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Neues Gemeindeoberhaupt

Pascal Seidel siegt deutlich bei der Bürgermeisterwahl in Oftersheim

Herausforderer Pascal Seidel distanziert Amtsträger Jens Geiß mit 64,09 zu 35,27 Prozent der Stimmen und zieht am 1. November als Hoffnungsträger ins Oftersheimer Rathaus ein.

Von 
Joachim Klaehn
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Pascal Seidel spricht nach seinem Wahlsieg zu den Menschen, die ins Rettungszentrum gekommen sind - mit dabei auch Ehefrau Alexandra Seidel. © Norbert Lenhardt

Oftersheim. Es gibt am Sonntagabend viele rührende Szenen, doch eine davon sticht heraus. Da sind zwölf von insgesamt 13 Wahlbezirken ausgezählt und Noch-Bürgermeister Jens Geiß marschiert im proppevollen Saal des Rettungszentrums schnurstracks zu Pascal Seidel in dessen „Fanblock“, gratuliert seinem Nachfolger freundschaftlich. Die Kontrahenten umarmen sich und tauschen einige respektvolle Worte untereinander. „Er ist zu mir nach hinten gekommen“, sagt Wahlsieger Seidel später zur Schwetzinger Zeitung, „da muss man sich in die Augen schauen. Das zeichnet den Menschen Jens Geiß aus.“

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18.53 Uhr zeigt die Uhr – und eine Minute später ist die Oftersheimer Bürgermeisterwahl offiziell entschieden. 3 273 Bürger (64,09 Prozent) haben sich für den Ordnungsamtsleiter entschieden, 1 801 (35,27 Prozent) von den etwas mehr als 9 500 Wahlberechtigten vertrauen weiterhin dem Amtsträger – und 24 Stimmen (0,47 Prozent) erhält der „Phantomkandidat“ Samuel Speitelsbach aus Ravenstein-Hüngheim.

Sie sind alle gekommen, die Politprominenz aus der Region, die jeweiligen Lager, Freunde und Familien der beiden Lokalmatadore – gut 200 stehen oder sitzen im proppevollen Raum. Und relativ flott zeichnet sich bei diesem kommunalen „Showdown“ ab, dass die Chancen für Geiß minimal sind. Bereits nach dem Resultat der drei Briefwahlbezirke – Seidel 63,62 Prozent, Geiß 38,40 Prozent – ist die Tendenz unübersehbar. „Es ist so viel vorgefallen in letzter Zeit“, sagt eine Oftersheimerin zur anderen, „das ist die Quittung fürs Versäumte.“

Keine Illusionen mehr

Schon zu diesem Zeitpunkt sieht Jens Geiß angegriffen aus. Er macht sich keine Illusionen mehr, während die Seidel-Ecke von Bekanntgabe zu Bekanntgabe immer lauter klatscht und jubelt. Es wird ein bitterer, ja niederschmetternder Abend für denjenigen, der sich 2014 mit 79,55 Prozent gegen Petr Stejspal (18,58) durchsetzte. Doch Seidel ist kein Stejspal, sondern ein kompetenter Kandidat und trotz oder gerade wegen seines „Rookie-Status“ ein kommunalpolitisches Schwergewicht.

Es ließen sich unzählige Gründe für die entwaffnende Deutlichkeit dieses Resultats anführen, sicher ist unterdessen: Es ist Zeit für den Wechsel, es ist Zeit für Veränderung, es ist Zeit, ortsintern die Perspektiven zu verändern. Im Hinblick auf die Zukunft von Oftersheim.

Jens Geiß fängt sich wieder, wenngleich er an diesem Ergebnis zu knabbern hat. Ja, der CDU-Mann und Betriebswirt zeigt menschliche Größe: „Wir haben beide einen absolut fairen Wahlkampf gezeigt. Alle anderen Randerscheinungen haben vielleicht dazu geführt, dass es so deutlich wurde. Prima, dass Oftersheim zwei gute Kandidaten hatte. Ich hinterlasse Pascal ein bestelltes Feld und ich kann erhobenen Hauptes gehen.“ Bereits in der kommenden Woche wollen sich die beiden treffen, um das Thema Übergabe anzugehen. Geiß ist bis 31. Oktober in Amt und Würden, Seidel übernimmt am 1. November. Für Schwetzingens Oberbürgermeister Dr. René Pöltl ist das (noch) gewöhnungsbedürftig, wenngleich Pöltl diese Option seit Februar ins Kalkül ziehen musste. „Wir sind hin- und hergerissen“, sagt Pöltl abseits des Hauptgeschehens und noch ehe die ersten wegweisenden Wahlergebnisse auf dem Bildschirm erscheinen.

