AdUnit Billboard
Ecomobil-Gala

Der schnellste technologische Fortschritt

Von 
lh
Lesedauer: 
Der Schlossgarten bildet eine angemessene Kulisse für die in kleiner Runde abgehaltene Eröffnung der Ecomobil-Gala. © Norbert Lenhardt

Schwetzingen. Während viele der Ausstellungsstücke für die Classic-Gala im Schlossgarten gerade erst enthüllt werden und deshalb nur einigen ersten Blicken ausgesetzt sind, ist die parallel stattfindende Ecomobil-Gala bereits eröffnet. Auch dieses Jahr dreht sich alles um nachhaltige Antriebe für die Zukunft, doch auch darum, wie sie großflächig eingesetzt werden können. Veranstalter Wolfgang Gauf lobte in seiner Auftaktrede die Zusammenarbeit mit der Stadt Schwetzingen und zeigte sich erfreut über den Umstand, dass die Gala für umweltfreundliche Mobilität wieder im Schlossgarten stattfinden kann und somit erneut in die ASC-Classic-Gala integriert ist. „Das war 2020 nur eine Corona-bedingte Notlösung, doch wenn ich mich hier im schönen Schlossgarten umsehe, dann haben wir aus dieser Not eine Tugend gemacht“, so Gauf. „Corona beschleunigt neben all den negativen Auswirkungen auch den technischen Wandel, wie wir hier spüren. Doch für all die Ideen, die aufkommen, muss es auch Impulse geben, wie man sie umsetzen kann“, führte er weiter aus.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Oberbürgermeister Dr. René Pöltl verwies in seiner Rede darauf, wie unvorstellbar viele der bei der Gala gezeigten Möglichkeiten und Innovationen noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären. „Selbst im Vergleich zum vergangenen Jahr muss man von einer rasanten Entwicklung sprechen“, äußerte er. Damit spielt er auch auf eine persönliche Geschichte an, denn sein eigener Dienstwagen ist ein Elektroauto. „Als ich den bestellt habe, musste man mit einem Jahr Lieferzeit rechnen, da das Thema Elektromobilität noch viel weniger im Fokus stand“, erinnerte sich der Oberbürgermeister.

Zahlreiche Ladeplätze vor Ort

Das sei inzwischen anders, auch in Schwetzingen. „Wir haben inzwischen über 30 Ladeplätze für E-Autos in der Stand, einige sind Schnellladestationen. Die Mobilitätswende ist ein gesamtgesellschaftliches Thema, das wir auch auf kommunaler Ebene angehen müssen. Ich hoffe, dass das in Zukunft auch durch Projekte und Fördermittel möglich sein wird.“ Pöltl und Bundestagsabgeordneter Olav Gutting (CDU), der ebenfalls vor Ort war, waren sich in ihren jeweiligen Redebeiträgen einig, dass eine Mobilitätswende den Individualverkehr nicht außen vor lassen könne, weshalb die beide die Ecomobil-Gala sehr schätzten. „Wir haben nicht nur städtischen Raum, sondern auch ländliche Gegenden und für diese müssen wir einen sauberen Individualverkehr möglich machen“, so Gutting. Wolfgang Gauf zeigte sich sehr dankbar für die vielen Partner, die die Gala inhaltlich mitgestalten. Dabei betonte er auch die Wichtigkeit der Infrastruktur, die für umweltfreundliches Autofahren unabdingbar sei. Aus diesem Grund seien auch Energiebetriebe wie die MVV oder ein Unternehmen wie die Telekom mit Ständen bei der Ecomobil-Gala vertreten, denn das Thema umweltfreundlicher Verkehr ende nicht beim Antrieb selbst.

