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Landeskirche

Speyer: Wie die Kirche aktiv gegen Missbrauch vorgehen will

Eine Podiumsdiskussion in Speyerer Gedächtniskirche hat den Schutz der Kinder im Blick, der oftmals in staatlichen und kirchlichen Organisationen nicht ausreicht.

Von 
lk
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Anja Ziebler-Kühn (v.l.), Anja Schraut, Moderator John Seegert, Bettina Wilhelm und Professorin Mechthild Wolff bei der Podiumsdiskussion. © lk/Wagner

Speyer. Kinder zu schützen und ihre Rechte zu achten: Das klingt so selbstverständlich – ist es aber nicht. Was muss sich verändern, damit Kinder und Jugendliche in Organisationen sicher sind? Antworten auf diese Frage lieferte die Podiumsdiskussion „Hinhören. Hinsehen. Handeln. Aktiv gegen Missbrauch in unserer Kirche“ an der Speyerer Gedächtniskirche.

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Die Erziehungswissenschaftlerin Mechthild Wolff machte in ihrem Vortrag deutlich, dass es beim Kinderschutz bis heute hapert. Die Professorin aus Landshut sagte sogar: Kinderschutz und Kinderrechte reichen nicht in staatliche und kirchliche Organisationen hinein. Dort gebe es keine wirksamen Reformen.

Warum scheint Missbrauch von Schutzbefohlenen in Organisationen so einfach möglich zu sein? Wolff erklärte: Organisationen seien grundsätzlich viel mächtiger als Einzelne. Es bestehe das Risiko, dass sie ihre Macht missbrauchen. Dies sei vor allem in Organisationen der Fall, die feste Strukturen besitzen und in sich ein Machtgefälle haben. Zudem sieht die Professorin eine Besonderheit von sozialen Einrichtungen: Wer anderen hilft, gelte automatisch als gut und fehlerlos. Deshalb würden Außenstehende darauf vertrauen, dass sich diese Organisationen korrekt verhalten. Sie betonte, dass alle in einer Organisation Verantwortung tragen. Es gebe keine einzelnen Täter. Ihr Tun werde gedeckt, geduldet oder übersehen. Deshalb müsse eine Organisation immer als Ganzes betrachtet werden.

Nicht nur schützen – stärken

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Mechthild Wolff lieferte Vorschläge, wie wirksamer Schutz aussehen könnte. Zuerst müsse sich die Sichtweise umkehren: Anvertraute dürften nicht als Hilfsbedürftige betrachtet werden, sondern als Menschen mit Rechten. Organisationen sollten die Einzelnen bestärken, ihre Rechte auszuüben. Mitarbeitende müssten sehr wachsam und achtsam sein, wenn Rechte, Würde und Selbstbestimmung verletzt werden. Das sollte man nicht nur bei anderen, sondern auch bei sich selbst tun.

Dies zu erreichen, sei die aktuelle Aufgabe und eine große Herausforderung, sagte Bettina Wilhelm, Missbrauchsbeauftragte der Protestantischen Landeskirche. Die Landeskirche arbeite daran, eine Kultur des Hinsehens zu schaffen. „Alle müssen sich ihrer Verantwortung bewusst werden.“ Entsprechende Schulungen laufen, in allen Einrichtungen der Landeskirche werden Schutzkonzepte entwickelt. Auch eine Anlaufstelle für Betroffene – wie von Wolff vorgeschlagen – hat die Landeskirche geschaffen.

Als erste evangelische Landeskirche verlangen die Pfälzer von allen Haupt- und Ehrenamtlichen erweiterte Führungszeugnisse. Zwar gebe es in der evangelischen Kirche weniger Missbrauchsfälle als in der katholischen, aber „jeder Fall ist zu viel“, so Wilhelm. Sie schilderte, wie die Landeskirche bei einem Verdachtsfall handelt. Das strikteVorgehen beuge weiterem Missbrauch vor, denn „jede verfolgte Tat ist abschreckend“.

Anja Ziebler-Kühn vom Kinderschutzbund berichtete eindrücklich, wie Kinder und Jugendliche körperlich und seelisch auf Missbrauch reagieren. Wie Missbrauchsfälle rechtlich behandelt werden, machte Anja Schraut deutlich. Sie machte klar, dass es kaum eine Grauzone gibt, was als Missbrauch gewertet wird: „Die Schwelle zur Straftat ist sehr niedrig.“

Die Evangelische Kirche der Pfalz verfolgt seit Jahren eine Nulltoleranzpolitik mit konkreten Maßnahmen. Bereits 2018 hat die Landessynode das „Gesetz zum Schutz vorsexualisierter Gewalt“ verabschiedet. Wesentliche Elemente sind die Beteiligung Betroffener, die individuelle Aufarbeitung durch eine unabhängige Kommission sowie die institutionelle Aufarbeitung. 

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