AdUnit Billboard
Plaudergipfel mit bekanntem Südtiroler Alpinisten (mit Podcast)

Hans Kammerlander: Nach dem Wettlauf auf die Berge zur Entschleunigung in den Oldtimer

Der Südtiroler Alpinist Hans Kammerlander kommt im November mit einem neuen Vortrag in die Brühler Festhalle. Im Podcast „Leben.Lieben.Lachen.“ erzählt er nicht nur von Bergabenteuern, sondern von einer Leidenschaft, der er heute besonders gern frönt.

Von 
Katja Bauroth
Lesedauer: 
Hans Kammerlander mit seinem Oldtimer, einem Fiat 500. Ein solcher Kleinwagen war sein erstes Auto, deshalb wollte er heute wieder einen haben. © Wieser

Brühl/Sand in Taufers. Hans Kammerlander könnte ich stundenlang zuhören. Das liegt nicht nur an seiner sonoren Stimme, die eine wunderbare Ruhe in sich trägt und ausstrahlt, sondern vor allem an dem, was er zu erzählen hat. Der Südtiroler Extrembergsteiger entführt am Donnerstag, 18. November, um 20 Uhr in der Brühler Festhalle „Vom Nordpol zum Mount Everest“. Dabei packt der Alpinist nicht nur die Steigeisen ein, sondern schnallt auch die Ski an, um sein Publikum mit Worten und beeindruckenden Bildern sowie Filmsequenzen zu Touren in seiner Heimat und unglaublichen Steilwand-Abfahrten etwa vom höchsten Gipfel der Erde mitzunehmen. Kammerlander ist nicht das erste Mal in der Kurpfalz. Hier kennt er viele Bergfreunde, weiß um die Liebe der Menschen zu Südtirol. Er freut sich, dass ihn Jochen Ungerer wieder eingeladen hat.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

AUDIO: LLL_07_Master_Hans_Kammerlander

Als Bergliebhaberin durfte ich Hans Kammerlander schon einige Male begleiten und habe ihn für meinen Podcast „Leben.Lieben.Lachen.“ in seiner Heimat, dem schönen Tauferer Ahrntal, interviewt. Dafür trafen wir uns in Kammerlanders Büro, das mitten in Sand in Taufers über der Touristinformation liegt. Moderne Skulpturen neben dem Gebäude, die Bergkristalle darstellen sollen und am Abend wunderbar illuminiert sind, sowie der gegenüberliegende Hans-Kammerlander-Platz würdigen den bekannten Sohn der Region. Wer aber glaubt, dieser käme mit Allüren oder gar einer Limousine zum vereinbarten Termin, der irrt. Hans Kammerlander biegt mit einem alten roten Fiat 500 um die Ecke – ein sehr gepflegtes Autochen mit glänzenden Chromstoßstangen und schwarzem Faltdach. Der Hingucker schlechthin. In schwarzer Jeans und Outdoorjacke, lässig die Sonnenbrille ins struppige Haar geschoben, steigt er aus – gut gelaunt und herzlich begrüßend.

Zum Podcast



  • Die schönsten Geschichten schreibt das Leben mit seinen Begegnungen. In unserem Podcast „Leben.Lieben.Lachen.“ greifen wir solche Begegnungen auf. Katja Bauroth nimmt ihre Hörer mit auf Reisen und trifft dabei auf spannende Menschen – einer davon ist der Südtiroler Spitzenalpinist Hans Kammerlander. Mit ihm spricht Bauroth unter anderem über dessen Heimat, das Tauferer Ahrntal, die Kindheit, in der sich die Faszination für die Berge entwickelte, wie sich der Gipfelerfolg von einst heute in Gipfelglück verwandelt hat und die Liebe zu Oldtimern. Auch verrät der 64-Jährige, was für ihn heute Glück bedeutet und welche Rolle seine 13-jährige Tochter dabei spielt.
  • Den Podcast sowie weitere Folgen gibt es auch auf Deezer, Spotify, Podigee und Amazon Music