Trotzdem stehen die unterschiedlichen Modelle, wie Autos unter ökologischen Gesichtspunkten betrieben werden können, immer noch im Vordergrund der Gala. Zu diesem Thema äußerte sich auch Prof. Dr. Maximilian Fichtner vom Helmholtz-Institut Ulm während der offiziellen Eröffnung. „Es gibt viele verschiedene Antriebsmöglichkeiten, als Beispiel könnte man den Wasserstoff nennen. Und sie haben unterschiedliches Potenzial für die Nutzung im Pkw“, erklärte der Schwetzinger. Allerdings seien viele Menschen zu dem Themenkomplex nicht ausreichend informiert. „Oftmals haben sich Gegner von nachhaltiger Mobilität ihre Meinung aufgrund des Forschungsstands von vor zehn Jahren gebildet. Da muss sich ändern, denn es ist das Technologiefeld mit dem schnellsten Fortschritt, die mir bekannt ist.“

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Angebot wird ständig größer

Doch es sind nicht nur die Motoren, die vielseitig sind, auch die Fahrzeuge selbst würden vielfältiger, erläuterte Wolfgang Gauf. „Die Breite an Möglichkeiten heutzutage, ist wirklich beeindruckend. Ob es nun kleinere Fahrzeuge für die private Nutzung in der Stadt sind oder ein elektrisch betriebener Lieferwagen, das Angebot wird ständig größer.“

