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Schwetzingen

Fahrer eines Polizeiwagens fährt Rentnerin tot

Eine 84-jährige Frau schiebt ihr Rad bei Grün über die Fußgängerampel in der Ketscher Landstraße in Schwetzingen. Ein Polizei-Angestellter in zivil fährt trotz des Rotlichts weiter und rammt die Frau, die vor Ort verstirbt.

Von 
Jürgen Gruler
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Kurz nach dem Unfall am Mittwochmittag: Die Sanitäter kümmern sich um die schwer verletzte Frau hinter einer Sichtschutzwand. © PR-Video (2), Gruler

Schwetzingen. Schlimmer geht es kaum. Eine 84-jährige Rentnerin macht alles richtig, fordert per Knopfdruck an der viel befahrenen Ketscher Landstraße Grün an, bekommt es, schiebt dann vorbildlich ihr Rad über die Fußgängerfurt und wird auf der Furt von einem Polizeiwagen totgefahren, dessen Fahrer trotz roter Ampel weitergefahren ist und dann nicht mehr bremsen konnte.

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Am Unfallort sind die Zeichnungen auf der Fahrbahn auszumachen, die bei der Rekonstruktion des Unfallhergangs helfen sollen. © Gruler

Eine Tragödie für Unfallbeteiligte und Angehörige, alle Rettungsversuche der Notärzte, die hinter der aufgebauten Abdeckung um ihr Leben kämpfen, sind am Ende vergeblich. Die Frau stirbt auf der Straße, obwohl sie sogar einen Helm getragen hatte. Sie war mit solch einer Wucht auf die Frontscheibe des Mercedes-Busses der Polizei geprallt, dass die Scheibe ein Loch hat und sie wurde dann noch auf die Straße geschleudert.

So viel zu den Fakten des Unfalls. Niemand möchte in der Haut des Fahrers stecken, der nicht Polizist ist, sondern Zivilangestellter des Präsidiums in Mannheim. Von dort flossen die Informationen schon am Mittwoch, als sich um die Mittagszeit der Unfall ereignete, sehr zögerlich und spärlich.

Deshalb stellte unsere Zeitung 13 Fragen. Zur Dokumentation und damit Sie sich selbst ein Bild von dem Umgang der Staatsorgane mit solchen Anfragen machen können, drucken wir hier Fragen und Antworten des Pressesprechers komplett ab.

Teilen Sie uns bitte Geschlecht und Alter der beiden Unfallbeteiligten mit. Beim Opfer interessiert uns auch, aus welcher Stadt oder Gemeinde sie stammt?

Dennis Häfner: Der männliche Fahrer des Polizeifahrzeugs ist 59 Jahre alt. Die verstorbene Frau war 84 Jahre alt. Aus Gründen der gebotenen Pietät machen wir keine Angaben zum Wohnort.





Zu den drei Fragen: War der Polizist alleine im Wagen oder mit anderen Beamten? Handelte es sich um eine Streifenfahrt oder eine andere Art von Fahrt. Falls ja, um welche? Stimmt es, dass der Fahrer des Unfallwagens in Zivil war? Wenn ja, warum? Auf alle diese Fragen gibt es nur eine zusammenfassende knappe Antwort:

Häfner: Der Fahrer des Polizeifahrzeugs ist ein Mitarbeiter des Polizeipräsidiums Mannheim, der sich zum Unfallzeitpunkt alleine auf einer Dienstfahrt befand. Er ist Angestellter, kein Polizeibeamter.

Auch zu den nächsten drei Fragen gibt’s nur eine Antwort: Welche Angaben können Sie zum Unfallhergang machen? Der Streifenwagen hat die Radfahrerin ja an einer Fußgängerampel erfasst, war die Ampel in Betrieb und was zeigte sie nach Erkenntnissen der Ermittler für welchen Verkehrsteilnehmer an? Wollte die Frau die Straße überqueren?

Häfner: Nach derzeitigem Ermittlungsstand der Unfallermittler übersah der Fahrer des Dienstfahrzeugs auf der Ketscher Landstraße in Fahrtrichtung Schwetzingen das Rotlicht einer Ampel. Dabei wurde die 84-Jährige, die gerade die Straße überquerte, vom Fahrzeug erfasst. Die Frau ging zu Fuß über die Straße und schob dabei ihr Fahrrad.

Die Fußgängerampel an der Unfallstelle. Die Bäume verdunkeln das Areal. Die tiefstehende Sonne erfordert höchste Konzentration von Autofahrern. © Gruler

Dann die Fragen zur Unfallursache: Gibt es Erkenntnisse über die Geschwindigkeit des Wagens? Welche ersten Erkenntnisse konnte der eingesetzte Gutachter ziehen?

Häfner: Neben den polizeilichen Ermittlungen durch den Verkehrsdienst Mannheim wurde von der Staatsanwaltschaft Mannheim ein Sachverständiger beauftragt. Aussagen über die Geschwindigkeit des Wagens können bislang nicht getroffen werden.

Und zu etwaigen Zeugen fragten wir: Gab es Zeugen? Was sagen die? Falls es keine Zeugen gab, warum hat dann die Pressestelle keinen Zeugenaufruf veröffentlicht, wie sonst üblich?

Häfner: Es sind den Ermittlern bereits mehrere Zeugen bekannt, die den Unfall beobachteten. Anhand der Spurenlage vor Ort sowie einer ersten Anhörung der Zeugen konnte der bereits geschilderte Unfallhergang vorläufig ermittelt werden.

Wie geht es dem beteiligten Mitarbeiter?

Häfner: Der Mitarbeiter des Polizeipräsidiums Mannheim erlitt einen schweren Schock.

Gibt es Erkenntnisse, an was das Opfer verstorben ist?

Häfner: Trotz eines getragenen Fahrradhelmes wurde die Frau durch den Zusammenstoß mit dem Fahrzeug tödlich verletzt. Durch Aufprall bei der Kollision wurde die 84-Jährige auf die Fahrbahn geschleudert.

Der Polizeibus nach dem Unfall. Kühlerhaube und Frontscheibe weisen Spuren des Aufpralls auf. © PR-Video

Gefährliche Gesamtsituation

Die Ketscher Landstraße ist immer wieder Ort schwerer Verkehrsunfälle mit Todesopfern. Leitplanken verhindern an dieser Stelle, dass Fußgänger dort auf die Straße gelangen. Sie müssen über die Fußgängerampel gehen, um auf die andere Seite zu kommen, wo ja der Feldweg Richtung Kleingärten und zu den Bauernhöfen im Forst führen. Und immer wieder wird in diesem Bereich viel zu schnell gefahren. Durch den Wohnmobilstellplatz gleich nebenan ist hier längst nicht mehr nur Fußgänger- und Radverkehr wenn Fußballspiele stattfinden, sondern inzwischen zu jeder Tageszeit an allen Tagen. Die Bäume sorgen zudem für eine gewisse Verschattung der Ampelanlage und es gibt Blendwirkungen. Da besteht Handlungsbedarf.

Chefredaktion Jürgen Gruler ist Chefredakteur der Schwetzinger Zeitung.

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