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SPD - Karl-Peter Wettstein wird vor 50 Jahren in den Landtag gewählt / Gedenkfeier im Foyer des Gemeindezentrums

Vater der Selbstständigkeit Plankstadts

Von 
Helmut Schneider
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Plankstadt. Bei der Landtagswahl am 23. April 1972, also vor 50 Jahren, wurde Karl-Peter Wettstein, kurz vor seinem 32. Geburtstag für die SPD zum Abgeordneten bestimmt. Bei der Wahl 1968 hatte die SPD den Sitz in diesem Wahlkreis verloren. Natürlich wurde die Wahl Wettsteins im Plankstädter Gasthaus „Zum Ochsen“ ausgiebig gefeiert. Die SPD bekam in Baden-Württemberg 37,6 Prozent der Stimmen und erzielte in Plankstadt sogar ein Ergebnis von 45,8 Prozent, was auf die Popularität des Kandidaten in seiner Heimatgemeinde schließen lässt.

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Der damalige SPD-Ortsvereinsvorsitzende Wolfgang Schroth hatte Wettsteins Kandidatur nachdrücklich unterstützt. Es gab eine Delegiertenkonferenz, bei der ein namhafter Mitbewerber auftrat. Letztlich bekam Karl-Peter Wettstein ganze drei Stimmen mehr. Den Ausschlag, das kann man mit Fug und Recht behaupten, gaben die Delegierten aus Plankstadt, die selbstverständlich geschlossen für ihren Plankstädter Genossen stimmten. Der Autor dieses Berichts war auch mit dabei.

Gegen die Eingemeindung

Karl-Peter Wettstein holt bei der Landtagswahl 1972 in Plankstadt für die SPD fast 46 Prozent der Stimmen. Um die Selbstständigkeit seiner Heimatgemeinde macht sich der Abgeordnete danach in besonderem Maße verdient. © Schneider

Im Jahr nach seiner Wahl in den Landtag legte die schwarz-rote Regierung als Teil der Gemeindegebietsreform einen Gesetzentwurf vor, der unter anderem die Eingemeindung von Plankstadt und Oftersheim nach Schwetzingen vorsah. Der damalige Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Walter Krause befürwortete die Eingemeindung. Dagegen formulierte Wettstein einen Antrag, der den Erhalt der Selbständigkeit von Plankstadt und Oftersheim vorsah.

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Auch sein Kollege, der CDU-Abgeordneten im hiesigen Wahlkreis Dr. Lothar Gaa aus Schwetzingen, ein gebürtiger Plankstädter, setzte sich entschieden für den Erhalt der Selbstständigkeit ein. Letztlich lehnte die Mehrheit der Landtagsabgeordneten die Eingemeindung von Plankstadt und Oftersheim nach Schwetzingen ab.

Einen weiteren großen Erfolg erzielte Wettstein bei der sogenannten Tunnellösung für die Umgehungsstraße B 535, die er maßgeblich unterstützte. Zunächst strebte er einen echten Tunnel an. Aus Kostengründen wurde dies abgelehnt. Also forderte er eine Überdeckelung, was schließlich vom Bundesfinanzministerium akzeptiert wurde. Heute spricht niemand mehr von einer Überdeckelung, sondern von einem Tunnel. Für die Anwohner in Schwetzingen und Plankstadt bedeutet dieser „Tunnel“ eine erhebliche Entlastung von Abgasen und Lärm.

Nach 28 Jahren Zugehörigkeit zum Landesparlament schied Karl-Peter Wettstein freiwillig aus dem Landtag aus. Er hatte seiner Ersatzkandidatin Rosa Grünstein zugesagt, seinen Platz zu räumen, um ihr die Gelegenheit zu geben, sich zwei Jahre lang in die Landtagsgeschäfte einzuarbeiten und ihren Bekanntheitsgrad im Wahlkreis zu steigern. Jürgen Gruler kommentierte dies im Nachruf auf Karl-Peter Wettstein in dieser Zeitung mit dem Satz: „Hut ab, das machen längst nicht alle so.“

Ein Blick zurück auf seine familiären und beruflichen Verhältnisse sowie den Beginn der Laufbahn als Politiker: Aufgewachsen ist er in Oftersheim, wo er bei der evangelischen Gemeindejugend und beim Sportverein aktiv war. Selbst als er mit seiner Familie 1956 nach Plankstadt umgezogen war, behielt Wettstein diese Kontakte bei und wurde gar noch Leichtathletiktrainer beim TSV.

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Wettstein studierte an den Universitäten Heidelberg und Bonn Volkswirtschaft, Politik, Geschichte, Germanistik und Sport. Nach den beiden Staatsexamen in den Jahren 1966 und 1967 unterrichtete er zunächst am Gymnasium in Philippsburg und als Oberstudienrat am Gauß-Gymnasium in Hockenheim. Er war 45 Jahre mit seiner Frau Renate verheiratet und hatte zwei Kinder, Tochter Tatjana und Sohn Tibor.

Ungewöhnliche Umwege

Als er 1962 Mitglied der SPD werden wollte, ist er nicht im Ortsverein Plankstadt sondern in Heidelberg eingetreten. Dafür hatte er zwei Gründe: Erstens hatte sein Vater Angst um den Bestand seiner Metzgerei, wenn in Plankstadt ruchbar wurde, dass sein Sohn ein „Sozi“ ist. Schließlich war Plankstadt in jener Zeit von der CDU dominiert. Zweitens hatte Wettstein bereits drei Jahre im Sozialdemokratischen Hochschulbund (SHB) Heidelberg mitgearbeitet. 1963 wurde er zum Bundesvorsitzenden des SHB gewählt. Dies stand in allen Zeitungen und so wurde in Plankstadt auch bekannt, dass Karl-Peter Wettstein SPD-Mitglied ist. Für die Metzgerei ergab dies keinerlei Umsatzeinbußen. Also konnte sich Karl-Peter Wettstein vom Ortsverein Bonn zum Ortsverein Plankstadt ummelden.

Plankstadt kann auf eine 1250-jährige Geschichte zurückblicken. Aufgrund der Pandemie konnten die Festlichkeiten nicht stattfinden und sollen in diesem Jahr nachgeholt werden. Ohne den Erhalt der Selbständigkeit Plankstadts gäbe es jedoch nichts zu feiern. Plankstadt wäre ein Stadtteil Schwetzingens. Deshalb sollten Karl-Peter Wettstein und sein ehemaliger Landtagskollegen Dr. Lothar Gaa von der CDU nach Meinung der SPD geehrt werden, indem man jeweils eine Straße nach ihnen benennt. Sie haben sich um Plankstadt verdient gemacht.

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