Kleinere Firmen als Lösung

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Benjamin Jungbluth
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Was wurde nicht über den Bau des riesigen Logistikzentrums entlang der Sachsenstraße diskutiert. So viel Baufläche für nur ein einzelnes Unternehmen, Sorgen um nicht enden wollende Schlangen von anliefernden Lastwagen und überhaupt: Muss man in einem Gewerbegebiet unbedingt Flächen bebauen, wenn sie doch der Natur dienen könnten? Inzwischen wirkt das 70 000 Quadratmeter große Gelände der insolventen 21sportsgroup wie eine Szenerie aus einem dystopischen Kinofilm: Der weitläufige Parkplatz unter den Starkstromleitungen ist verwaist, Gräser und Büsche breiten sich aus, Hasen hoppeln ungerührt in Richtung Verladerampen. Pflanzen und Tiere erobern sich ihr Reich langsam zurück.

Ketsch Ketsch: Rückzug von Aldi belastet Gewerbegebiet Süd

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Benjamin Jungbluth
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Mit der Ankündigung von Aldi Süd, bis 2022 seine gesamte Regionalgesellschaft aus Ketsch abzuziehen, droht dem Gewerbegebiet Süd ein weiterer großer Leerstand. Zwar ist noch völlig unklar, welche Pläne der Discounterriese mit seinen Liegenschaften verfolgt. Und es ist anzunehmen, dass Aldi Süd nicht zuletzt im eigenen Interesse eine sinnvolle Lösung anstreben wird. Doch es muss sich eben auch erst einmal ein Käufer finden, der etwas mit dem alten Gebäudebestand anfangen kann. Denn der schlechte Zustand war einer der von Aldi Süd kommunizierten Gründe, die Enderlegemeinde zu verlassen. Hinzu kommen die Starkstromleitungen, die in Richtung Heuweg das Areal begrenzen und eine Erweiterung unmöglich machen. Die Gemeinde drängt zwar darauf, dass die Leitungen im Zuge der Neugestaltung der Trasse rund um Ketsch auch um das Gewerbegebiet Süd herumgelegt werden. Doch ob es wirklich so weit kommt und wann es konkret losgeht, ist unklar.

Trotz seiner guten Lage und der grundsätzlichen Nachfrage nach Gewerbeflächen in unserer Region ist das Gewerbegebiet Süd in seinen Möglichkeiten also begrenzt. Doch große Firmen benötigen große Flächen – und langfristig meist auch die Option, noch weiter wachsen zu können. Die aber gibt es in Ketsch nicht. Vielleicht also können sich kleine und mittlere Unternehmen in der Enderlegemeinde ansiedeln – sie sind ohnehin das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

Im Falle des Aldi-Geländes wäre eine Aufteilung in kleinere Einheiten denkbar, auch wenn das Logistikzentrum eher für Spezialisten interessant sein dürfte. Die modernen Gebäude der ehemaligen 21sportsgroup können ebenfalls separat genutzt werden, dafür wurden sie extra ausgelegt. Hier bleibt wohl eher zu hoffen, dass ein Investmentfonds als Eigentümer auch wirklich das Interesse an einer vitalen Nutzung des Areals hat. Für das Gewerbegebiet Süd wäre es in jedem Fall wichtig.

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Freier Autor Freier Journalist für die Region Heidelberg, Mannheim und Rhein-Neckar. Zuvor Redakteur bei der Schwetzinger Zeitung, davor Volontariat beim Mannheimer Morgen. Neben dem Studium freie Mitarbeit und Praktika u.a. beim Mannheimer Morgen, der Süddeutschen Zeitung, dem SWR und der Heidelberger Studentenzeitung ruprecht.