Landfrauenverein

Neulußheimer Weltenbummler Markus Seidl: Intensive Begegnung mit Namibia

Weltenbummler Markus Seidl zeichnet ein eindrucksvolles Bild von dem afrikanischen Land und seinen Menschen

Von 
Renate Hettwer
Lesedauer: 
Weltenbummler Markus Seidl, der über seine intensive Reise durch Namibia berichtete, und die Vorsitzende des Landfrauenvereins Ingrid Esslinger. © hettwer

Neulußheim. Und immer wieder treibt es den Neulußheimer Weltenbummler Markus Seidl hinaus in die weite Welt. Das Schöne daran, er lässt andere Menschen an seinen Reisen und Erlebnissen teilhaben. An diesem Abend nahm er auf Einladung der Vorsitzenden Ingrid Esslinger vom Landfrauenverein Neulußheim die Gäste ins südliche Afrika mit. In seinem lebendigen Bericht und mit eindrucksvollen Bildern vermittelte er quasi als Reiseleiter in wenigen Stunden ein eindrucksvolles Bild von Namibia. Als Reiseproviant auf Sets mit afrikanischen Motiven gab es für die Gäste Snacks und Getränke sowie einen süffigen Likör.

Wer nun denkt, Markus Seidl reist komfortabel und nächtigt in schicken Hotels. Nein: Seine Reisen unternimmt er oft mit dem rollenden Hotel, das eine intensive Begegnung mit einem Land und eine authentische Sicht auf die Menschen vermittelt – unabhängig und individuell, oft abseits von touristischen Pfaden. Wie klein so eine Kabine sein kann, zeigte er anhand zweier Bananenkartons.

Neulußheimer Weltenbummler Markus Seidl: Landwirtschaft, Tourismus und Bergbau in Namibia

Namibia ist ein Staat im südlichen Afrika zwischen Angola, Botswana, Sambia, Südafrika und dem Atlantischen Ozean. Der Name des Staates leitet sich von der Wüste Namib ab, die den gesamten Küstenraum des Landes einnimmt. Das Land hat etwa 2,1 Millionen Einwohner. 18 Prozent der Bevölkerung leben unter der namibischen Armutsgrenze.

Die namibische Wirtschaft ist stark durch die Bereiche Landwirtschaft, Tourismus und Bergbau geprägt (Uran, Gold, Silber). Das durchschnittliche Klima ist heiß und trocken. Das Gebiet des heutigen Namibia wurde im Jahre 1884 ein deutsches Schutzgebiet und blieb bis zum Ende des Ersten Weltkrieges eine deutsche Kolonie mit dem Namen Deutsch-Südwestafrika. Seit 1990 ist Namibia, nach mehr als 100-jähriger Fremdbestimmung, ein unabhängiger demokratischer Staat.

Die Mitglieder des Landfrauenvereins können an der Reise von Markus Seidl teilhaben und werden beim Bericht ins südliche Afrika mitgenommen. © Hettwer

Und los ging die virtuelle Reise mit dem Flug nach Windhoek, der größten Stadt Namibias und zugleich Hauptstadt des Landes. Der Einfluss der deutschen Sprache und Kultur aus der kolonialen Vergangenheit ist noch in vielen Bereichen wie zum Beispiel bei den Wilhelminischen Bauwerken oder bei deutschem Essen sichtbar. Landessprache ist aber Englisch. Die virtuelle Reise, untermalt mit afrkanischer Musik, ging weiter ins blitzsaubere Mariental mit seinen Handelshäusern. Von etwa 5000 Einwohnern sind 83 Prozent Christen. Und welch ein Erstaunen – im Lokal konnte man Schnitzel, Pommes und Salat bekommen. Weiteres Ziel war der Köcherbaumwald bei Keetmanshoop, wo sich noch etwa 300 Exemplare der seltenen Aloeart befinden, die als eine der Nationalpflanzen Namibias angesehen werden. Große Exemplare sind älter als 200 Jahre.

Neulußheimer Weltenbummler Markus Seidl: Bis zu 550 Meter tiefe Schlucht

Durch die Sukkulentensteppe wurde einer der Höhepunkte der Reise, der 14 Millionen Jahre alte Fish River Canyon, der zweitgrößte Canyon der Welt, erreicht – eine tiefe, 161 Kilometer lange und bis zu 550 Meter tiefe Felsschlucht und Teil eines staatlichen Naturparks. Es bot sich ein spektakulärer Blick in die Tiefe.

Entlang des Diamantensperrbezirks ging die Reise zu den Barchan Dünen. Weiter durch regelrechte Mondlandschaften nach Lüderitz. Durch die zahlreich aus der deutschen Kolonialzeit stammenden, liebevoll gepflegten Bauten offenbart sich Lüderitz nostalgisch. Die Gründerstadt Namibias am Rande der Namib-Wüste ist auf nacktem Granitfelsen gebaut und oft den stürmischen Atlantikwinden ausgesetzt. Durch sein reiches Fischaufkommen ist Lüderitz ein wichtiger Fischereihafen.

