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Verein Feuerbachhaus - Geburtshaus des Künstlers wird heute als Galerie und Weinstube genutzt

Verein Feuerbachhaus: Vor 50 Jahren aus Protest gegen Abriss gegründet

Von 
Nikolaus Meyer
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Der Verein Feuerbachhaus feiert mit einem Festakt im Historischen Ratssaal sein 50-jähriges Bestehen und damit die Rettung des Geburtshauses des berühmten Malers Anselm Feuerbach vor dem Abriss. Vorsitzende Monika Kabs begrüßt die Gäste. © Venus

Speyer. Im August 2015 wurde das Feuerbachhaus in seinem heutigen Zustand 40 Jahre alt. Das Jubiläum feierte der gleichnamige Verein seinerzeit mit Freunden und Gönnern, wobei das Programm ganz auf den Namensgeber des Hauses zugeschnitten war. In seinem Geburtshaus in der Allerheiligenstraße erblickte der Maler Anselm Feuerbach am 12. September 1829 das Licht der Welt.

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Dass dieses Jubiläum möglich wurde und das Feuerbachhaus heute als kulturelle Begegnungsstätte mit Museum, mehreren Wechselausstellungen pro Jahr, Musikdarbietungen, Autorenlesungen und einer attraktiven Weinstube über Speyer hinaus Ansehen genießt, ist neben der Stadt und anderen Unterstützern vor allem dem Verein Feuerbachhaus zu verdanken. Er wurde am 20. Oktober 1971 mit dem Ziel gegründet, das um 1800 erbaute und vom Abriss bedrohte Anwesen als Gedenkstätte zu erhalten. Zu den Gründungsmitgliedern zählten Persönlichkeiten wie der damalige Oberbürgermeister Dr. Christian Roßkopf, Justizrat Dr. Georg Tochtermann und der Unternehmer Carl Dupré. Bedeutende Initiatoren, die inzwischen verstorben sind.

Bloß nicht das Gleiche erzählen wie bei den anderen Festakten

Dass Oberbürgermeister a. D. Werner Schineller mit seinen Reden immer für eine Überraschung gut ist, hat sich herumgesprochen. Beim inspirierenden Rückblick überraschte er seine Zuhörer damit, dass er und weitere Redner bei verschiedenen Anlässen schon öfter auf die Geschichte des Feuerbachhauses eingegangen seien und man Wiederholungen vermeiden sollte.

Zu mehreren Rednern im Laufe der Jahrzehnte gehörte auch der damalige Kultusminister und spätere Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel, der zur Eröffnung des Feuerbachhauses am 26. April 1975 sprach. Vogel war es auch, der zum 25-jährigen Bestehen eine Ansprache zur Geschichte und Identität von Feuerbach in Speyer hielt. Den Reigen der Reden zu verschiedenen Jahrestagen ergänzte der frühere rheinland-pfälzische Kultusminister Dr. Georg Gölter, der die Geschichte des Feuerbachvereins bei dessen 30. und 40. Vereinsjubiläum (2001 und 2011) Revue passieren ließ. Schließlich hat Schineller selbst am 29. August 2015 zum 40. Jahrestag der Eröffnung des Hauses gesprochen.

„Was bleibt da heute für mich noch übrig?“ – deshalb blickte er weniger auf das Haus und den Verein, sondern schwerpunktmäßig auf einen Lebensabschnitt der Familie Feuerbach zurück. Dabei spannte er den Bogen von der Niederschlagung der Badischen Revolution über Anselm Feuerbachs Stiefmutter, Agentin und Förderin Henriette Feuerbach (1812 bis 1892) bis zu freundschaftlichen Verbindungen mit namhaften Zeitgenossen. So habe die Schriftstellerin Rosalie Braun (1840 bis 1918) in ihren Lebenserinnerungen geschrieben, „die Heidelberger Wohnung von Frau Feuerbach war wie ein Gleichnis auf ihre Existenz: Vereinigung der höchsten geistigen und künstlerischen Atmosphäre mit den allerbescheidensten äußeren Verhältnissen!“ Zum umfangreichen Freundes- und Bekanntenkreis zählte auch der Politiker und Staatsrechtslehrer Karl Theodor Welcker, ein Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung,

Legendär Henriettes unermüdliches Ringen um eine gute Zukunft von Anselm Feuerbach (1829 bis 1880), dessen leibliche Mutter Amalie (1805 bis 1830) an Tuberkulose litt und bereits am 1. März 1830 verstarb. Auch als Anselm Feuerbach im Mai 1855 gemeinsam mit dem Schriftsteller Joseph Viktor von Scheffel nach Italien aufbricht, lässt die Sorge Henriettes um den Stiefsohn nicht nach. Sie kümmert sich um den gesamten geschäftlichen Verkehr, pflegt Kontakte zu Kunstvereinen und Museumsleitern, wurde so zu Anselms Agentin und Vertrauten, glaubte an sein Genie und verdiente mit Musikstunden und schriftstellerischen Arbeiten Geld für seine Ausbildung.

