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Verschmutzung

Vandalismus in der Brühler Kriegerkapelle

Unbekannte haben mehrfach in dem kleinen Gotteshaus flüssiges Wachs aufs Mosaik gespritzt. Die Tat muss tagsüber passiert sein, meint die Kirchengemeinde.

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Ralf Strauch
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In der kleinen Kriegerkapelle beim Brühler Friedhof wurden die alten Mosaike von Unbekannten mit Wachs bespritzt. © strauch

Brühl. Mehrere Tage lang war sie fest verschlossen – die Kriegerkapelle beim Friedhof in Brühl. Seit dieser Woche ist sie wieder für Gläubige geöffnet. Der Grund für die Schließung waren Verschmutzungen, die durch Vandalismus entstanden sind. Gleich mehrfach hatten in den vergangenen Tagen Unbekannte das flüssige Wachs aus den aufgestellten Gedenkkerzen großräumig in dem kleinen Gotteshaus verspritzt. Zahlreiche Mosaiksteine an der Wand waren so von einer Wachsschicht überzogen. Außerdem wurden die Blumen aus ihren Vasen gerissen und im gesamten Raum verteilt.

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Da die Kriegerkapelle bei Einbruch der Dunkelheit – im Sommer sogar früher – verschlossen wird, muss die Tat tagsüber passiert sein, heißt es seitens der Kirchengemeinde. Inzwischen wurde die Verschmutzung wieder entfernt. Das sei gar nicht so einfach gewesen, weil man dazu heißes Wasser benötige, das vor Ort nicht vorhanden sei.

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Größere Schäden seien bei der Reinigung nicht festzustellen gewesen, doch zeige die Tat, dass der Respekt vor historisch bedeutenden Zeugnissen nicht unbedingt für alle selbstverständlich ist. „Das ist wirklich schlimm“, sagt Pfarrer Erwin Bertsch im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Kriegerkapelle entstand in einer Zeit, die als Gründerjahre bezeichnet werden – die ersten Jahre nach dem deutsch-französischen Krieg und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs. Es war eine Zeit, als Deutschland nicht zuletzt durch die Reparationszahlungen des damaligen Erbfeindes einen vorher nicht gekannten Boom erlebte. Irgendwann in diesen Jahren wurde die Kriegerkapelle beim Brühler Friedhof gebaut.

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mab
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In der Nähe des Friedhofs, im Gewann „Bildstöckl“, also dort, wo einst die erste Kirche der Hufeisengemeinde, die „capelle zu bruowele“ wie sie in alten Schriften genannt wird, gestanden haben soll, ließ Elisabetha Ackermann, geborene Rohr, das kleine Gotteshaus zu Ehren der Muttergottes bauen und stiftete sie der katholischen Kirchengemeinde.

Das genaue Datum der ersten schriftlichen Erwähnung dieses Gotteshauses fand der Verein für Heimat- und Brauchtumspflege erst nach umfangreicher Recherche heraus. Wann die Kapelle gebaut worden ist, ist zwar noch immer unklar, doch 1875 wurde zum ersten Mal von einem Pfarrer beim Weihbischof beantragt, das Kirchlein weihen zu dürfen. Immer wieder folgten in den nächsten Jahren Anfragen, der Kapelle den Segen erteilen zu dürfen - scheinbar ohne Erfolg.

Bis 1923 geschieht nichts besonders Erwähnenswertes rund um die Kapelle. Inzwischen war, wie der damalige Pfarrer nach Freiburg meldete, die Kapelle „in ziemlich verwahrlostem Zustand“. Doch die Brühler hatten Geld gesammelt, um die baulichen Reparaturen vorzunehmen.

Aus der Kirche sollte eine Kriegergedächtniskapelle werden, in der auf zwei Tafeln die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Brühler vermerkt wurden. Das Kirchlein wurde mit eindrucksvollen Gemälden verziert. Über der Tür stand der Spruch: „Wer den Tod im heiligen Kampfe fand, ruht auch in fremder Erde im Vaterland.“ An den Seitenwänden der Kapelle hing zwischen den beiden Fenstern je ein großes Bild mit christlichen Motiven. Das Deckengemälde, das in seiner ovalen Form nahezu die gesamte Decke der Kapelle ausfüllte, zeigte über der Darstellung eines Schlachtfeldes mit Verwundeten und Toten das Himmelreich. Am Sonntag, 1. Juli 1923, wurde die Kapelle dann feierlich eingeweiht.

2003 umfassend saniert

Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs erfuhr die Kapelle eine zweite Neugestaltung. Von 1941 bis 1948 wurde der Innenraum mit 450 000 Mosaiksteinen verziert. Doch auch an ihnen nagte der Zahn der Zeit. So wurde das Gotteshaus 2003 einer umfassenden Sanierung unterzogen. Die Steine, die zerstörte Teile ersetzten, wurden dabei teilweise direkt aus Venedig geholt, wo es noch eine der letzten Produktionsstätten dafür gab.

Inzwischen stellt die restaurierte Kapelle mit ihren Engelsfenstern und Schriftzügen mit den Namen der in zwei Weltkriegen Gefallenen ohne Zweifel für Kunstgenießer ein wertvolles Kleinod dar. Dennoch kommt es immer wieder zu Zerstörungen durch Vandalismus. Bereits bei der Komplettsanierung der mosaikgeschmückten Kapelle vor knapp 20 Jahren hatte die Restauratorin Lucia Grün von Schäden durch Vandalismus berichtet. Steine waren herausgebrochen und viele Kügelchen aus Lehm auf die bunten Glasstücke geworfen worden. Daneben sorgten Verschmutzung durch Ruß und Wachs für eine umfassendes Schadensbild. Der Vorfall der vergangenen Wochen lässt nun noch einmal die Frage aufkommen, ob man das Entzünden von Gedenkkerzen untersagen sollte. „Das wäre schade, denn eigentlich ist es eine schöne Geste des Erinnerns“, heißt es seitens der katholischen Kirchengemeinde.

„Können die Leute nicht einfach mal die Dinge, die anderen Menschen wichtig sind, in Ruhe lassen“, zeigt sich eine Passantin genervt, die das kleine Gotteshaus bei ihren Friedhofbesuchen gern als Stätte der inneren Einkehr nutzt.

Für den Leiter des Ordnungsamtes, Jochen Ungerer, hat der Vandalismus eine klare Konsequenz: „Unsere Mitarbeiter sind angewiesen, ein waches Auge auf die Kriegerkapelle zu haben – solch ein Verhalten, wie es von den Tätern gezeigt wurde, ist nicht hinnehmbar.“

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