Volle Rucksäcke sind ihm ein Graus

Es soll eine spannende Stunde werden. Wir plaudern über alles Mögliche – natürlich über die Berge, die Rekorde, über die nicht ganz einfache Kindheit in einer Hütte ohne Strom und fließend Wasser, darüber, wie er an der Seite von Bergsteigerlegende Reinhold Messner dem Wettlauf um Gipfelerfolge verfiel und wie er die Berge heute sieht. Er erzählt von handwerklichen Talenten und von seinem Lieblingsland Nepal, in dem er sich stets von der ersten Minute an willkommen und geborgen fühlt, dem dort lebenden immer freundlichen Sherpa-Volk, das ihn gelehrt hat, Schicksalsschläge anzunehmen, nach vorne zu schauen und die Frage nach dem Warum abzulegen.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Und wir sprechen über einen Rekord, den er bis heute hält: die Abfahrt mit Ski vom Mount Everest (8849 Meter). Vom Basislager bis zum Gipfel benötigte „Wettläufer“ Kammerlander damals 16 Stunden und 40 Minuten. Eine Wahnsinnsleistung. Dann galt es noch, die speziell angefertigten, sehr leichten Ski anzuschnallen und abzufahren. Wobei „fahren“ relativ ist: Rutschen und springen kommt dem näher, wie Kammerlander erklärt. „Das Losfahren war der wohl intensivste Moment in meinem Leben. Ich wusste, wenn du da einen Fehler machst, hast du keine Zahnschmerzen mehr.“ Genießen konnte er das damals nicht, gesteht er.

Zurück im Basislager musste er zuerst etwas trinken, war er doch lediglich mit einem Liter Tee zum Gipfel aufgebrochen – ohne Essen („Ich wollte Nüsse mitnehmen, die habe ich aber vergessen“). Ein leichter Rucksack, das sei ihm damals wie heute wichtig. Mit den Ski wog sein Tagesgepäck nicht einmal fünf Kilo. Daher könne er nicht verstehen, warum Wanderer so viel mitschleppen. „Du brauchst nur ein paar Kleinigkeiten, einen Regenschutz zum Beispiel, aber doch nicht zehn bis 15 Brote!“, frotzelt er. Der Liter Tee, das gibt er zu, war allerdings dann doch etwas wenig („Das war der einzige Fehler, den ich am Everest gemacht habe“). Ansonsten sieht er dieses Erlebnis so: „Ich konnte meine Hobbys, das Skifahren und das Klettern, am höchsten Berg der Welt kombinieren. Das ist ein Moment, den du nicht mehr steigern kannst.“ Rückblickend spricht er vom „vielleicht stärksten Tag am Berg“ in seiner Karriere. Hier reden wir von einer Laufbahn, die den 64-Jährigen eben zu dem macht, was er ist (auch wenn er es gar nicht so gern hört): Ein Alpinist, der Geschichte geschrieben hat – eben eine echte Legende seiner Zeit.

Neben zahlreichen Erst- und Solobegehungen in den Alpen – die Dolomiten sind noch nach wie vor sein Lieblingsrevier – hat Hans Kammerlander unter anderem Berge Asiens und Südamerikas bestiegen, darunter zwölf Achttausender. Gemeinsam mit Reinhold Messner überschritt er zum ersten Mal zwei Achttausender in Folge – zuerst den Gasherbrum II (8035 Meter), dann den Hidden Peak (8069 Meter). Von 1996 bis 2006 hielt er den Rekord für die schnellste Besteigung des höchsten Berges der Welt. Von 2009 bis 2012 beteiligte er sich an dem Wettlauf um die erste Besteigung der Seven Second Summits. Berggenuss konnte man das nicht nennen.

Diesen verspürt er heute, wenn er allein oder eben als Bergführer dorthin geht, wo er selbst gern ist. „Da kann ich auch meinen Gästen mehr geben, als wenn ich nur mit einem Rucksack stundenlang vor mich hingehe.“ Heute genießt er die Schönheit der Natur, schaut sich um, atmet durch und schöpft daraus Energie.

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3

Ein Käfer, der so alt ist wie er

Richtig auf geht sein Herz beim Thema Oldtimer. „Mein erstes Auto mit 21 Jahren – damals hatte ich gerade die Bergführerprüfung absolviert – war ein uralter Fiat 500. Mit dem bin ich dann quer durch die Bergwelt gefahren – auch weite Strecken bis Madonna di Campiglio oder bis Sulden zum Ortler“, erzählt Hans Kammerlander mit leuchtenden Augen. In Reminiszenz an sein erstes Auto wollte er wieder einen solchen Fiat haben. Durch diesen sei er an Oldtimerfreunde gekommen und die Liebe zu den vierrädrigen Schätzen entbrannte.

