Wir finden es gut, wenn Politiker sich zeigen

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Zum Leserbrief „Stürmische Zeiten“ in der Ausgabe vom 3. Dezember wird uns geschrieben:

Über Geschmack und persönliche Sympathien lässt sich nicht streiten. Aber die Ansammlung an Vorwürfen und Spitzen im Leserbrief von Dr. Roland Ullmann gegenüber dem Abgeordneten Andreas Sturm (CDU) veranlasst mich, selbst über unsere Volksvertreter nachzudenken. Ist bei jedem Zeitungsartikel die Wirkung messbar?

Viele Elemente politischer Arbeit sind aber wenig bis gar nicht unmittelbar messbar. Hat ein Besuch eines Jugendbeirats im Landtag eine Wirkung? Das ist ein wichtiger Beitrag zur Demokratievermittlung, ohne, dass man den Wert davon direkt beziffern könnte. So ist das aber mit der Bildung im Allgemeinen auch.

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Ebenso kann der Wert eines Presseartikels über einen Unternehmensbesuch nicht bemessen werden. Aus meinem eigenen Berufsleben weiß ich aber, dass jede Firma darauf besteht, vom Besuch eines Abgeordneten zu berichten. Natürlich, denn schließlich ist es auch Werbung für die Firma.

Ein alter Arbeitskollege, der noch nie CDU gewählt hat, sagte letztens zu mir: „Leider ist der junge Mann in der falschen Partei.“ Ein interessanter Gedanke. Er zeigt, dass es in der heutigen Zeit mit unseren kolossalen Herausforderungen nicht um Parteien geht oder auf persönliche Sympathien ankommt, sondern auf das Engagement unserer Politiker.

Und ganz ehrlich: Wenn Politiker, egal, von welcher Partei, Firmen und Schulen besuchen, sich zu Themen im Wahlkreis äußern, Gespräche mit Bürgermeistern führen, Sprechstunden im Büro, per Telefon oder wie Daniel Born (SPD) per Whatsapp oder Andreas Sturm mit seiner „Ansprechbar“ anbieten, dann zeigt es mir, dass sie engagiert sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass aktive und engagierte Politiker Wirkung entfalten, ist übrigens sehr viel höher als bei Politikern, von denen man nie was hört.

Ich habe in meinem Leben genügend Abgeordnete aus Land, Bund und Europa erlebt, die sich nur vor einer Wahl gezeigt haben. Ich denke, wir sollten froh sein, wenn sich unsere Volksvertreter zeigen. Politiker, die kein Engagement zeigen, befördern Politikverdrossenheit. Politiker zu kritisieren, die Engagement zeigen, das ist in meinen Augen seltsam.

Ich glaube, dass Bürger anderer Wahlkreise froh wären, wenn sie solch aktive Landtagsabgeordnete und einen solch aktiven Bundestagsabgeordneten wie im Wahlkreis Schwetzingen/Hockenheim hätten.

Volker Kistler, Hockenheim

Jeder kann lesen, was er will

Nachdem ich vor einigen Wochen das Engagement des CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Sturm gelobt habe, kritisiert Dr. Ullmann in seinem Leserbrief das Engagement des Abgeordneten. So unterschiedlich sind Menschen, so unterschiedlich Meinungen. Da wir glücklicherweise Meinungsfreiheit in diesem Land haben, toleriere ich andere Meinungen. Das bedeutet aber nicht, dass nicht Fragen offenbleiben:

1. Politiker bekommen meistens den Vorwurf, zu wenig zu tun und zu wenig präsent zu sein. Was ist der wahre Grund, einen Politiker dafür zu kritisieren, dass er zu präsent ist?

2. Dr. Ullmann möchte eine Evaluation von Andreas Sturms Engagement. Er kennt scheinbar alle Artikel und Aktionen des Abgeordneten, er will aber von den Zeitungsartikeln, in denen von Resultaten berichtet wird, nichts mitbekommen haben. Über Förderungen und Spenden wurde beispielsweise ausführlich berichtet. Als Besucherin der Lesung in Schwetzingen habe ich mich an Spenden für die Schwetzinger Tafel und den Hockenheimer Kinderschutzbund beteiligt. Ich finde es großartig, dass ein Politiker für solche wohltätigen Organisationen sammelt.

3. Wieso liest jemand Zeitungsartikel, die er nicht lesen möchte? Die Schwetzinger Zeitung ist ein Angebot, kein Bürger ist gezwungen, alle Artikel zu lesen. Wenn mich beispielsweise der Kegelverein XY nicht interessiert, ignoriere ich die Nachrichten dieses Vereins.

4. Dr. Ullmann behauptet, dass der Abgeordnete in acht Landtagsausschüssen ist. Das konnte ich kaum glauben und tatsächlich finden sich auf Sturms Homepage, der Landtagsseite und auf Wikipedia nur die Mitgliedschaft in drei Ausschüssen. Hat der Leserbriefschreiber schlecht recherchiert oder ist der Zweck nur ein persönlicher Angriff?

5. Wie können wir fähige Menschen für die Politik gewinnen, wenn ein hohes Engagement für Kritik sorgt? Im Hinblick auf solche zweifelhaften persönliche Angriffe kann ich niemandem raten, in die Politik zu gehen.

Ich beobachte die Politik in der Kommune, im Land und Bund schon seit 30 Jahren und ich denke, die Volksvertreter sollten fair mit den Bürgerinnen und Bürgern umgehen. Im Umkehrschluss sollten aber auch die Bürgerinnen und Bürger fair mit den Volksvertretern umgehen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Claudia Oellers, Oftersheim

Es gibt da auch noch andere

Dem Leserbriefschreiber Dr. Roland Ullmann ist wohl bewusst, dass auch andere politische Akteure in gleicher Weise oftmals auf unscheinbare Selbstinszenierungen und wohlfeile Versprechungen setzen. Warum nimmt Dr. Ullmann namentlich nur Andreas Sturm auf die Schippe? Selbst wenn die Liste der „anderen politischen Akteure“ lang ist, einen zweiten Namen hätte der Leserbrief schon verdient.

Dr. Andre Baumann, der „grüne“ Politiker ist in der Schwetzinger Zeitung nicht weniger oft sichtbar als der „schwarze“ Politiker Andreas Sturm. Bei den „Stürmischen Zeiten“ nimmt der Leser am Ende erst mal nur Andreas Sturm wahr. Dessen „geradezu obsessive mediale Omnipräsenz“ trifft auf Dr. Baumann ebenso zu. Könnte man nicht dessen Karriereabsichten auch als wahren Motivationsgrund für sein Engagement vermuten?

Die beiden Politiker sind unser Wahlkreis, beide wollen gesehen und gelesen werden. Das ist gut so.

Ulrike E. Bell, Ketsch