Mehr zum Thema

Classic-Gala

Eine Reise durch mehr als ein Jahrhundert Auto im Schlossgarten

Veröffentlicht
Von
Lukas Heylmann
Mehr erfahren
Ecomobil-Gala

Blick in die Vergangenheit bei der Ecomobil-Gala in Schwetzingen

Veröffentlicht
Von
Lukas Heylmann
Mehr erfahren
Classic-Gala und Ecomobil-Gala

Erstmals ist ein „Maikäfer“ im Schlossgarten Schwetzingen dabei

Veröffentlicht
Von
Volker Widdrat
Mehr erfahren
Schlossgarten Schwetzingen

Bereifte Vorfreude

Veröffentlicht
Von
kaba
Mehr erfahren
Hochwasserkatastrophe

Jürgen Desch zieht "versunkene" Oldtimer aus dem Ahrtal

Veröffentlicht
Von
Michael Wiegand
Mehr erfahren
Erstes September-Wochenende

Ecomobil-Gala in Schwetzingen: Hier gibt es die Antriebe für die Zukunft

Veröffentlicht
Von
zg
Mehr erfahren
Schlossgarten

Schwetzinger Schlossgarten wird zum Paradies für Oldtimerliebhaber

Veröffentlicht
Von
zg
Mehr erfahren
Schwetzingen

Gala rund um das Automobil im Schlossgarten hat begonnen

Veröffentlicht
Von
Lukas Heylmann
Mehr erfahren

Thema : Aus dem Schlossgarten Schwetzingen

  • Schwetzingen Verwandlungen in faszinierender Vielfalt

    Zur Vernissage der 6. Garten-Ausstellung mit dem Titel „Transformation“ lud die Künstlerinitiative Schwetzingen (KIS) in die Orangerie im Schlossgarten ein. 15 Künstler zeigen derzeit Grafik, Malerei, Paper Art, Fotografie, Skulptur, Objektkunst und Installationen. Die über hundert Exponate sind zu großen Teilen während der Corona-Pandemie 2020 und 2021 entstanden. Dabei sind die KIS-Mitglieder Tom Feritsch, Traudel Hagmann, Florian T. Franke von Krogh, Jörg Künkel, Oliver Mezger, Jessen Oestergaard, Karin Posmyk, Karin Schmiedebach, Matthias Schöner, Josef Walch, Karin Weinmann-Abel und Felicitas Wiest sowie die Gäste Anna Bludau-Hary, Hannah Moser und Kathrin Schneider. {element} Jessen Oestergaard begrüßte die weit mehr als 100 Besucher bei sonnigem Spätsommerwetter vor der Orangerie und stellte die Künstler anhand ihrer eigenen Angaben zu Wirken und Werk in Stichworten vor. Zur Einführung in das Thema Transformation schlug Professor Walch einen großen kunsthistorischen Bogen von Voltaire über Rilke und Beuys bis zu HAP Grieshaber. Pandemie treibt um {furtherread} Transformation, so stellt sich in der Ausstellung heraus, hat in den Augen der Künstler zwei Komponenten. Zum einen geht es um den künstlerischen Prozess an sich – von der Idee zur Umsetzung und schließlich Fertigstellung des Kunstwerks. Zum anderen treibt die Künstler die Corona-Pandemie mit all ihren individuellen und gesellschaftlichen Veränderungen um. Deutlich tritt dies bei Florian Till Franke von Krogh heraus, der mit bekannter Technik und stets leuchtender Farbigkeit in Gelb-Orange die Bedrohung und auch Flucht vor Corona ins Bild setzt. Dem kann selbst der Kurfürst nicht entgehen. Auch bei Felicitas Wiest wird das Thema verarbeitet. Sie hat in den vergangenen Monaten durch lange Spaziergänge den Wald für sich neu entdeckt und weist mit ihren Drucken, kombiniert mit Frottagen auf die Schutzwürdigkeit der Natur hin. Die Keramikerin Traudel Hagmann, gestresst und entmutigt vom Virus, hat zu neuer Energie gefunden: Sie formt im wahren Sinne des Wortes Kronen. Diese sollen jedoch im kontinuierlichen Werden und Vergehen der Natur verschwinden und von neuen Blüten überlagert werden Schwere Zeiten hat Tom Feritsch hinter sich gelassen und nach einer Pause sein künstlerisches Werk wieder neu begonnen. Aus Ton formt er nun, eher spontan als konzipiert und konstruiert, Spiralen, Wellen und Halbkreise. „Das Material“, so erläutert er, „ist für mich seit 1984 immer noch unerschöpflich. Man kann damit wunderbare malerische Effekte erzielen“. Ihre Wirkung entfalten die Objekte im Stehen und im Liegen, aus unterschiedlichen Perspektiven gleichermaßen. Karin Schmiedebach präsentiert ein Exponat, das Anregungen gibt zur Bewältigung auch schwieriger Phasen im Leben. Sie zeigt den Kopf der Göttin Athene in strahlend weißem Marmor, reduziert -markant und meint: „Athene ist die Göttin der Weisheit, der Strategie und des Kampfes. Intelligenz ist ihr wichtiger als brutale Konflikte. Das sind Schlüsselqualifikationen für heute“. Oliver Mezger, Architekt und Fotograf, nutzt die unbelebten Bahnhöfe zu später Stunde für seine Digitalfotografien. Nachtaufnahmen von menschengemachten Bahnsteigen werden überlagert von bunten Blumenbildern aus der Natur und schaffen ein ganz neues Seh-Erlebnis – Träume, Wünsche oder nur Fehlinterpretationen? Werk von viereinhalb Meter Höhe Interpretationen können nie falsch sein, meint Lons alias Jörg Künkel. Er arbeitet lange, manchmal Jahre an einem Bild und will dabei nichts abbilden: „Stimmungen und Assoziationen können meine Farbstudien hervorrufen“. Inhalte liefert er erst mal nicht. Jeder ist frei, sich in seine großen blauen Werke zu vertiefen. Karin Posmyks Werk übertrifft mit knapp viereinhalb Metern Höhe alle anderen Exponate. Universell ist ihr Thema, groß das Format. Sie malt Kartoffelschalen, als Symbol für den Hunger – in vergangenen Kriegen, wie auch heute noch immer. Die Ausstellung ist facettenreich und vielschichtig. Jessen Oestergaard zeigt düstere Fotos des Krieges in Kombination mit Schattenfotografien, Josef Walch dagegen inszeniert seine farbenfrohen Papierkunstarbeiten neu vor dem Hintergrund von ornamentalen Fotodrucken. Karin Weinmann-Abel ist mit einer Collage aus glänzenden Plastikverpackungen dabei. Ein Gewinn sind die Gäste der KIS: Anna Bludau-Hary präsentiert fragile transluzente Objekte aus japanischem Papier, die individuell auf jeden Raum abgestimmt werden können. Kathrin Schneider malt lasierend mit vielen Schichten ab-strakte Räume im Wechselspiel zwischen Enge und Weite. Die Dritte im Bunde ist die Hannah Moser, die hier ihre komplexen Fotografien mit Spiegelungen des Rheins und der Feste Ehrenbreitstein zeigt. Info: Mehr Fotos gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

    Mehr erfahren
  • Schwetzingen Salat statt Blütenpracht: Finanzstaatssekretärin gibt Startschuss im Schlossgarten