Übrigens: Ein E-Auto würde Hans Kammerlander nie fahren, sagt er und erklärt im Podcast, warum. „Ich weiß zwar, dass ich mit meinen Oldtimern nicht unbedingt was zum Umweltschutz beitrage, aber ich fahre ja auch nicht so viel mit ihnen herum“, sagt er keck und ergänzt: „Mir macht das Spaß und was mich am meisten an den Oldtimern fasziniert, ist das Entschleunigen.“

Neben einem Ford, Baujahr 1922, mit seinen Holzspeichen („Der fährt wie neu, nur für den Berg ist er nicht so geeignet“) und dem VW Bus „Samba“ aus dem Jahr 1959 mit 34 PS ist ihm sein restaurierter VW Käfer ans Herz gewachsen. „Er ist genau an dem Tag, an dem ich geboren wurde, auf die Straße gestellt worden. Das ist jetzt 64 Jahre her. Wenn ich mit dem fahr, denke ich: Schau, wir sind gleich alt. Oftmals beneide ich den Käfer, weil ich das Gefühl habe, der geht besser als ich.

  • Mehr zu Hans Kammerlander, seinen Vorträgen und Touren, die er mit Gästen in Südtirol und Nepal geht, gibt es hier.
  • Das gesamte Gespräch gibt es hier zu hören.

Mehr zum Thema

Südtirol für den Gaumen

Ein Biss Natur – so gut schmeckt das Ahrntal

Veröffentlicht
Von
Katja Bauroth
Mehr erfahren
Fotostrecke

Drei Unterkunftstipps für Südtirol

Veröffentlicht
Bilder in Galerie
3
Mehr erfahren
Festhalle

Glücksgefühle bei Gipfelmomenten

Veröffentlicht
Von
Katja Bauroth
Mehr erfahren
Im Gespräch

Er hat den Wettlauf für die Freiheit eingetauscht

Veröffentlicht
Von
Katja Bauroth
Mehr erfahren
Kompass für seelische Gesundheit (mit Podcast)

Literarische Therapie für mehr Lebensfreude

Veröffentlicht
Von
Katja Bauroth
Mehr erfahren
Neues Haus der Cooee alpin Hotels (mit Podcast und Fotostrecke)

Hier ruft attraktiver Bergurlaub - dank Ex-Skistar Rainer Schönfelder

Veröffentlicht
Von
Katja Bauroth
Mehr erfahren
Neuer Teil vom Podcast Leben.Lieben.Lachen.

Ingrid Noll über Mordlust, Frauen und Handschellen

Veröffentlicht
Von
Katja Bauroth
Mehr erfahren
Neuer Podcast-Teil "Leben.Lieben.Lachen."

Vanessa Schäfer spricht im Podcast über ihren Weg zu veganer Ernährung

Veröffentlicht
Von
Katja Bauroth
Mehr erfahren
Menschen in der Region: Stephanie Groen

Sie kitzelt das Glücklichsein wach

Veröffentlicht
Von
Katja Bauroth
Mehr erfahren
Ein Gespräch zum Nachdenken und Reflektieren (mit Podcast)

Was wir von der Natur lernen können

Veröffentlicht
Von
Katja Bauroth
Mehr erfahren

Ressortleitung Katja Bauroth ist Redaktionsleiterin der Schwetzinger Zeitung/Hockenheimer Tageszeitung.

Thema : Leben.Lieben.Lachen. - Der Lifestyle-Podcast

  • Plaudergipfel mit bekanntem Südtiroler Alpinisten (mit Podcast) Hans Kammerlander: Nach dem Wettlauf auf die Berge zur Entschleunigung in den Oldtimer

    Der Südtiroler Alpinist Hans Kammerlander kommt im November mit einem neuen Vortrag in die Brühler Festhalle. Im Podcast „Leben.Lieben.Lachen.“ erzählt er nicht nur von Bergabenteuern, sondern von einer Leidenschaft, der er heute besonders gern frönt.

    Mehr erfahren
  • Kompass für seelische Gesundheit (mit Podcast) Literarische Therapie für mehr Lebensfreude

    Ein Lottogewinn macht nicht glücklich. Das sagt Dr. Harald Krauß und beruft sich dabei auf die Wissenschaft. Doch was streichelt unsere Seele, wie gelangt man zu mehr Lebensfreude?  Das verrät er in seinem neuen Buch, welches Gesprächsthema in unserem Podcast Leben.Lieben.Lachen. ist.

    Mehr erfahren
  • Neues Haus der Cooee alpin Hotels (mit Podcast und Fotostrecke) Hier ruft attraktiver Bergurlaub - dank Ex-Skistar Rainer Schönfelder

    In Österreich hat ein weiteres Cooee alpin Hotel mit Standort in Bad Kleinkirchheim in Kärnten eröffnet. Ex-Skifahrer Rainer Schönfelder steht hinter dem Konzept und erklärt die Idee dahinter.

    Mehr erfahren
AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1