Ein Rundgang durch die Ruinen der heute verlassenen im Wüstensand versinkenden „Geisterstadt Kolmannskuppe“ erinnert vom Diamantenfieber vor 100 Jahren. Und hier kam das erste deutsche Röntgengerät zum Einsatz, damit niemand Diamanten schmuggelte. Eindrucksvolle Wüsten-, Tier- und Pflanzenfotos im Sesriem Canyon ließen die Gäste staunen. Der Can-yon führt eine Wasserstelle und wird von zahlreichen Wüstentieren und auch Vögeln besucht.

Mehr zum Thema

Im Interview

Autor, Reisejournalist und Fotograf Thomas Sbampato kommt nach Brühl

Veröffentlicht
Von
Lukas Heylmann
Mehr erfahren
Feuerwehrhaus (mit Fotostrecke)

Umbau für die Freiwillige Feuerwehr Neulußheim geht voran

Veröffentlicht
Von
Henrik Feth
Mehr erfahren
Im Porträt

Bescheidener Macher: Uli Kief ist seit 2003 Vorsitzender des SC 08 Reilingen

Veröffentlicht
Von
Henrik Feth
Mehr erfahren

Eine Besonderheit der Namib-Wüste sind die Dünen im Gebiet von Sossusvlei. Die Sterndünen gehören mit weit über 400 Metern Höhe zu den höchsten der Welt. Der Reiz dieser Dünenlandschaft liegt aber nicht allein in ihrer Höhe, sondern vor allem in ihrem vom Feuchtigkeitsgehalt und vom Sonnenstand abhängigen Farbenspiel. An der Atlantikküste Skwakopmunds, in der Walfischbay, entstanden Bilder vom Dreh- und Angelpunkt von Robben und Flamingos.

Weiter ging die virtuelle Reise in die Wüste Namib. Vielgestaltig durch Mondlandschaften, bizarren Felswänden und Sanddünen beeindruckte besonders die Vegetation mit der ältesten Pflanze der Welt, der Welwetschia, Wunder der Wüste: eine runzelige, alte Bewohnerin der Wüste. Im Wappen Namibias und der Stadt Swakopmund kommt sie unter anderem vor.

Neulußheimer Weltenbummler Markus Seidl über Namibia: Durch einen Vulkan entstanden

Die Spitzkoppe mit einer Höhe von 1728 Meter ist das Wahrzeichen Namibias und wird auch Matterhorn Namibias genannt. Sie entstand vor mehr als 100 Millionen Jahren durch vulkanische Aktivität. In dieser sagenhaften Umgebung finden sich die Felsgravuren von Twyfelfontein. Mit mehr als 2500 Gravuren sind sie Weltkulturerbe – die größte Ansammlung von Kunst dieser Art weltweit. Die bizarren Felsformationen im „versteinerten Wald“, eine einmalige Kombination aus fossilen Baumstämmen und lebenden Fossilien, war wunderbar anzuschauen.

Mit seiner Kamera fing Seidl auf der Fahrt zum Etosha Nationalpark zu den Ugab-Terrassen atemberaubende Blicke über die Weite Namibias ein. Aus seiner Auswahl der über 10 000 gemachten Bilder vermittelt und zeigt er die Unberührtheit der Natur, Abend- und Morgenstimmungen, die Tier- und Pflanzenwelt und immer wieder Kinder und Menschen in ihrem Lebensumfeld. Himbafrauen auf dem Sandmarkt, die sich für ein paar Dollar fotografieren lassen und Batiken, Stoffe und Schmuck verkaufen.

Die Wildbeobachtungsfahrt im Etosha-Nationalpark sei ein absolutes Muss und ein Höhepunkt der Reise, so Seidl – eine Kombination aus Buschwald und Savanne. 114 Säugetierarten, darunter Elefanten, Gnus und die „großen Drei“, Löwe, Gepard und Leopard, sowie rund 300 Vogelarten wie Strauße und Weberknechte, gebe es dort.

In Windhoek endete die Reise der Landfrauengäste mit Bildern aus Windhoek mit seinem berühmten Regierungspalast, der Hochschule und dem Supreme Court sowie der evangelischen Christuskirche aus dem Jahre 1910 als Wahrzeichen der Stadt. Die Stadt bildete darüber hinaus einen krassen Unterschied zu den Eindrücken, die die Weite Namibias hinterlässt.

Falls jemanden das Reisefieber packe, sagte Markus Seidl, empfehle er Namibia als Einsteigerland für Afrika. Er selbst bricht in den nächsten Tagen zu einer mehrwöchigen Reise nach Indonesien auf.

Ingrid Esslinger bedankte sich bei Markus Seidl für die kurzweilige, angenehme Reiseleitung und hofft, dass er einmal mehr viele schöne Eindrücke als Vortrag mit nach Neulußheim bringt.

Freie Autorin

Mehr zum Thema

Fußball-Kreisklasse A Sehenswerte Treffer durch Emre Güc und Michael Wendel

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Bundeswehr Ohne Strategie in Mali: Für Deutschland wird es einsam

Veröffentlicht
Mehr erfahren