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Hochwasser

Hochwasser-Scheitelpunkt hat Brühl passiert

Von 
Ralf Strauch
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Brühl. Am frühen Sonntagmittag ist die höchste Flutwelle dieses Sommerhochwassers in Brühl angekommen. Wie prognostiziert war der Rheinpegel damit noch einmal gut 25 Zentimeter höher als am Freitag. Bei der Speyerer Messstelle waren als Maximum wenige Stunden zuvor 8,23 Meter festgestellt worden. Das entspricht damit der Größenordnung eines zehnjährlichen Hochwasserereignisses.

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In Rohrhof beim Brühler Pfad endet der Wanderweg plötzlich in den Fluten. © strauch

Danach ging der Pegel schneller zurück, als er in den Tagen zuvor gestiegen ist. Dennoch bedeutet dieser Rückgang nicht, so Bürgermeister Dr. Ralf Göck, dass das Überwinden des Scheitelpunktes heißt, dass das Hochwasser vorbei sei. „Das wird uns schon noch mindestens in der kommenden Woche begleiten“, prognostiziert er. Deshalb würden die Absperrungen, die Kontrollfahrten und die Hochwasserwache noch einige Zeit erhalten bleiben.

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Laut Hochwasservorhersagezentrale des Landes Baden-Württemberg wird der Wert an diesem Montag etwa dem des Freitags entsprechen und damit den Pegelständen wie während der Flut von Anfang Februar. Die Hochwassermarke I bei 6,20 Metern beim Pegel Speyer wird wohl erst in einer Woche erreicht sein. Und somit hat sich die Prognose der Experten bei der Dauer geändert, die der Rhein Maximalwerte zeigt. Die ursprünglich befürchtete langandauernde Flut scheint vom Tisch, meinen die Experten der Hochwasservorhersagezentrale des Landes Baden-Württemberg am Samstagmittag.

Kollerstraße steht unter Wasser

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Hochwasser-Kontrollfahrt am Rhein mit der Brühler Feuerwehr

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Bei einer Kontrollfahrt der Feuerwehr mit Bürgermeister und der Spitze von Ordnungsamt, Bauhof und der Polizei war am frühen Samstagmorgen festgestellt worden, dass den Fluten zum Trotz die Situation unter Kontrolle sei. Die Hebewerke würden ihre Arbeit gut verrichten, sodass im Ort der Wasserdruck im Untergrund reduziert werde, hieß es nach dem Vor-Ort-Termin. Und auch ansonsten seien Behörden und Anwohner durch das langsame Ansteigen der Werte über Tage gut vorbereitet. Bei den Schützen der Sportgemeinde am Weidweg wurden schon Mitte der Woche alle Mitglieder der im Januar 2021 gegründeten Gruppe „Task-Force 21“ vom vereinseigenen Hochwasserschutz-Beauftragten Hermann Hemmerich generalstabsmäßig in die Alarmbereitschaft Stufe II versetzt. Die Aufgabe der Helfergruppe bestand zunächst darin, weit mehr als 100 Sandsäcke mit dem auf dem Kompostlager der Gemeinde Brühl gelagerten feinen Kies zu verfüllen und mit Unterstützung der Gemeindemitarbeiter diese auf das Gelände zu bringen. Außerdem laufen dort mit technischer Unterstützung der Feuerwehr die Pumpen, um in den Sickerschächten das Druckwasser aufzufangen und abzutransportieren. Während die Sickerschächte im Frühjahr eine halbe Stunde brauchten, um vollzulaufen, sind es diesmal maximal 20 Minuten, berichtet der zweite Vorsitzende Reinhard Baumann im Gespräch mit unserer Zeitung.

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Sommerdamm überwunden

Auch beim Countryclub „Buffalo’s“ und beim Reitverein hatte man die Pegelstände genau im Blick. Bereits samstags hat das Wasser nach und nach die Kollerstraße überwunden und die ersten Parkplätze bei der früheren Gaststätte „Entenjakob“ geflutet, ebenso den Weg bei der Grillhütte Richtung Ketsch. „Da ist kein Durchkommen mehr“, sagt Marco Krupp, Kommandant der Feuerwehr. Allerdings erreichte das Wasser des Rheins nicht den Weidweg. Alle Vereine dort unten sind bislang mit einem blauen Auge davongekommen, heißt es auf Nachfrage.

