Gewerbegebiet Süd - Google Maps hat Erweiterung erfasst / Betriebe froh über bessere Auffindbarkeit / Große Baulücke neben 21sportsgroup-Projekt bleibt Brache Thüringer Straße nun digital zu finden

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Benjamin Jungbluth
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Zwischen den Neubauten an der der Thüringer Straße (r.) und der riesigen Logistikhalle der insolventen 21sportsgroup (l.) liegen rund 10.000 Quadratmeter brach, die als Erweiterungsoption für das gescheiterte Großprojekt vorgesehen waren. Sie sind die letzte freie Fläche im gesamten Gewerbegebiet Süd. © Benjamin Jungbluth

Ketsch. Es hat mehr als zwei Jahre gedauert, aber inzwischen hat der Technologiegigant aus Kalifornien reagiert: Die bereits 2018 von der Gemeinde angelegte Thüringer Straße im Gewerbegebiet Süd ist inzwischen bei Google Maps zu finden. Für die neu angesiedelten Firmen ist diese Nachricht wichtig, denn das Kartenmaterial von Google bildet die Grundlage für zahlreiche Internetdienste und Navigationsgeräte. Wer dort nicht zu finden ist, der existiert quasi nicht – zumindest als Unternehmen, das auf die unkomplizierte Erreichbarkeit seiner Kunden und Lieferanten angewiesen ist.

Ketsch Ketscher Betriebe erschließen letzte Grundstücke im Gewerbegebiet Süd

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Tilman Schenk, der in der Thüringer Straße 2 das erste der begehrten Gewerbegrundstücke ergattert hatte, bekam diese Auswirkungen schnell zu spüren. Auf seiner eigenen Internetseite änderte er deshalb die Adressen lange Zeit nicht: Seine gleichnamige Heizenergiefirma und seine Firma Kurpfalz Pellets hatten somit ihren Sitz weiterhin in der Karlsruher Straße, zumindest digital. „Uns hat am neuen Standort einfach niemand gefunden, wir mussten die Anfahrt immer umständlich erklären“, erzählt er. Versuche, die neue Straße bei Google zu melden, führten zunächst zu keinem Erfolg (wir berichteten).

Doch die alte Adresse war natürlich keine Dauerlösung, weshalb sich Tilman Schenk schließlich doch entschied, auf seiner Internetseite die für Google nicht existente Straße anzugeben. Und plötzlich tauchte sie auch beim Kartendienst auf. „Vielleicht hat die Änderung auf meiner Seite Wirkung gezeigt, weil die Adresse dadurch im Internet zu finden war – am Ende könnte das dazu geführt haben, dass Googles Systeme eine Veränderung erkannt haben. Oder es war eben reiner Zufall und auch der Weltkonzern Google braucht manchmal einfach etwas länger“, mutmaßt Tilman Schenk schmunzelnd.

Am neuen Standort im äußersten Süden der Enderlegemeinde ist der Firmeninhaber abseits dieser leichten Komplikationen aber sehr glücklich: Es gibt hier ausreichend Platz für seine beiden Firmen, die er dadurch an einem Ort bündeln konnte. „Wir wollten auf keinen Fall weg aus Ketsch, deshalb war es ein Glücksfall für uns, dass wir hier eine der letzten freien Gewerbeflächen kaufen konnten. Eine solche Möglichkeit ist aus meiner Sicht sehr wichtig, um die örtlichen Betriebe zu halten“, sagt Tilman Schenk.

Flächen wichtig für lokale Betriebe

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Ganz ähnlich sieht das Sascha Kowallik. Sein Baulogistikunternehmen Ko Trans hat seinen Sitz noch in der I. Rheinstraße, muss seine Baumaschinen aber gleich an mehreren über die Enderlegemeinde verteilten Standorten unterstellen. Das soll sich bis zum Sommer ändern. Dann will Ko Trans sein neues Firmengelände in der Thüringer Straße endgültig fertiggestellt haben und umziehen. „Wir verlegen unseren kompletten Betriebshof und die Büros ins Gewerbegebiet Süd: Ein Dutzend Lastwagen, mehrere Bagger und Traktoren sowie weiteres Baugerät. Den Platz dafür haben wir nur auf der grünen Wiese gefunden, eine Nachverdichtung im Ortskern ist bei einem derartigen Projekt nicht möglich – entsprechend wichtig sind solche Flächen für uns lokale Betriebe“, erklärt Sascha Kowallik.

Umso mehr ist es aus seiner Sicht deshalb schade, dass die kleineren Unternehmen bei der Vergabe der letzten Flächen im Gewerbegebiet Süd nur den überschaubaren Bereich entlang der Thüringer Straße abbekommen haben. „Der allergrößte Teil entlang der Sachsenstraße ging bekanntlich an das Großprojekt eines Sportartikelhändlers, der inzwischen insolvent ist – aber die haben vermutlich am Anfang besonders viel zahlen können“, sagt Sascha Kowallik.

Fast schon absurd

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Tatsächlich ist die Situation im letzten Bauabschnitt des Gewerbegebiets inzwischen fast schon absurd: Insgesamt neun Grundstücke zwischen 700 und 3500 Quadratmetern werden von kleineren Betrieben aus der Region genutzt. Überall wird gebaut, manche Unternehmen hätten sich auch größere Flächen vorstellen können, ist zu hören. Doch direkt nebenan herrscht gespenstische Leere: Das 67 300 Quadratmeter große Gelände, auf dem der Projektentwickler Panattoni Europe für den Sportartikelhändler 21sportsgroup erst 2018 eine mehr als 30 000 Quadratmeter große Logistikhalle errichtet hatte, wird weiterhin kaum genutzt. Das großangelegte Projekt schien nie richtig anzulaufen und endete Anfang vergangenen Jahres mit der Insolvenz der 21sportsgroup.

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Noch offensichtlicher ist die Lage direkt nebenan: Weil sich die Projektplaner vertraglich eine Erweiterungsoption für das Logistikzentrum gesichert hatten, klafft eine 10 000 Quadratmeter große Baulücke zwischen der riesigen Halle und den kleinen Grundstücken der örtlichen Betriebe. „Vielleicht wird das irgendwann einmal für eine weitere Bebauung freigegeben, um anderen Firmen eine Möglichkeit zur Entwicklung zu geben. Schließlich haben die Grundstücke hier alle ursprünglich dem Land Baden-Württemberg gehört“, erklärt Sascha Kowallik. „Aber dann gibt es da ja noch die Haubenlerche – im Moment dient die Brachfläche nämlich als Schutzgebiet für die geschützte Vogelart.“

Und so sind Sascha Kowallik und Tilman Schenk erst einmal glücklich, dass sie ihre Ketscher Betriebe auf den neuen Grundstücken in der Thüringer Straße haben unterbringen können.

Info: Mehr Bilder gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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Freie Autorenschaft Freier Journalist für die Region Heidelberg, Mannheim und Rhein-Neckar. Zuvor Redakteur bei der Schwetzinger Zeitung, davor Volontariat beim Mannheimer Morgen. Neben dem Studium freie Mitarbeit und Praktika u.a. beim Mannheimer Morgen, der Süddeutschen Zeitung, dem SWR und der Heidelberger Studentenzeitung ruprecht.