AdUnit Billboard
Rotary Club - Patenschaft für Familie an der Ahr übernommen / Hilfe, die über reine Spenden hinausgeht / Beistand bei der Bewältigung von Alltagsfragen

Rotary Club übernimmt Patenschaft für Familie an der Ahr

Von 
zg
Lesedauer: 
Dieter List vom Rotary Club (v. li.), Mutter Svetlana, Vater Wilhelm und Großmutter Schmidt, Frank Brenner, der Präsident des Rotary Clubs, und Sohn William Schmidt mit seinem neuen Rad. © Rotary Club

Das Jahr 2021 wird in Deutschland für manches stehen. Für eine fortdauernde Corona-Krise, aber auch für eine auf Klimawandel und falsche menschliche Entscheidungen gleichermaßen zurückzuführende Katastrophe im Tal der Ahr. Vom 14. auf den 15. Juli wälzten sich riesige, durch die starken Regelfälle der vergangenen Tage gespeiste Wassermassen durch das enge Tal im nördlichen Rheinland-Pfalz. Ohne die Möglichkeit in Rückhaltebecken zu fließen, riss das Wasser Häuser ein und schwemmte das Hab und Gut der Anwohner mit sich fort. 134 Menschen verloren ihr Leben, mehr als 40 000 Obdach, Eigentum und Perspektive.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Für eine gewisse Zeit war das ganze Land von der Corona-Pandemie abgelenkt und schaute betroffen in diese romantische Gegend an der Ahr, wo von da an Verwüstung und Verzweiflung herrschten. Die Bilder und zahlreichen Schicksale lösten eine Welle der Hilfsbereitschaft in ganz Deutschland aus – so auch bei den Rotariern in Hockenheim, die in engem Kontakt mit dem Rotary Club Adenau-Nürburgring standen.

Sammlung organisiert

Da es zuerst und vor allem an Geld fehlte, um die dringend erforderliche Unterstützung der Menschen in Form von Trinkwasser, Nahrung, Kleidung und Hygieneprodukten zu gewährleisten, organisierte der Hockenheimer Club innerhalb weniger Tage ein Jazzfrühstück vor dem Restaurant Rondeau, bei dem 10 000 Euro zusammenkamen und an den Rotary Club an der Ahr überwiesen werden konnten. Im Anschluss kam ein Kontakt mit Joe Herrmann aus Oftersheim und seiner Initiative der „Ahrschipper“ zustande, die seit fünf Monaten an den Wochenenden mit Bussen freiwillige Hilfskräfte ins Ahrtal bringt.

Mehr zum Thema

Fluthilfe

In Sinzig weiß jeder um die Hilfe aus Schwetzingen und der Region

Veröffentlicht
Von
Katja Bauroth
Mehr erfahren
Engelsgeschichten zu Weihnachten

"Reilinger Engel" helfen im Ahrtal

Veröffentlicht
Von
Christina Lourenco
Mehr erfahren
Spende

Brühler Fahrradwerkstatt für Bedürftige bringt 28 überarbeitete Räder ins Ahrtal

Veröffentlicht
Von
kt
Mehr erfahren

Aber Geld und selbst tatkräftigte Hilfe durch Freiwillige sind in einer solchen Katastrophe nicht ausreichend. Außer den dringend erforderlichen Aufräum- und Wiederaufbaumaßnahmen haben es die Helfer mit schwer traumatisierten Bewohnern der Ahrtal-Gemeinden zu tun, mit überforderten Familien, denen selbst die Organisation des eigenen Lebens unfassbar schwerfällt.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Menschliche Unterstützung

Neben psychologischer Betreuung bedarf es hier vor allem einer menschlichen Unterstützung und Begleitung, die den Weg hin zu einer gewissen Normalität ebnet. Es entstand der Plan der Rotarier vor Ort, in besonderen Härtefällen Patenschaften für Familien im Ahrtal zu vermitteln. „Es geht entscheidend um das Gefühl: Wir sind nicht allein, ich kann mit jemandem sprechen, damit die Menschen wieder Hoffnung und die Kraft finden können, nicht aufzugeben“, berichtet Dieter List, Mitglied der Arbeitsgruppe im Rotary Club Hockenheim, die sich dieser besonderen Verpflichtung angenommen hat.

