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Musikverein

Vorsitzender blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft

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Der Auftritt bei der Fête de la Musique war für die Musiker der erste Auftritt seit Corona-Ausbruch – und dementsprechend eine emotionale Sache. © Lenhardt

„Man konnte beobachten, was Musik für eine Kraft entfalten kann. Das hat man gespürt, auch beim Einzelnen, es war befreiend.“ So fasst Simon Abraham, Vorsitzender des Musikvereins-Stadtkapelle, die Gefühlslage während des Auftritts bei der Fête de la Musique (wir berichteten) zusammen, dem ersten Konzert seit Beginn der Pandemie. Doch so unschön es ist: Um zu verstehen, was da bei den Musikern vor sich ging, muss man in die düstere, lange Zeit davor schauen.

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Simon Abraham erinnert sich wenig überraschend gut daran, was der Ausbruch der Pandemie für den Musikverein bedeutet hat: „Im Frühjahr 2020 waren wir mitten in der Vorbereitung für unser großes Frühjahrskonzert, das Ende März hätte stattfinden sollen. Und dann kam ungefähr zwei Wochen davor mit dem ersten Lockdown das Probeverbot“, berichtet er. „Das war eine schwierige Phase. Wir waren alle sehr enttäuscht und natürlich auch verunsichert, wie es weitergeht.“

Lichtblick im Sommer 2020

Zumindest teilweise konnte man beim Musikverein aber aus der Not eine Tugend machen. „Wir haben uns dann schnell berappelt und versucht, trotzdem Angebote zu machen, dass nicht alles komplett abbricht. Proben kann man mit Blasinstrumenten per Videochat leider wirklich nicht, aber unser Dirigent hat dann eine Online-Workshop-Reihe begonnen, zum Beispiel zur Gehörbildung und mit Rhythmusübungen, die wirklich sehr spannend war und gut ankam.“

Einen ersten größeren Lichtblick gab es schließlich im Sommer vor einem Jahr, wie der Vereinsvorsitzende sich erinnert: „Am 15. Juni 2020 haben wir nach drei Monaten erstmals wieder geprobt. Da hatten wir wirklich Glück. Die Brüder Markus und Johannes Schwald haben bei ihrer Firma ein überdachtes Außenlager, das wir mit Hygienekonzept als Probestätte benutzen konnten.“ Beim Erstellen des Konzepts war der Verein ebenfalls nicht auf sich allein gestellt: „Da gab es Hilfe, sowohl von unserem Dachverband, als auch vom Ordnungsamt Schwetzingen.“

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Wie schon das große Konzert im Frühjahr musste auch ein zweiter wichtiger Termin im Kalender des Vereins 2020 entfallen: „Das Choralblasen auf dem Friedhof an Heiligabend ist den Musikern immer besonders wichtig, da auch viele Ehemalige vorbeikommen. Deshalb hatten wir uns das als Ziel gesetzt, aber natürlich fiel das dem Lockdown ab Herbst zum Opfer“, blickt Simon Abraham etwas wehmütig zurück. Als kleinen Ersatz wurden einige Choräle als musikalischer Weihnachtsgruß aufgenommen - allerdings natürlich jeder für sich. Das Ergebnis wurde zusammengeschnitten.

Die längste Durststrecke für den Verein begann im November 2020 und dauerte bis in den vergangenen Monat. Proben waren nicht möglich, was auch an der Beschaffenheit von Blasinstrumenten liegt und ein Verein lebt natürlich von der gemeinsam verbrachten Zeit und das Musikmachen erst recht. „Gott sei Dank hatten wir nicht ungewöhnlich viele Austritte in dieser Zeit. Natürlich treibt einen die Sorge um, ob alle dabei bleiben. Wenn die Menschen erst mal aus der Vereinsstruktur raus sind, dann stehen wir in der Konkurrenz zur Couch zu Hause, das ist klar“, sagt der Vorsitzende lachend. „Aber grundsätzlich haben wir eine unglaubliche Treue vonseiten der Mitgliedschaft gespürt. In so einer Situation treten keine neuen Mitglieder bei, aber es sind auch nicht unerwartet viele weggebrochen.“

Wie in vielen Bereichen war auch beim Musikverein das Thema Finanzen ein großes. „Anfangs haben wir da sehr bange geschaut“, gibt Abraham zu. „Wir haben uns gefragt, wie wir unseren Dirigenten weiter bezahlen, denn vieles finanziert sich nun mal aus Auftritten. Zum Glück gab es 2020 eine Sofortförderung von der Stadt und auch Landeshilfen. Solche Einmalzahlungen retten immerhin über einen gewissen Zeitraum hinweg.“

Bei diesem Thema ist er ebenfalls sehr dankbar für das Engagement der Vereinsmitglieder: „Auch von der Seite wurden wir unterstützt und habe eine große Spendenbereitschaft erfahren. Bis jetzt müssen wir als Verein sagen: Die Schieflage haben wir abgewendet und sind bisher ohne größere Schäden durch die Pandemie gekommen. Trotzdem hat man natürlich Sorgenfalten auf der Stirn.“

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Endlich wieder Präsenzunterricht

Was das Ausbildungsangebot des Musikvereins angeht, so konnte man auf den Online-Bereich ausweichen: „Sonja Hecker, meine Stellvertreterin, hat das wirklich toll organisiert mit den Ausbildern, so dass auch der Kontakt zu den Eltern der Schülerinnen und Schüler nie abgerissen ist und zumindest so viel stattfinden konnte wie irgend möglich.“

Und nun geht es insgesamt bergauf: „Der Unterricht ist wieder in Präsenz angelaufen und wir können wieder wöchentlich proben. Das machen wir zwar immer noch draußen und inzwischen mit Teststrategie, aber das ist es natürlich wert“, berichtet Abraham. Trotzdem gebe es noch Sorgen dazu, wie es im Herbst und Winter wird und ob sich nicht bei manchen Mitgliedern durch die Pandemie die Prioritäten verschoben haben.

„Aber wir wollen jetzt den Blick nach vorne wagen“, gibt sich der Vorsitzende optimistisch. „Wir werden die Energie von dem ersten Auftritt mitnehmen und haben uns auch mit anderen kulturtreibenden Vereinen in Schwetzingen vernetzt. Anstatt uns gegenseitig zu behindern, indem wir alle etwas veranstalten, sollten wir gemeinschaftlich am Ball bleiben. Da lebt auch die Idee der Fête de la Musique weiter.“

Und was die Prioritäten der Mitglieder angeht, meint Simon Abraham: „Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, weiter gut durch diese Zeit zu kommen und dass unsere Mitglieder dann sagen: ‚Wir haben es vermisst, jetzt bleiben wir erst recht dabei.’“ Und wer kennt das Gefühl momentan nicht, einiges lange vermisst zu haben?

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