Meinungen

Widerstand bei Abgeordneten: Schwetzinger Rokokotheater nicht umbenennen

Daniel Born findet die Umbenennung völlig falsch – Andre Baumann will ein Umschwenken – Gerhard Stratthaus telefoniert mit Winfried Kretschmann.

Von 
Jürgen Gruler
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Von Kindesbeinen an lieben die Schwetzinger ihr Rokokotheater – das Größte für sie ist, selbst einmal hier auf der Bühne zu stehen wie die jungen Balletttänzerinnen von Barbara Benkeser-Hammerton. © Lenhardt

Schwetzingen. Eine Stadt – ja eigentlich die ganze Region – entrüstet sich darüber, dass die Staatlichen Schlösser und Gärten das beliebte Rokokotheater in Pigage-Theater umbenennen wollen, vor allem aber darüber, dass vor Ort offensichtlich kaum jemand dazu befragt wurde. Zuerst hatte sich auf Landesebene ja der CDU-Abgeordnete Andreas Sturm massiv für eine Rücknahme dieses Planes stark gemacht (Samstagausgabe der SZ/HTZ). Wir haben am Montag seine Landtagskollegen Daniel Born (SPD und Dr. Andre Baumann (Grüne) gefragt, wie sie die SSG-Pläne beurteilen. Beide lehnen sie grundweg ab.

Daniel Born sagt unserer Zeitung: „Statt Diskussion und Debatte erfolgt Ansage per Pressemitteilung. Das finde ich bei so einer weitreichenden Frage vollkommen falsch. Ich selbst habe immer Rokokotheater gesagt und hätte mich gerne als Schwetzinger Bürger in die Debatte eingebracht. Man muss ja auch beachten, dass das Rokokotheater eine Weltmarke ist, die zum Beispiel für die 70-jährige Geschichte der SWR-Festspiele mit ihren zahlreichen Opernpremieren und den daraus resultierenden spannenden Impulsen für den demokratischen Diskurs in unserem Land steht. Was ich sehr bedrückend finde, ist aber auch, dass so eine weitreichende Entscheidung von der SSG-Verwaltung einfach mitgeteilt wird. Ich hätte erwartet, dass sich aufgrund der Bedeutung des Schwetzinger Schlosses und der Festspiele hier der zuständige Finanzminister oder sogar der Regierungschef äußern. Mich trifft dieses Vorgehen als Schwetzinger persönlich“, so der Sozialdemokrat Daniel Born im Gespräch mit der Schwetzinger Zeitung.

Widerstand gegen Umbenennung des Rokokotheaters: Den Beschluss schnell kippen

Aktiv geworden ist auch Umweltstaatssekretär und Grünen-Landtagsabgeordneter Dr. Andre Baumann: „Ich habe meine Kollegin im Finanzministerium Staatssekretärin Gisela Splett angerufen. Sie wusste von der Entscheidung der Staatlichen Schlösser und Gärten gar nichts. Ich habe sie dringend darum gebeten, darauf hinzuwirken, dass die Entscheidung zurückgenommen wird. Der Begriff Rokokotheater ist doch völlig unverfänglich, selbst wenn er zur Nazizeit eingeführt worden sein sollte. Das wäre etwas völlig anderes, wenn das Theater den Namen eines Nazis tragen würde, dann hätte man schon längst reagieren können“, sagt Andre Baumann im Gespräch mit unserer Zeitung.

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Der Grüne hält es auch nicht für zielführend, dass nun gesagt werde, nur noch das Wappen mit CT sei ein Rokokoelement. „Schließlich geht doch die Geschichte weiter. Ich habe mich damals als BUND-Vorsitzender auch dagegen gewehrt, dass die alten Bäume hinter der Moschee gefällt werden, nur weil der historische Pflanzplan dort ein Boskett verzeichnet hat. Und im Rokokotheater gibt es auch Feuerlöscher aus dem 21. Jahrhundert, denn die Geschichte geht weiter“, überspitzt er bewusst seine Begründung einer Ablehnung der Umbenennung in Pigage-Theater. Baumann schmerzen solche Pläne auch persönlich: „Meine Großeltern waren ja die ersten Pächter des Schlossrestaurants und meine ganze Familie ist eng mit dem Schloss und dem Schlossgarten verbunden. Und dazu gehört auch unser aller Rokokotheater“, sagt er. Die Entscheidung müsse zügig zurückgenommen werden. Die Aufregung in der Bevölkerung sei groß. Die Art und Weise, wie das bestimmt wurde, sei ebenfalls zu kritisieren. Den 300. Geburtstag von Nicholas de Pigage könne man anderweitig schön feiern und ihn so ehren.

Widerstand gegen Umbenennung des Rokokotheaters: Ex-Finanzminister hält nichts davon

Eine klare Absage gibt es auch von dem Politiker, der viele Jahre als Finanzminister des Landes Baden-Württemberg oberster Schlossherr gewesen ist. Gerhard Stratthaus sagt uns auf Anfrage: „Ich halte von so einer Umbenennung gar nichts. Ich war in meiner Ministerzeit in der ganzen Bundesrepublik und im europäischen Ausland unterwegs. Überall hat man das Rokokotheater gekannt und so eine Marke darf man doch nicht aufgeben. Noch dazu für einen zwar guten aber weitgehend unbekannten Bauherren Pigage. Das sollte überdacht und zurückgenommen werden“, sagt Stratthaus.

Stratthaus hat seinen guten Kontakt in die Landesregierung genutzt und am Dienstagvormittag mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann telefoniert, um ihn über die Sache zu informieren und ein Stimmungsbild aus Schwetzingen zu geben. Er habe versprochen, sich darum zu kümmern. „Schließlich ist das Land der Besitzer dieser Immobilie. Und über den Namen des Theaters hat der Besitzer zu entscheiden, nicht ein SSG-Geschäftsführer oder die SWR-Festspiele oder sonst jemand“, sagt Stratthaus. Er wunderte sich wie einige andere Empfänger in der Stadt auch darüber, dass im Programmheft der Festspiele schon vom Pigage-Theater die Rede ist, obwohl ja am Tag der Vorstellung des Programms erst die Pressemitteilung der SSG-Verwaltung verschickt wurde. Beim SWR hatte man schon Bescheid gewusst.

Chefredaktion Jürgen Gruler ist Chefredakteur der Schwetzinger Zeitung.

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