder bei dessen Amtseinführung 1974 mit auf den Weg gegeben habe: „Mehr sein als scheinen, mehr leisten statt hervortreten.“

Bürgermeisterkandidaten stellen sich in Oftersheim vor: Nahbare Gesprächskultur

Er präsentiert sich ganz als parteiloser, sach- und projektbezogener Kandidat. Die drei Schlagworte seines Wahlkampfes, „gemeinsam – nachhaltig – gestalten“, fallen immer wieder. „Gemeinsam“ am häufigsten. Das entspricht seiner Herangehensweise, seiner nahbaren Gesprächskultur, seinem Führungsstil. Wie Geiß ist er aufgeregt und kriegt es in den Griff. Gemeindeentwicklungskonzept, lebendige Ortsmitte, „ein attraktiver Ortskern mit hoher Aufenthaltsqualität muss hier das Ziel sein“. Bezahlbarer Wohnraum, Mehrgenerationenmodelle und sinnvolle Käufe der Gemeinde ebenso.

Wolfgang Köhler von SWR 4 moderiert an Stelle von Alexander Dambach. © Norbert Lenhardt

Es ist ein informativer „Tour d’Horizon“. Ein Plädoyer für eine nahbare öffentliche Verwaltung, für „flexible Arbeitsbedingungen und ein gutes Arbeitsklima“ auch im Rathaus, für mehr Kontinuität und weniger Fluktuation – eine Anspielung. Vereine, Ehrenamt, „Klimaschutz als Querschnittsaufgabe“, „ein gemeinsam entwickeltes Klimaschutzkonzept“, sein Fokus richtet sich logischerweise mehr in die Zukunft.

Gegen Ende seiner Rede spricht er konkret die Umbenennung der Kurpfalz- in Roland-Seidel-Halle sowie die beiden Stellungnahmen des Gemeinderats an. „Ich hatte als Bürgermeisterkandidat keinen Einfluss auf nur einen der beiden Sachverhalte, so dass ich Sie bitte, eine Beurteilung nicht an meine Person zu knüpfen“, betont Seidel. Im Falle eines Wahlsieges wolle er „die Umbenennung der Kurpfalzhalle im Gemeinderat nochmals zum Thema machen, verbunden mit einem Alternativvorschlag“.

Es brandet spontan Applaus auf. Es ist ein starker, emotionaler Moment. Dieses Thema scheint „Ofdasche“ zu beschäftigen. Das ist irrational, aber nicht zu ignorieren. Oftersheim hat zwei starke und selbstbewusste Kandidaten erlebt. Unter enormem Zeitdruck wohlgemerkt.

Redaktion Seit Ewigkeiten im Mediengeschäft, seit Mai 2022 neuer Redakteur der Schwetzinger Zeitung. Reporter aus Passion - mit Allroundkompetenz. Bevorzugt menschliche Nähe sowie journalistische Distanz zur Sache.

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