    Für die Besucher wird es eine Umstellung: Auf ihr gewohntes Bild der dekorativen Blütenpracht am Eingang des Schwetzinger Schlossgartens werden sie vorerst verzichten müssen. Stattdessen gibt’s Feldsalat. Was im ersten Moment wie ein Aprilscherz klingt, ist eine ökologisch notwendige Maßnahme, um den Boden der Beete zu retten. Die Blumenpracht im Schwetzinger Schlossgarten ist mit ihren bunten Farben und künstlerischer Anordnung ein wahrer Besuchermagnet. Doch hinter der schönen Fassade bröckelt es – oder genauer gesagt: in der Erde. Schon länger kämpfen die Schlossgärtner mit den Folgen des Klimawandels: kranke Bäume, Trockenheit und nun eben auch die Blumenrabatten. Deren Humusschicht leidet seit einigen Jahren unter der Monokultur und ist von Schadpilzen befallen. Außerdem seien die Phosphat- und pH-Werte zu hoch. {element} Gisela Splett, Baden-Württembergs Staatssekretärin für Finanzen (Bündnis 90/Die Grünen), gab am Mittwochnachmittag den Startschuss für die nachhaltige Bodensanierung und zögerte nicht, sich selbst die Hände schmutzig zu machen. Splett studierte Geoökologie mit dem Hauptfach Bodenkunde, ist ehemaliges Mitglied des Umweltausschusses und arbeitete bereits in mehreren Naturschutzprojekten mit. Sie säte symbolisch Feldsalat. In der Historie verankert {furtherread} Richtig los geht die Sanierung des Bodens um den 20. September, bis dahin haben Besucher also noch Zeit, die Blütenpracht zu bestaunen. Danach legen Professor Dr. Hartmut Troll und die Gärtnerei los: „Alles kommt raus und stattdessen kommt eine Zwischenkultur aus Feldsalat“, berichtet der Gartenchef. „Wir knüpfen hier an eine Tradition an – an das Organische und Biologische“, so Troll. Ein Rückblick in die Geschichte zeigt nämlich, dass die Blumenrabatten im 18. Jahrhundert nur dann hübsch bepflanzt waren, wenn der Kurfürst anwesend war. Den Rest der Zeit konnte sich die Erde erholen. Heutzutage sieht das anders aus: Besucher strömen das ganze Jahr über in den historischen Garten, da bleibt keine Zeit für Erholung. Doch genau die wird jetzt benötigt, betont auch Gisela Splett: „Wir haben festgestellt, dass die Böden dringend eine Erholung brauchen. Und deshalb wird diesmal nicht die Frühjahrsblüte wie Tulpen und Narzissen vorbereitet, sondern Feldsalat gesät, damit sich die Böden regenerieren können.“ Im Mai 2022 weicht der Feldsalat dann wieder der gewohnten Sommerblüte. Bis dahin soll sich der Boden mit Hilfe des Grüns und Pflanzenkohle auf ökologisch nachhaltige Weise erholen können, damit gesunde und fruchtbare Pflanzen sprießen. Immer im Frühjahr und Herbst werden die Blumenrabatten jeweils mit der Sommer- oder Winterflor bepflanzt. Ein gesunder Humus ist besonders wichtig, damit Pflanzen sich nachhaltig gesund entwickeln können und der Boden fruchtbar bleibt. Ökosystem und Aura Für den Schlossgarten Schwetzingen wurden laut Splett auf Wunsch der Landtagsfraktionen zusätzliche finanzielle Mittel bereitgestellt, um ihn „für den Klimawandel fit zu machen“. Diese natürliche Bodensanierung gehört zu einem breiten Maßnahmenpaket, von dem zum Beispiel auch die durch den Klimawandel verursachten Baumschäden finanziert werden. Auf welche Höhe sich die Kosten genau belaufen, ist nicht bekannt. Allerdings werden sie nicht sehr hoch erwartet, da die Frühjahrsblüten ausfallen. Inwieweit diese Maßnahme aus natürlichen Mitteln langfristig hält, wird sich nächstes Jahr zeigen. Man habe lange diskutiert, in welcher Form und auf welche Dauer diese sogenannte Gründüngung durchgeführt werden kann, um trotzdem den Besuchern ein tolles Erlebnis zu ermöglichen. „Ein Garten ist ein Ökosystem und muss erhalten werden – und auch seine besondere Aura“, erklärt Frank Krawczyk, Pressesprecher der Staatlichen Schlösser und Gärten. „Wir haben hier mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen und dafür müssen wir unsere Gäste sensibilisieren und für Akzeptanz werben.“ Ohne diese Maßnahmen könnten die Blumenrabatten auf Dauer nicht gesund erhalten bleiben. Fraglich ist, ob der Boden in Zukunft in regelmäßigen Abständen saniert werden muss oder ob diese Sanierung für längere Dauer reicht. Das wird sich zeigen. Falls sich jemand fragt, ob der Feldsalat dann künftig die Speisekarte der Schlossgastronomie bereichert, dem sei erklärt, dass das Gewächs in den Boden eingearbeitet wird und nicht auf den Tisch kommt. Ein paar „Parkgäste“ dürften sich jedoch über die neue Rabattenbegrünung freuen und davon profitieren: Gegen frischen Salat hat der ein oder andere Hase sicher nichts einzuwenden . . .