„Der Erhalt dieses kulturellen Erbes war den Mitgliedern von Vorstand und Kuratorium sowie allen Mitgliedern des Vereins stets ein großes Anliegen. Was Bürgersinn in diesen fünf Jahrzehnten hier ehrenamtlich an kulturellen Werten geschaffen hat, ist absolut bewundernswert“, schloss Schineller. mey

Am Mittwoch hatte der Verein anlässlich seines 50-jährigen Bestehens zu einer Jubiläumsfeier in den Historischen Ratssaal eingeladen. Fast eine Punktlandung, denn er wurde am 20. Oktober 1971 von 53 Bürgern gegründet, so die Vorsitzende Monika Kabs. Unter den Förderern hieß sie den früheren Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel und Professor Dr. Peter Eichhorn, den Vorsitzenden der Kulturstiftung Speyer, willkommen. Bei ihrem Rückblick sprach Kabs von einem kleinen Wunder, an dem viele engagierte Bürger mitgewirkt hätten. Gott sei Dank sei der am 23. Juli 1967 gefasste Beschluss des Stadtrates, das Haus abzureißen, nicht in die Tat umgesetzt worden. Was seinerzeit gerettet wurde, habe sich zu einem kulturellen Kleinod entwickelt.

Speyer

Verein Feuerbachhaus feiert 50. Geburtstag

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Um die Sicherung des Qualitätsstandards hätten sich Persönlichkeiten wie der langjährige Vorsitzende und 2020 verstorbene Wolfgang Noe sowie Kuratorin Mira Hofmann besondere Verdienste erworben, betonte Kabs. Nicht zustimmen wollte sie der Anselm Feuerbach zugesprochenen Aussage, der geäußert haben soll: „Meine Geburt, welche den so und so vielsten in Speyer erfolgte, ist, wie mir scheinen will, für mich als ein vierfaches Unglück zu betrachten!“ Auf die Nennung der Gründe verzichtete sie.

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Kraftakt zur Erhaltung

Im Gegensatz zu Feuerbach empfand sie es als großes Glück, dass diese außergewöhnliche Persönlichkeit hier geboren wurde. „Denn ohne sie könnten wir heute nicht feiern“, so die Vorsitzende. Musikalisch wurde die Festveranstaltung durch Isabel Eichenlaub und Bernhard Sperrfechter von der Musikschule Speyer bereichert. Im Eingangsbereich zum Festsaal hatte die Abteilung Kulturelles Erbe eine Foto-Ausstellung präsentiert. Sie machte deutlich, was zum Erhalt des einstmals total maroden und bis heute im Besitz der Stadt befindlichen Feuerbachhauses geleistet wurde.

Freier Autor 1993: Beginn journalistische Tätigkeit als freier Journalist und ständiger Mitarbeiter der Speyerer Tagespost. Nach Einstellung der traditionsreichen Zeitung am 31. Dezember 2002 verzugsloser Wechsel als ständiger Mitarbeiter zur Schwetzinger Zeitung. Verfasser mehrerer Sonderserien. Unter anderem: Chronik der Speyerer Luftfahrtgeschichte und 4-teilige Serie 40 Jahre Bundeswehrgarnison Speyer mit militär-historischem Rückblick. Ferner Reiseberichte Litauen und Lettland. Sonderseite Geschichte, Brand und Wiedereröffnung Anna Amalia Bibliothek Weimar. Exklusiv-Interviews mit bekannten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte wie Ex-Staatspräsident Lech Walesa, Kaiserliche Hoheit Prinzessin Alix Napoleon, Schauspieler Mario Adorf, Ministerpräsident a. D. Dr. Bernhard Vogel, Weltschiedsrichter Markus Merk. Ungeachtet dessen bilden kommunale Ereignisse der Stadt Speyer den Schwerpunkt der Berichterstattung. Sonstiges: Autor des 2006 erschienenen Buches „Höhepunkte der Speyerer Stadtgeschichte in Versen, Texten und Bildern“.

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