Wassermassen stehen auch auf den Riedwiesen und den Schwetzinger Wiesen, nachdem am Freitagabend die Krone des ohnehin gerissenen Sommerdamms vom Rhein überwunden worden war (wir berichteten). Auch die frühere Halfpipe und der direkt benachbarte Streethockeyplatz stehen zentimetertief im Wasser des Rheins.

Dennoch betont Bürgermeister Göck, dass Brühl die ganze Zeit über sicher gewesen sei, „die Dämme halten“. Er erinnert an ähnliche Hochwasser vor wenigen Jahrzehnten, bei denen die Wellen über der Rohrhofer Hofplatz und die Ketscher Straße geschwappt seien. „Das gibt es jetzt nicht mehr“. Bislang hat sich diese Aussage weitgehend als richtig erwiesen – zumindest sind noch keine entsprechenden Notrufe bei der Freiwilligen Feuerwehr eingegangen. Gleichwohl: Das Hochwasser ist noch nicht vorbei, nur der Scheitelpunkt ist bislang überwunden.

Es sei zudem zu beobachten, dass sich viele Anwohner in direkter Nachbarschaft zu den überfluteten Wiesen vorsichtshalber auf das Rheinhochwasser vorbereitet hatten.

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Ein Dauerthema bleibt der Hochwassertourismus. Nur der umfassende Einsatz der Beamten des Ordnungsdienstes verhindert, dass sich Schaulustige an den Absperrungen vorbeizwängen, um ins Hochwassergebiet vorzudringen. Das ist nicht nur für sie gefährlich, sondern auch für die dort lebende Tierwelt.

Wildtiere als Opfer der Flut

Viele Wildtiere dürften von den Fluten nicht verschont geblieben sein, befürchtet der Tierschutzbund – insbesondere, da es aktuell auch viele Jungtiere gibt, die sich nicht oder nicht schnell genug in Sicherheit bringen können. Betroffen sind neben Kleintieren wie Kaninchen, Hasen und Jungvögel auch größere Arten wie Rehe.

Spaziergänger und Hundebesitzer sollten sich vom Wasser und den abgesperrten Dammwegen fernhalten, weil die Versteckmöglichkeiten dort für die Wildtiere kleiner geworden sind oder gar nicht mehr existieren. Das kann dazu führen, dass Rehe oder andere Wildtiere panisch ins Wasser flüchten und je nach Strömung und Umgebung letztlich ertrinken, obwohl sie eigentlich gut schwimmen können.

Wegen panisch fliehender Tiere wurde auch die Geschwindigkeit auf der Rohrhofer Straße auf Tempo 30 reduziert, denn bereits vor Tagen wurden Rehe beobachtet, die von uneinsichtigen Menschen aufgescheucht in Richtung Ortsbebauung flüchteten und dabei die Straße querten. Das kann zu folgenschweren Unfällen führen. Deshalb wird vom Rathaus dringlich die Einhaltung der Vorgaben angemahnt.

Hilfe für Flutopfer

Viele Menschen stehen durch das Hochwasser vor den Trümmern ihrer Existenz. In diesen Zeiten ist Solidarität und Zusammenhalt gefragt. So können auch Sie helfen:
  • Caritas:  IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02, Spendenzweck: für Betroffene der Fluten in Deutschland.
  • Aktion Deutschland hilft: IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30, Spendenzweck: Hochwasser Deutschland.
  • Spendenkonto für Rheinland-Pfalz: IBAN: DE78 5505 0120 0200 3006 06, Stichwort: Katastrophenhilfe Hochwasser
  • Deutsches Rotes Kreuz: IBAN: DE63 3702 0500 0005 0233 07, Spendenzweck: Hochwasser
  • Stiftung RTL –Wir helfen Kindern: IBAN: DE55 370 605 905 605 605 605, Stichwort: Unwetter
  • Johanniter-Unfall-Hilfe: IBAN: DE94 3702 0500 0433 0433 00, Stichwort: Hochwasserkatastrophe
  • Stiftung der Deutschen Lions: IBAN: DE40 5019 0000 0000 4005 05, Stichwort: Hochwasser 2021
  • Diakonie Katastrophenhilfe: IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02, Stichwort: Hochwasser-Hilfe Deutschland
Auch die freiwilligen Helfer brauchen Ihre Unterstützung. Sie benötigen die notwendige Ausrüstung und  Materialien.

Freiwillige Helfer können sich im Internet registrieren. Bitte nicht ohne Absprache Hilfsgüter und Lebensmittel sammeln und anliefern!

  • Hochwasser-Hilfe für die Verbandsgemeinde Adenau
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