Stadtverband der Grünen

Schwammstadt als Reaktion auf Klimawandel

Der Biologe Uwe Heidenreich referiert beim Stammtisch über den richtigen Umgang mit Wasser

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zg/lr
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Der Biologe Uwe Heidenreich berichtet beim Stammtisch der Grünen über mögliche Versickerungsflächen für Wasser auf dem Gebiet der Stadt Hockenheim. © Die Grünen

Der Umgang mit Wasser in Städten und Gemeinden ist ein Thema, das alle etwas angeht. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung zum Stammtisch der Hockenheimer Grünen gefolgt, um sich zu diesem Thema auszutauschen. Larissa Rotter, Schriftführerin des Ortsverbandes, begrüßte alle Anwesenden und insbesondere Uwe Heidenreich, der an diesem Abend einen Vortrag zum Umgang mit der Ressource Wasser hielt.

Der diesjährige Sommer hat nicht nur Europa, sondern auch die Region mit einer großen Trockenheit heimgesucht. Die angespannte Situation der Gewässer im Umkreis ist nicht mehr übersehbar. „Durch den Klimawandel entstehen Konflikte zwischen der Wassernutzung. Daher brauchen wir ein Wassermanagement“, leitete Heidenreich seinen Vortrag ein. Die Durchschnittstemperatur sei in den letzten hundert Jahren in der Oberrheinebene im Bereich Karlsruhe/Mannheim um mehr als 1,5 Grad Celsius angestiegen (www.lubw.baden-wuerttemberg.de/klimawandel-und-anpassung/klimawandel-in-bw).

Schwerwiegende Folgen erwartet

„Es sind schwerwiegende Folgen zu erwarten: Regen wird hauptsächlich im Winter stattfinden, während in den Sommern starke Trockenheitsphasen auftreten werden. Die Folge ist, dass unsere Gewässer, Feuchtbiotope und auch landwirtschaftliche Flächen austrocknen werden“, so der Biologe. In der unmittelbaren Nähe von Hockenheim gab es bereits Beispiele für trockengefallene Bäche. So fiel der Kriegbach 2021 und der Kothlachgraben im August/September 2022 abschnittsweise trocken. Doch nicht nur Trockenheit sei ein Problem, das zukünftig vorkommen wird.

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„Das Gegenteil von Dürre ist Starkregen. Dieser überfordert unsere Kanalisation – denn dazu ist sie nicht ausgelegt. Daher sollten mehr Versickerungsflächen und Überflutungsbereiche entstehen. Im Juli 2021, als der Rhein Hochwasser hatte, wurde die Seebühne sowie die dahinterliegende Fläche überflutet und das Wasser konnte langsam absickern.“ Heidenreich sprach damit das Prinzip der Schwammstadt an.

Dieses besagt, dass Niederschläge, die in einer Stadt anfallen, dortbleiben und nicht in die Kanalisation fließen. Durch Sicker- und Rückhaltemöglichkeiten wie Mulden- oder Baumrigolen kann das Oberflächenwasser direkt und dezentral im Erdreich versickern oder durch Sammlung langsam eingeleitet werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass Regenwasser für die Bewässerung im Stadtgebiet in trockenen Monaten gespeichert werden kann. „Oftmals heißt es, eine Schwammstadt schließe eine Innenentwicklung mit Wohnungsbau aus. Man muss jedoch nur beide Punkte ökologisch zusammenbringen“, so Heidenreich.

Die Grüne Gemeinderatsfraktion hatte bereits im Juli 2021 eine Anfrage an die Stadtverwaltung zur Entwicklung des Konzeptes „Schwammstadt“ gestellt. Die Reaktionen der Verwaltung und der Fraktionen im Gemeinderat auf die konkreten Maßnahmenvorschläge und fachkundigen Fragestellungen der Grünen-Fraktion waren weitgehend von Skepsis geprägt, heißt es in der Pressemitteilung weiter. „Das differenzierte Schwammstadt-Konzept wird in einigen Jahren fester Bestandteil bei der Stadtentwicklung sein“, davon ist Fraktionssprecher Adolf Härdle überzeugt.

Ebenfalls angesprochen wurde die Problematik von Schottergärten. Dass deren Verbot kontrolliert und umgesetzt werden soll, darin waren sich die Teilnehmenden des Stammtischs einig.

Als Fazit sieht Uwe Heidenreich, dass die Wassernutzung der Klimakrise anzupassen sei. Um Dürren und Starkregenereignisse abfangen zu können, müssten die Menschen die Ressource Wasser angepasst nutzen. „Nur gemeinsam können wir unser Wasser erhalten.“ Daher sollte nach Meinung des Biologen unter anderem das Schwammprinzip in Land und Stadt umgesetzt werden, sowie eine Prüfung stattfinden, wo Wasser versickern kann und Versiegelungen aufgelöst werden können.

Thema Car-Sharing im Dezember

Bei seinem nächsten Stammtisch am 1. Dezember 2022 ab 19 Uhr beschäftigt sich der Ortsverband der Grünen mit dem Thema Car-Sharing. Darüber hinaus wollen die Grünen die Gelegenheit zu einem besinnlichen Beisammensein und Jahresausklang nutzen. Alle interessierten Bürger sind eingeladen. zg/lr