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Historisches Schwetzingen

Historisches Schwetzingen: Als im Palais Hirsch gezecht wurde

Vom Wohnhaus des Jesuitenpaters über eine lange Gasthausgeschichte bis hin zur guten Stube der Stadt reicht die Historie des Palais Hirsch auf dem Schwetzinger Schlossplatz.

Von 
Gerhard Rieger
Lesedauer: 

Schwetzingen. Eine lange und sehr wechselvolle Geschichte prägt das Palais Hirsch auf dem Schlossplatz und ist dabei vielen Schwetzingern nur spärlich bekannt. Mit gutem Grund wird das heute herrlich anzusehende Anwesen schon seit Jahren als die „gute Stube“ der Spargelstadt bezeichnet. Doch es gab durchaus Zeiten, in denen es nicht sehr gut um das Haus bestellt war.

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Erbaut wurde das Palais Hirsch in den Jahren 1748/49 auf Veranlassung des Kurfürsten Carl Theodor für seinen Erzieher, Beichtvater und Ratgeber, den Jesuitenpater Franz Joseph Seedorf. Die Jesuiten waren in dieser Zeit als geschickte Berater und politische Strippenzieher bekannt und in vielen europäischen Herrscherhäusern tätig. Es war seinerzeit das erste Bauwerk auf der nördlichen Seite des Schlossplatzes und zudem von einem schönen Garten umgeben.

Eine Rechnung aus dem Januar 1896 vom Hotel „Goldener Hirsch“ an den damaligen Apotheker Bräuninger mit der schönen Zeichnung des Palais im Briefkopf. © Rieger

Nach dem Tode Seedorfs diente das Haus ab 1758 als kurfürstliches Gästehaus, bis es im Jahr 1782 in den Besitz des Grafen Franz Albert Leopold Fortunat von Oberndorff überging. Nach dem Wegzug des Kurfürsten nach München war er seit 1778 dessen Statthalter in der Kurpfalz.

Das Schildrecht übertragen

Im November 1817 ersteigerte der Gemeinderat, Metzger und „Hirsch“-Wirt Johann Bleß das Anwesen von der Oberndorffschen Familie. Er verkaufte dafür sein bisheriges Gasthaus „Zum Goldenen Hirsch“ in der Mannheimer Straße und ließ die Schildgerechtigkeit auf sein neues Anwesen übertragen. Auf dem damals weitläufigen Areal des neuen Gasthofes wurden ein Jahr später eine Scheune und Stallungen errichtet. Heute stehen in diesem Bereichen übrigens das „Brauhaus zum Ritter“ und das „Kaffeehaus“. Im Jahr 1831 erwarb dann die Schwetzinger Casinogesellschaft das Areal. Bereits zwei Jahre später kaufte die Familie Köfel das Anwesen und das Gasthaus erlebte einen dauerhaften fulminanten Aufschwung.

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Daher erweiterte die neue Eigentümerfamilie das Haus. Es wurde aufgestockt und die noch heute erhaltene Fassadenansicht entstand so. Dann folgten weitere Eigentümerwechsel, bis im Jahr 1939 die Schwetzinger Schwanen-Brauerei Kleinschmitt das Anwesen übernahm. Im Zweiten Weltkrieg diente es sogar als Hilfslazarett.

Es folgten jahrelang diverse Umbaupläne, die allerdings niemals umgesetzt werden konnten. Zur endgültigen Schließung kam es im Jahr 1963, das Haus stand jahrelang leer und fiel nun in einen Dornröschenschlaf. Zum von der Brauerei beantragten Abbruch des inzwischen marode gewordenen Gebäudes kam es wegen Einwänden des Denkmalschutzes allerdings nicht.

Es entwickelte sich so ein Schandfleck im Herzen der Stadt. 1976 konnte dann die Stadt das Gebäude erwerben und es folgte die Entscheidung, das Haus einer öffentlichen Nutzung zuzuführen. 1979 begannen die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen. Letztlich war es nur die historische Außenfassade, die erhalten blieb. Im Jahr 1981 folgte die offizielle Einweihung durch den damaligen Bürgermeister Kurt Waibel. In diesem Rahmen bekam das Haus den würdigen Namen „Palais Hirsch“ verliehen.

Zunächst zog für einige Jahre der Schwetzinger Verkehrsverein ein. Im Anschluss wurde es immer mehr für offizielle Anlässe, Empfänge, Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt und avancierte zu Recht zur „guten Stube“ der Spargelstadt.

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