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Während die Kritik an Geiß an der fehlenden Umsetzung von Projekten, am Führungsstil im Rathaus – mal offener, mal versteckter – zunimmt und mit der ersten Stellungnahme des Gemeinderats Ende Juli einen Kulminationspunkt erreicht, kann Seidel im Vorfeld des 18. Septembers peu à peu Sympathie- und Bonuspunkte sammeln. Was macht er richtig?

Ihm gelingt es schlichtweg die Menschen mitzunehmen, deren Bedürfnisse zu erkennen – durch facettenreiche Aktivitäten und den direkten Bürgerdialog. Er geht zu keinem Zeitpunkt auf den Gegner los, macht sich selbst die Attacke des Gemeinderats nicht zunutze, sondern konzentriert sich auf die dringenden Sachthemen. Eine Schlammschlacht kommt wie für Geiß niemals in Frage. Ergo: Es wird ein anderer Stil ins Rathaus einziehen. Und gerade im unverzichtbaren Zusammenwirken mit dem Gemeinderat (bis 2024 in der Pflicht) werden neue Handlungs- und Entscheidungsspielräume entstehen.

Ein Brückenbauer

Seidel ist ein parteiloser Hoffnungsträger, der die Freien Wähler und Grünen hinter sich weiß und selbst bei den Fraktionen SPD, CDU und FDP nicht auf Ablehnung, sondern auf eine positive Grundhaltung stößt. Der 39-Jährige kann ein Brückenbauer werden. „Nach dem ersten Wahlbezirk fiel die Anspannung bei mir etwas ab“, räumt Pascal Seidel nach der Gratulationscour ein, „nach neun oder zehn Wahlbezirken war ich mir relativ sicher, dass es klappen könnte.“ Hat ihn das deutliche Votum überrascht? „Gewünscht hatte ich mir 50,01 Prozent der Stimmen“, sagt er lächelnd. Es sei für ihn die Bestätigung eines intensiv geführten, siebenmonatigen Wahlkampfs. Ohne Fleiß kein Preis.

Politprominenz im Rettungszentrum: Jens Geiß (v. l.) tauscht sich mit dem Landtagsabgeordneten Andreas Sturm und Schwetzingens Oberbürgermeister Dr. René Pöltl aus. Im Saal sind rund 200 Menschen live beim „Showdown“ der Bürgermeisterwahl dabei. Einige Bürger stehen zudem vor dem Gebäudekomplex. © Lenhardt

Im gleichen Atemzug wird Seidel demütig. Triumphgebärden kommen dem bodenständigen Wahlgewinner erst gar nicht in den Sinn. „Es ist eine große Herausforderung für mich. Ich muss und will die Erwartung von 3 273 Bürgern erfüllen – und ich möchte auch der Bürgermeister für 1 801 Menschen sein, die Jens Geiß die Stimme gegeben haben. Über 45 Prozent der Wahlberechtigten haben nicht gewählt. Ich werde daran arbeiten, dass ich deren Vertrauen bekomme.“ Diese Realitätsnähe, diese Volksnähe zeichnet Seidel aus. Er weiß: 54,24 Prozent Wahlbeteiligung ist solala – der Wermutstropfen dieser Wahl.

Am Ende geht’s primär um Oftersheim. Nach einem höchst emotionalen Abend, an dem Tränen flossen – überwiegend vor ausgelassener Freude, aber auch wegen tiefsitzender Trauer ...

Redaktion Seit Ewigkeiten im Mediengeschäft, seit Mai 2022 neuer Redakteur der Schwetzinger Zeitung. Reporter aus Passion - mit Allroundkompetenz. Bevorzugt menschliche Nähe sowie journalistische Distanz zur Sache.

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