AdUnit Billboard

Musste das (jetzt) sein?

Lesedauer

Zum Affront des Oftersheimer Ge-meinderats gegen den amtierenden Bürgermeister wird uns geschrieben:

Oftersheim versteht zu feiern.“ „In Oftersheim funktioniert die Dorfgemeinschaft.“ So oder ähnlich wurde erst kürzlich in mehreren großformatigen Vor- und Nachberichten zum Ortsmittefest am 23./24. Juli vollmundig verkündet. So schön ist es bei uns – hätte man meinen können … Doch nach dem ersten Artikel in der Schwetzinger Zeitung am 29. Juli folgte nachmittags in den Regionalnachrichten des „Schwabensenders“ die Weiterverbreitung einer „kommunalpolitischen Bombe“ hinaus ins Land, verbunden mit dem Hinweis von Bürgermeister Jens Geiß, die letzte Gemeinderatssitzung am Dienstag sei auffallend ruhig verlaufen.

Na klar – die „Stellungnahme“ war quasi schon unterwegs, das Gremium wähnte sich auf dem richtigen Weg, die Sommerpause stand bevor und auch die Bürgermeisterwahl unmittelbar danach. Es machte sich wohl der hinterlistige Gedanke breit: „Na warte, wenn Du in den nächsten Tagen die Zeitung aufschlägst . . .“ Am Samstag war es endgültig raus: Der Oftersheimer Gemeinderat distanziert sich von Bürgermeister Geiß, der zeige sich beratungsresistent gegen die Bemühungen des Gemeinderates, die Zusammenarbeit zu verbessern wie die Vorbereitung der Sitzungen, Umsetzung von Beschlüssen, Berücksichtigung von Fraktionsanträgen und dergleichen. Das weiß jetzt also die ganze Metropolregion, der Rat wollte es so.

Mehr zum Thema

Kommunalpolitik

Nach Paukenschlag im Gemeinderat: Jens Geiß, Jens Rüttinger und Patrick Schönenberg äußern sich

Veröffentlicht
Von
Joachim Klaehn
Mehr erfahren
Rathaus

Viele Reaktionen auf Eklat um Oftersheimer Bürgermeister und Gemeinderat

Veröffentlicht
Von
Joachim Klaehn
Mehr erfahren
Zwist

Sieben heiße Wochen in „Ofdasche“

Veröffentlicht
Von
jog
Mehr erfahren

Doch zu welchem Zweck? Sollen die Oftersheimer Bürger jetzt ihren Volksvertretern Beifall spenden, dass sie ihr Gemeindeoberhaupt kurz vor der Wahl öffentlich an den Pranger gestellt und vorgeführt haben mit deren Beteuerung „wir haben ja alles versucht, aber es hat nichts genutzt“ und der implizierten Hoffnung, dass es nach der Wahl einen Wechsel an der Verwaltungsspitze geben möge?

Warum hat man nicht gewartet bis nach der Wahl, wie auch immer sie ausgehen wird? Dann hätte man immer noch ohne derart öffentliches Aufsehen signalisieren können, dass es kein „Weiter so“ geben dürfe, und die Wahl wäre vor allem fair verlaufen. Stattdessen reiben sich die Mitbewerber nun genüsslich die Hände, doch sollte dieser Wechsel tatsächlich eintreten – worauf wäre der Wahlsieg des oder der „Neuen“ dann begründet? Auf die vorausgegangene breit angelegte öffentliche Diffamierung des bisherigen Amtsinhabers und der daraus resultierenden Untergrabung dessen erneuter Kandidatur? Auf der Beschädigung des Ansehens und der Wahrnehmung unserer Gemeinde in der Region? „Ofdasche“ liegt nicht „do hinne“ im schönen Odenwald, es ist eine Großgemeinde mit rund 12 500 Einwohnern im direkten Einzugsbereich mehrerer Großstädte gemäß dem Slogan „immer mittendrin“.

Schon im Frühjahr hatte ich aus Anlass der unsinnigen Umbenennung der Kurpfalzhalle, die den Oftersheimern mehr denn je sauer aufstößt, je öfter der „neue“ Name nun im Zusammenhang mit Veranstaltungen erscheint, die Frage gestellt, ob die Gemeindevertreter nicht einst gelobt haben, sich für das Wohl ihrer Gemeinde einzusetzen und Schaden von ihr abzuwehren. Ja, das haben sie ohne Ausnahme – und nun votieren sie in der gleichen Geschlossenheit gegen ihren Vorsitzenden als Protest gegen dessen Amtsführung über fast acht Jahre hinweg. Selbst die eigene Fraktion von Geiß, deren Sprecher er ja vor seinem Dienstantritt war.

„Ich schäme mich, von Oftersheim zu sein!“ Mit diesem „Statement“ meldete sich gleich am Samstagmorgen eine aufgebrachte Mitbürgerin bei mir am Telefon. Viele weitere folgende Wortmeldungen schlugen fast ausnahmslos in die gleiche Kerbe: Hatte der Gemeinderat gemäß seiner Darstellung nicht seit 2014 Zeit, die geschilderten Probleme anzugehen, und hat er wirklich alle hierzu erforderlichen Mittel ausgeschöpft? Welche Rolle spielte dabei das Verwaltungspersonal? Und wenn tatsächlich alles Bemühen nichts genutzt hat – musste es wirklich soweit kommen, sieben Wochen vor der Wahl? Zählt der Mensch Jens Geiß denn überhaupt nichts?

Mir fällt nach diesen Vorgängen ein bekannter Songtext des unvergessenen Udo Jürgens ein. Darin heißt es zu Beginn der zweiten Strophe: „Es haben alle unterschrieben, schau dir mal die lange Liste an.“ Und schließlich am Ende des Liedes: „Wenn du mich fragst, diese Heuchelei halt’ ich nicht länger aus; wir packen unsre Siebensachen und zieh’n fort – aus diesem ehrenwerten (Rat-)Haus.“ Diese Aufforderung richte ich jedoch nicht an unseren Bürgermeister, vielmehr sollte sich das Gros der Bürgervertreter jetzt schon überlegen, ob es ihnen ehrenwert erscheint, bei der nächsten Kommunalwahl im übernächsten Jahr wieder antreten zu wollen.

Der Bürger und Wähler hat bis dahin diese „Stellungnahme“ keineswegs vergessen und wird sich bei einer entsprechenden Zahl von Neukandidaten zu entscheiden wissen.

Hans-Peter Sturm, Oftersheim

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1