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Denkmalschutz

Vorwürfe gegen Stadt Schwetzingen: „Ältestes Haus der Stadt ist dem Rathaus wenig wert“

Wie zwei Parkplätze in der Heidelberger Straße in Schwetzingen zum Streitobjekt werden.

Von 
Jürgen Gruler
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Das Haus Schäfer in der Heidelberger Straße 12 ist ein echtes Schmuckstück und steht im Denkmalbuch. Die beiden Parkplätze davor sorgen für Ärger. © Gruler

Schwetzingen. Klaus Schäfer ist ziemlich sauer auf die Schwetzinger Stadtverwaltung. Er kämpft nun schon seit Jahren um Respekt für sein Haus in der Heidelberg Straße 12, das 1619 gebaut wurde und gemeinhin als ältestes noch intaktes Anwesen der Stadt gilt und als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ ins Denkmalbuch eingetragen ist. Ein Haus, das er hegt und pflegt, mit viel Aufwand von einer Bruchbude zu einem Schmuckstück saniert hat und da schmerzt es ihn natürlich ganz besonders, wenn es immer wieder beschädigt wird.

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„Für die Schäden ist aus meiner Sicht die Stadt verantwortlich. Und trotz verschiedenster Anläufe meinerseits mit und ohne Anwalt ist vonseiten des Rathauses keinerlei Entgegenkommen zu spüren. Ich bin enttäuscht, dass Ordnungsamtsleiter Pascal Seidel einfach nicht auf meine Bitte eingehen will, die beiden direkt vor dem Gebäude in der viel zu engen Straße mit 90 Zentimeter schmalem Gehweg befindlichen Parkplätze zu beseitigen. Zwei Striche als X würden genügen und alles wäre in Ordnung. In der Friedrichstraße hat man das doch vor einigen Anwesen auch so gemacht“, sagt Schäfer. Auch seine Versuche, eine Entscheidung bei Bürgermeister Steffan, im Bauamt oder beim OB zu erreichen, sei erfolglos geblieben“, erzählt er der Redaktion im Gespräch.

Der Gehweg ist einfach zu eng. Da wird dann schnell mal mit einem breiten Post- oder Lastenrad oder mit dem Kinderwagen die Wand des denkmalgeschützten Hauses angeschrammt. © Gruler

Wer vor Ort geht, sieht schnell, was Schäfer meint. Am empfindlichen Mineralputz des Sockels sind lange Schrammen und Striche zu sehen: „Wenn hier Autos oder gar Lieferwagen parken, stehen sie oft noch auf dem Bordstein mit einem Reifen. Kinderwagen und Fahrräder streifen dann auf dem schmalen Gehweg an die Wand und beschädigen sie“, erzählt Schäfer. Der sehr empfindliche Putz wurde damals von der Denkmalschutzbehörde vorgeschrieben, ich durfte keinen Zementputz verwenden, der weitaus unempfindlicher gewesen wäre, obwohl ich damals schon auf das Problem aufmerksam gemacht habe.“ Schlimm sei es aber erst geworden, als die Stadt zwei zusätzliche Parkplätze hier eingerichtet hat und so nochmals alles verengt hat in der Straße. Hinzu kommt dann oft genug, dass verbotenerweise auch auf den folgenden schraffierten Flächen noch Autos abgestellt werden und das benachbarte Gasthaus beliefert werden muss. „Manchmal ist es dann gar nicht möglich, aus unserer Hofeinfahrt aus- und einzufahren“, so Schäfer weiter.

Risse durch schweren Lkw-Verkehr

Zusätzliche Schäden habe das „älteste Haus Schwetzingens“ dann im Inneren erlitten, weil bei den Bauarbeiten – zuletzt beim Bau des Wohn- und Geschäftshauses in der Mannheimer Straße, in dem jetzt die Bäckerei Grimminger ansässig ist – die schweren Lastwagen mit dem Bauschutt von den Abrissarbeiten alle hier durch die enge Straße ratterten. Ein von Schäfer beauftragtes Gutachten hatte ergeben, dass auf das Haus, das nicht unterkellert ist, bei einem Fahrzeug mit Schwerlastverkehr Kräfte wirken wie sonst bei 1000 Autos. „Dabei sind bei uns Risse in den Wänden entstanden“, sagt er. Die Stadt hingegen spricht von Setzungsrissen wegen des Untergrunds. Aber Schäfer, der ja selbst vom Fach ist mit seinem langjährig betriebenen Farben-Fachgeschäft, entgegnet: „Bei uns haben die Gläser in den Schränken geklirrt.“

Wenn dann Autos wie hier auch noch halb auf dem schmalen Gehweg stehen, dann ist gar kein Durchkommen mehr auf dem 90 Zentimeter breiten Fußweg. © Schäfer

Die Stadt Schwetzingen hat von uns gestellte Fragen nur kryptisch beantwortet. Die Pressesprecherin Andrea Baisch teilte folgendes mit: „Die Stadt konnte die geschilderten Problemlagen wie sie vom Grundstückeigentümer Klaus Schäfer auch gegenüber der Schwetzinger Zeitung vorgetragen wurden, nach einer intensiven Diskussion und einer Beauftragung eines Gutachters durch die Stadt, mit einem Austausch der eingebundenen Anwaltskanzlei von Klaus Schäfer mündlich und schriftlich besprechen. Seit dieser Zeit wurde der Status quo – Erhalt der Stellplätze, Setzrisse aus einem Niedrigstand des Grundwassers und damit Auswirkungen auf die Plastizität des Auenlehms im Untergrund, was zu Verformungen und Setzrissen an Gebäuden führen kann – vom Grundstückseigentümer und der eingebundenen Anwaltskanzlei nicht mehr infrage gestellt“, heißt es da.

Unbeachtet bleibt wohl der Vorschlag, den Klaus Schäfer unserer Zeitung gegenüber der Stadt gemacht hat. Er würde einen sehr schönen Pflanztrog anstelle der Parkplätze kaufen, aufstellen lassen und auch für die gesamte Pflege aufkommen, bietet er an. Damit wäre mehr Platz auf dem Gehweg und auf der Straße und sein denkmalgeschütztes Haus bliebe besser vor Schrammen geschützt. Die Stadt antwortete gestern Mittag dann doch noch konkret: „Aus dem Blickwinkel des öffentlichen Interesses aller Interessenslagen in der Dreikönigstraße und Heidelberger Straße – wie dem dort ansässigen Einzelhandel, der Gastronomie, dem Besucher- und Bewohnerparken – ist ein Aufstellen von privaten Blumen-kübeln auf öffentlichen Stellplätzen aus unserer Sicht nicht zielführend.“

Chefredaktion Jürgen Gruler ist Chefredakteur der Schwetzinger Zeitung.

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