Schiller-Schule

Reilinger Schiller-Schule mit zwei speziellen Vorbereitungsklassen

An der Schiller-Schule in Reilingen wird Schülern aus Kriegsgebieten, die in den meisten Fällen die deutsche Sprache nicht beherrschen, die Integration dank speziellen Vorbereitungsklassen (VKL) und dem vom Land geförderten Jugendbegleiterprogramm erleichtert.

Von 
Henrik Feth
Lesedauer: 
Celine Misra (v. l.) und Heike Seeber mit den Schülern vom Nachmittagskurs und einer der Vorbereitungsklassen der Friedrich-von-Schiller-Schule. © Dorothea Lenhardt

Reilingen. Wenn die eigene Lebensgrundlage vom einen auf den anderen Moment durch einen Kriegsausbruch zu einem Scherbenhaufen wird, ist dies für die meisten Erwachsenen ein Schicksalsschlag, von dem sie sich nur mit Mühe erholen. Noch schlimmer haben es die betroffenen Kinder, die gemeinsam mit ihren Eltern in ein fremdes Land flüchten müssen. An der Schiller-Schule in Reilingen wird diesen Schülern, die in den meisten Fällen die deutsche Sprache nicht beherrschen, die Integration dank speziellen Vorbereitungsklassen (VKL) und dem vom Land geförderten Jugendbegleiterprogramm erleichtert.

Konrektorin Alexsandra Misra beschreibt den Aufbau der VKL-Klassen: „Wir haben zwei VKL-Klassen an unserer Schule. Diese sind jeweils in Altersklassen unterteilt. Die Primarstufe deckt die Grundschule und die Sekundarstufe die Klassen fünf bis zehn ab. Dabei steht das Lernen der deutschen Sprache im Vordergrund, ohne Leistungsdruck oder Tests. So können sich die teilweise traumatisierten Kinder in Ruhe in ihr neues Umfeld einfinden.“

Beide Stufen führen mittlerweile jeweils über 20 Schüler, zum Großteil aus Kriegsgebieten wie der Ukraine und Afghanistan, mit unterschiedlichen Vorkenntnissen und Bildungsstand.

Vorbereitungsklassen in Reilingen: Flexibilität und Einsatz

Die Betreuung solcher Klassen erfordert nicht nur Feingefühl, sondern auch Flexibilität und Einsatz von den Lehrkräften. Die beiden Stufen werden von Barbara Wünschel (Primar) und Daniel Franz (Sekundar) geleitet. Die VKL-Klasse von Franz präsentierte beispielsweise am vergangenen Adventsmarkt der Schule ein Gedicht des Lyrikers Joseph von Eichendorff in beeindruckender Weise.

Mehr zum Thema

Sternsingeraktion

Sternsinger in Neulußheim bringen auch dem Rathaus Segen

Veröffentlicht
Von
rhw
Mehr erfahren
Tierwelt (mit Fotostrecke)

Zwillingsgeburt auf dem Wersauer Hof in Reilingen

Veröffentlicht
Von
Katrin Dietrich
Mehr erfahren
Jahresrücklbick

Das Jahr in Bildern: Reilingen 2022

Veröffentlicht
Bilder in Galerie
4
Mehr erfahren

Unterstützt werden die beiden von Miriam Schischko, die seit November als Praktikantin an der Schiller-Schule tätig ist und an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe mit dem Schwerpunkt „Deutsch als Fremdsprache“ studiert. Diese wird ihr Praktikum allerdings bald beendet haben und die Schule sucht nach einem passenden Ersatz.

Gemeinsam mit Celine Misra und der VKL-Beauftragten Heike Seeber leitet Schischko den Zusatzunterricht am Nachmittag, der als Teil des Programms abgehalten wird. Auch dort wird in den beiden Altersklassen unterschieden. Dabei steht zwar auch das Erlernen der deutschen Sprache im Fokus, jedoch in einer aufgelockerten Form, wie Seeber beschreibt: „Der Stoff aus den morgendlichen VKL-Unterricht wird zwar weiter thematisiert, aber an den Nachmittagen gehen wir das Ganze eher in spielerischer Form an. Durch beispielsweise Basteln oder Brettspiele bekommen gerade die jüngeren Schüler eine Abwechslung vom reinen Lernen.“

Dabei kommen auch die im Juni gespendeten Samsung-Tablets zum Einsatz. Diese haben eine Lern- und Übersetzungssoftware mit der die Kommunikation und das Erreichen der gesetzten Lernziele erleichtert werden. Und für den Fall, dass die Sprachbarriere dafür doch zu hoch ist, besitzen einige Mitglieder im Kollegium fundierte Sprachkenntnisse und können als Dolmetscher einspringen.

Vorbereitungsklassen in Reilingen: Nachmittag spielerisch gestalten

Doch die beiden VKL-Klassen beinhalten noch viel mehr als nur das Lernen der deutschen Sprache, sie dienen auch auf sozialer Ebene der Integration. Seeber zeigt weitere Faktoren auf: „Es geht auch um das soziale Miteinander, das Einfügen in den Alltag in einem noch fremden Land und das Verarbeiten der erlebten Traumata. Manche der Kinder waren beispielsweise noch nie in der Schule und bräuchten eigentlich noch mehr Förderung. Auch für uns Lehrer ist es oft eine Herausforderung, doch der Dank und die Freude der Kinder und deren Familien sind es wert.“

Vor allem der Nachmittag sei für die Kinder wichtig, so Seeber weiter. Denn hier sind sie noch mehr auf sozialer Ebene eingebunden und dabei eine „Heimat zu finden“. Gerade deshalb schätzt Seeber das Jugendbegleiterprogramm als sehr wertvoll ein: „Für die Kinder sind die Nachmittage einfach wichtig. Wir sind froh, dass wir es anbieten können und sich mit Celine Misra und Miriam Schischko zwei hervorragende Betreuerinnen gefunden haben.“

Umso mehr schmerzt die Schule das baldige Ende von Schischkos Praktikum. Konrektorin Alexsandra Misra möchte die Stelle am liebsten nahtlos mit einer neuen Praktikantin ersetzen. Abschließend lobt diese noch die Arbeit von allen VKL-Beteiligten Lehrkräften: „Was die Lehrer und alle anderen hier leisten, ist einfach hervorragend. Es ist eine große Herausforderung, doch das immense Engagement ist einfach beeindruckend.“

Volontariat Volontär