„Nach den Soforthilfen der letzten Monate wollen wir jetzt den Familien Halt, Zuversicht und aktive Unterstützung geben, um wieder auf die Beine zu kommen.“ Gedacht ist dabei vor allem an organisatorische Unterstützung im Zusammenhang mit der Vergabe von Baugutachten und der baulichen Maßnahmen an den zerstörten Häusern sowie die Unterstützung bei Anträgen für finanzielle Hilfen durch den Staat, aber auch durch andere Leistungsträger wie Versicherungen oder Hilfsfonds.

Angesichts der nicht zu unterschätzenden psychischen und sozialen Schäden, die die Flut aus dem Juli in den Familien der Opfer angerichtet hat, soll die konkret erfahrbare menschliche Nähe Verzweiflung ab- und verlorengegangenes Vertrauen wieder aufbauen.

Im November dieses Jahres hat der Rotary Club die Patenschaft für Familie Schmidt aus Antweiler an der Ahr übernommen. Dazu hat der Club ein Team zusammengestellt, zu dem neben Clubmitgliedern auch der Lebenspartner einer Rotarierin gehört, der in räumlicher Nähe zum Ahrtal eine Anwaltskanzlei betreibt. Auf diese Weise ist stets der persönliche Kontakt hergestellt.

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3

Das Haus, in dem Familie Schmidt noch immer lebt, liegt etwa fünf Meter über dem normalen Wasserstand der Ahr. Im Erdgeschoss lebte die 95-jährige Großmutter, bis die Flut die Wohnung vollständig überschwemmte. Die alte Dame konnte sich in den ersten Stock in Sicherheit bringen, bis für sie und den Rest der Familie Hilfe eintraf. Geblieben sind massive Schäden am Haus und der Verlust großer Mengen an Möbeln, Elektrogeräten und Hausrat, insbesondere des Autos der Familie und des Fahrrades des 14-jährigen Sohnes.

Bei einem ersten Kennenlernen stellten die Hockenheimer Rotarier sich der Familie vor. Schnell war ein warmherziger Kontakt aufgebaut, und den Helfern aus Hockenheim wurde klar, wie nötig vor allem menschliche Zuwendung ist. Gemeinsam sichtete man die Schäden und konnte schnell erkennen, dass in nächster Zeit vor allem bauliche Maßnahmen und deren gutachterliche Vorbereitung im Vordergrund stehen werden. Hierfür hat der Rotary Club inzwischen bereits Mittel bereitgestellt, die rasche Hilfe ermöglichen sollen, wo staatliche Unterstützung (noch) nicht verfügbar ist.

Der zweite Besuch der Rotarier im Ahrtal am 7. Dezember stand schon ganz im Zeichen von Weihnachten. Der Club schenkte dem Sohn der Familie Schmidt ein neues Fahrrad, mit dem er begeistert erste Runden drehte. Für die ganze Familie gab es einen Essensgutschein für ein Weihnachtsessen in einem örtlichen Restaurant und Christstollen, um trotz der düsteren Umstände ein wenig Weihnachtsstimmung zu zaubern. Und das gelang: „Zum ersten Mal hat die Oma wieder ein Lächeln im Gesicht“, sagte Vater Wilhelm Schmidt sichtlich gerührt. Mit dabei war auch Gaby Richrath, die Ehefrau des örtlichen Bürgermeisters: „Diese Flut hat auch noch etwas ganz Besonderes gebracht“, bemerkte sie. „Viel Menschlichkeit!“

Im weihnachtlichen Sinne der Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe kann eine Spende ein besonderes Geschenk sein. Gerne nimmt der Rotary Club Spenden für die weitere Unterstützung von Familie Schmidt aus dem Ahrtal entgegen. zg

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1