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Fauré Quartett in der Dreifaltigkeitskirche in Speyer: Leichtigkeit mit Tiefe

Unter den Kammermusik-Ensembles nimmt das Fauré Quartett hierzulande eine herausragende Position ein. In der Speyerer Dreifaltigkeitskirche unterstrich das  Quartett seinen hohen Rang mit einem begeisternden Konzert - mit Werken von Mahler, Mozart und Brahms.

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Uwe Rauschelbach
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Mit spielerischer Noblesse und technischer Virtuosität: Das Fauré Quartett mit Erika Geldsetzer (Violine), Dirk Mommertz (Klavier), Sascha Frömbling (Viola) und Konstantin Heidrich (Cello) verzichtet für das Rotary-Konzert auf einen Teil seiner Gage. © Venus

Speyer. Unter den Kammermusik-Ensembles nimmt das Fauré Quartett hierzulande eine herausragende Position ein. In der Speyerer Dreifaltigkeitskirche unterstrich das nach dem französischen Komponisten Gabriel Fauré benannte und 1995 gegründete Quartett seinen hohen Rang mit einem begeisternden Konzert. Mit Werken von Gustav Mahler, Wolfgang Amadeus Mozart und Johannes Brahms wurde die hohe Attraktivität des Genres zudem eindrucksvoll bestätigt.

Der Rotary Club Speyer hatte das Gastspiel initiiert. Der Erlös ist für eine Organisation bestimmt, die sich für das Wohl von Kindern in Äthiopien engagiert. Rotary-Präsident Bernd Helmig wies zu Beginn des Konzerts darauf hin, dass auch die Musiker des Fauré Quartetts auf einen Gutteil ihrer Gage verzichteten. Umso deutlicher setzten die Musiker ihren hohen künstlerischen Anspruch um, der vom Publikum in der vollbesetzten Dreifaltigkeitskirche selbst zwischen den einzelnen Sätzen mit Applaus quittiert wurde.

Gustav Mahlers einziges erhaltenes kammermusikalisches Werk, der erste Satz seines Klavierquartetts in a-Moll, lässt noch nicht jene Zerrissenheit spüren, die seine Symphonien in ihrem heftigen Wogen zwischen Tradition und Moderne stilistisch abbilden. Es ist ein von spätromantischer Verklärung geprägtes Stück des noch jungen Komponisten, dessen Verzagtheit des Beginns die Streicher dramatisch aufwallen lassen, wie vom Willen getragen, die tonartlich apostrophierte Tristesse zu überwinden.

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Fauré Quartett in der Dreifaltigkeitskirche Speyer

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Tatsächlich entfachen Erika Geldsetzer (Violine), Sascha Frömbling (Viola) und Konstantin Heidrich (Cello) gemeinsam mit Dirk Mommertz am Flügel eine expressive Dynamik, die das noch Steigerbare bis an die Grenzen des Möglichen führt. Fließende Übergänge, markante Wechsel und eine sensible klangliche Abstimmung bezeugen eine hochdifferenzierte Ensemble-Ökonomie, die sich trotz der Intensität des Ausdrucks nicht verschleißt. Der Kopfsatz dieses Werkes bleibt gleichwohl, da keine weiteren Sätze folgen, in seiner grunddüsteren Aussage bestehen.

Fauré Quartett in Speyer: Farbe für Mozarts Galanterie

Der Kontrast mit Mozarts Es-Dur-Klavierquartett kann nicht größer sein. Heitere Figaro-Stimmung sprudelt aus jedem Takt, doch die zahlreichen Moll-Eintrübungen behandelt das Ensemble keineswegs wie nebenbei – sie geben der Mozartschen Galanterie vielmehr Farbe. Im Spiel des Fauré Quartetts lässt sich jene Leichtigkeit wahrnehmen, die das Tiefe nicht verleugnet und jene Eleganz, die sich nicht in Belanglosigkeit verflüssigt.

Das Klavier findet sich nach dem Auftakt mit Mahler deutlich aufgewertet. Dirk Mommertz spielt seine virtuosen Fähigkeiten vor allem im dritten Satz mit seinen raschen Läufen aus. Trotz der programmatischen Nähe zu Mahler und Brahms verzichtet das Quartett auf jegliche Romantisierungen, wenn auch die Kantabilität im Larghetto mit innigem Empfinden gewürdigt wird. Den lebhaften Finalcharakter des Rondo akzentuieren die Musiker mit zupackendem Spiel, ohne diesem Mozart freilich einen krachledernen Abgang zu verpassen.

Brahms’ erstes Klavierquartett opus 25 weist hernach eine deutliche Zunahme an klanglicher Dichte und dramatischer Dynamik auf. Auch werden die tieferen Register verstärkt beansprucht, was gegenüber dem quecksilbrigen Mozartschen Temperament gleichsam eine erdende Wirkung hat. Auch findet sich die säuberliche Aufteilung zwischen Solo- und Tutti-Einsätzen mehr oder weniger aufgelöst. Das Fauré Quartett legt hier abermals ein an Prägnanz und Homogenität kaum zu überbietendes Musizieren an den Tag, das dem leidenschaftlich Vorwärtsdrängenden ebenso Raum gibt wie den schmerzlich-zarten Lyrismen.

Eine ungemein ereignishafte Vorstellung, die dank der spielerischen Noblesse, der technischen Virtuosität und der musikalisch konzisen Diktion durchaus etwas Spektakuläres hat. Die Zugabe verdankt das Quartett seinem Namensgeber: eine Adaption des Liedes „Après un rêve“ von Gabriel Fauré. Einfach traumhaft.

Redaktion Zuständig für Lokales in Lampertheim (Kommunalpolitik, Kultur), Mitarbeit im Kulturressort des Mannheimer Morgen (Musikkritik, CD- und Bücher-Rezensionen).

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