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Gemeinderat

Hockenheim will schrittweise den CO2-Ausstoß reduzieren

Der Gemeinderat hat ein klimafreundliches Mobilitätskonzept einstimmig beschlossen. Keinen Einfluss hat er jedoch auf den Hauptverursacher, die Autobahnen.

Von 
Stefan Kern
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Von Autobahnen und Bundesstraßen umzingelt: Auf den Kohlendioxid-Ausstoß unter anderem von der A 6, die im Vordergrund des Bildes verläuft (mit der Raststätte Hocken-heimring West), hat das Konzept keinen Einfluss. Trotzdem sollen viele Einzelmaßnahmen die Mobilität möglichst klimafreundlich gestalten. © Venus

Hockenheim. Das Konzept der Rennstadt in Sachen klimafreundlicher Mobilität ist ein Werk geworden, das annähernd alle Aspekte der Mobilität – von motorisiert bis zu Fuß – erfasst. Schon die kurzen Erläuterungen des Leiters des Fachbereiches Bauen und Wohnen, Christian Engel, nahmen einige Zeit in Anspruch und machten klar, dass das Handlungsfeld riesig ist.

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In der Bestandsanalyse des Verkehrsplanungsbüros „R+T“ zum fließenden Verkehr wurde deutlich, dass es in der Kernstadt ein eher geringes Verkehrsaufkommen gebe. Trotzdem dominiere das Auto das Stadtbild. Auch gebe es insgesamt ausreichend Pkw-Stellplätze in der Stadt – nur in der Verteilung sehe es nicht immer optimal aus.

In Sachen Radverkehr attestierte das Konzept der Stadt ein „überwiegend gut befahrbares Radwegenetz“. Vereinzelt, wie beim Knotenpunkt vor dem Med-Center, gebe es aber gravierende Mängel. Aus der Perspektive Sicherheit regt das Konzept ein Nachdenken über ein Tempolimit in der Innenstadt von 30 Stundenkilometer an.

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Schwierig für Fußgänger seien die oftmals engen Räume, verursacht von auf Gehwegen geparkten Fahrzeugen. Laut Christian Engel dominiert das Auto den öffentlichen Raum. Weitaus besser sieht es mit dem öffentlichenm Nahverkehr (ÖPNV) im Stadtgebiet aus. Weniger gelungen sei dagegen die Anbindung des Bahnhofs in Randlage. Der Anschluss an Nachbargemeinden wie Speyer und Walldorf sei ebenfalls alles andere als attraktiv. Weitere kritische Anmerkungen: Das Fahrradverleihsysteme „Nextbike“ sei wenig ausgelastet, es gebe kein Carsharing-Angebot und wenige öffentliche Elektrotankstellen.

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Mehr Sicherheit und Qualität

Als Ziele gibt das Konzept neben der Reduktion von Treibhausgasemissionen auch die Schaffung von sicheren Wegen für alle Verkehrsteilnehmer, die Erhöhung der Aufenthaltsqualität und in der Folge auch die Stärkung der Nahversorgung vor. In einem ersten Szenario wird als Auftakt neben der Behebung von Mängeln auf Fuß- und Radwegen, vor allem deren Ausbau vorgeschlagen. Von Vorteil wäre auch eine Schnellbuslinie Speyer-Hockenheim-Walldorf.

Über ein Tempolimit von 30 Stundenkilometer innerhalb des Tangentenrings sollte nachgedacht werden. In einem zweiten, darauf aufbauenden Szenario soll ein flächendeckendes Radwegenetz und eine Radschnellverbindung in die Nachbargemeinden entstehen. Der ÖPNV soll insgesamt ausgebaut und enger getaktet werden. Tempo 30 soll nahezu überall östlich der Bahntrasse gelten und für Fußgänger, Radfahrer und Busverkehr sollen Verkehrsflächen ausgeweitet werden, explizit auch auf Kosten des fließenden und ruhenden Verkehrs.

Zuletzt findet sich auch noch ein Brückenprojekt für Fußgänger und Radfahrer zwischen Talhaus und nördlicher Kernstadt samt S-Bahn-Haltepunkt Nord in dem Konzept.

Durchaus ernüchternd wirken dabei die CO2-Einsparpotenziale: Ohne jede Maßnahme, so steht es in dem Konzept, würde eine Minderung von CO2-Emissionen im Pkw-Bereich von knapp unter 65 000 Tonnen (2018) im Jahr auf etwas über 50 000 Tonnen (2035) gelingen allein durch den technischen Fortschritt und mehr E-Autos. Spektakulär sehe anders aus.

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Dieser eher kleine Einfluss habe viel mit der Autobahn auf Hockenheimer Gemarkung zu tun, betonte Engel. Sie sei im Bereich Mobilität die CO2-Hauptquelle und die Stadt habe da null Einfluss. Trotzdem versicherte Oberbürgermeister Marcus Zeitler, dass es viele wertvolle Ideen gebe und bei zahlreichen Maßnahmen die Vorteile ja nicht nur die CO2-Minderung beträfen. Es gehe auch um Lärm, Feinstaub und die Aufenthaltsqualität.

„Stadt der kurzen Wege“

Markus Fuchs (CDU) betonte, dass die Menschen schon jetzt ohne große Mühen das Klima schützen könnten. „Hockenheim ist eine Stadt der kurzen Wege, fast jeder kann nahezu alles in Hockenheim zu Fuß erledigen.“ Zugleich erinnerte der CDU-Mann an die Haushaltsnöte. Neben Klimaschutz gebe es ja noch Ziele wie Kinderbetreuung, Schule, bezahlbaren Wohnraum und Straßensanierung. Das sei mit dem Haushalt der Rennstadt nicht darstellbar, „das funktioniert nicht“. Trotzdem müsse das Konzept unbedingt angegangen und verwirklicht werden, was geht.

Genau wie der Oberbürgermeister betonte Elke Dörflinger (Grüne), dass viele Maßnahmen nicht nur das Klima positiv beeinflussten, sondern auch das Lebensgefühl in der Stadt. Wichtig sei eine „intelligent vernetzte Mobilität“, die dem Menschen diese bei möglichst geringen CO2-Emissionen erlaube.

Gabi Horn (FWV) erklärte, dass das Konzept nun umgesetzt und laufend evaluiert werden müsse. Richard Zwick (SPD) legte sein Augenmerk auf die Bürger, die bei diesem Projekt Klimaschutz mitmachen müssten. „Er gelingt nur mit ihnen.“ Hierfür müsse nun aber die Infrastruktur geschaffen werden. Grundsätzlich solle das Konzept als eine Art Leitplanke bei allen zukünftigen Entscheidungen dienen. Klimaschutz müsse stets mitgedacht werden.

Planungssicherheit gefordert

Frank Köcher-Hohn (FDP) weitete in seiner Stellungnahme den Blick auf den in seinen Augen wuchernden Konzeptewald. Klimafreundliches Mobilitätskonzept, Parkraummanagement oder Einzelhandelskonzept – den Überblick zu bewahren, sei nicht leicht. Wichtiger sei nun mehr Planungssicherheit: Was aus welchen Konzepten soll wann und wie umgesetzt werden. Wie allen anderen Sprecher betonte er, dass dieses Konzept keinesfalls für die Schublade sei.

Quer durch alle Fraktionen fand sich die Überzeugung, dass das langfristige strategische Ziel Klimaschutz zu wichtig dafür sei. Und so wurde das klimafreundliche Mobilitätskonzept einstimmig verabschiedet.

Freier Autor Stefan Kern ist ein freier Mitarbeiter der Schwetzinger Zeitung.

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