    Mehr erfahren
  • Schwetzingen Schwetzinger Künstlerinitiative KIS präsentiert „gARTen 6“

    Mit bisher fünf Ausstellungen „gARTen“ in der Orangerie des Schlossgartens Schwetzingen, die, im Biennale-Rhythmus veranstaltet, ein jeweils anderes Thema hatten, rief die Künstlerinitiative Schwetzingen (KIS) vor zwölf Jahren ein inzwischen äußerst erfolgreiches Format ins Leben. Am Sonntag, 12. September, wird nun die „gARTen 6“ unter dem Thema „Kunst und Transformation“ eröffnet. 15 Kunstschaffende, KIS-Mitglieder und eingeladene Gäste nehmen daran teil. Malerei, Grafik, Paper-Art, Fotografie, Skulptur, Objekt und Installation sind die künstlerischen Medien, die bis zum Sonntag, 26. September, zu sehen sein werden. Transformationsprozesse hat es in der Geschichte der Kunst und Kultur auf dem Hintergrund gesellschaftlicher, politischer, sozialer und wissenschaftlicher Ereignisse und Veränderungsprozessen viele gegeben, insbesondere vom Übergang des Mittelalters zu Renaissance bis zur Kunst des 20. Jahrhunderts. Was Transformation dabei bedeuten kann, formulierte Paul Klee exemplarisch mit dem Satz „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Beschäftigung mit dem Wachstum und der Morphologie von Pflanzen nehmen im Schaffen Klees einen breiten Raum ein, er bezeichnete seine Arbeit als „Zwiesprache mit der Natur“ und sah seine Rolle als Künstler als „Mensch, selbst Natur und ein Stück Natur im Raume der Natur“, eine Aussage, mit der sich sicher die Künstler der Ausstellung in der Orangerie identifizieren können. Erinnerung an Beuys {element} Klees Baumstudien führten zu einer Vielfalt von Bildfindungen, in denen die dargestellten Bäume dem Betrachter als anthropomorphe Wesen gegenübertreten. Das wohl bedeutendste Projekt im Kontext von Kunst und Transformation in der Moderne hat Joseph Beuys, dessen 100. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern, innerhalb der documenta 7 1982 entwickelt. Es ist das Projekt „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“, in dessen Rahmen er 7000 Eichen in Kassel pflanzte, neben denen jeweils ein Basaltstein steht. Beuys selbst sagt dazu: „Ich wollte ganz nach draußen gehen und einen symbolischen Beginn machen für Unternehmen, das Leben der Menschen zu regenerieren innerhalb des Körpers der menschlichen Gesellschaft und um eine positive Zukunft in diesem Zusammenhang vorzubereiten.“ {furtherread} Tom Feritsch, Traudel Hagmann, Florian T. Franke von Krogh, Jörg Künkel, Oliver Metzger, Jessen Oestergaard, Karin Posmyk, Karin Schmiedebach, Matthias Schöner, Josef Walch, Karin Weinmann-Abel, Felicitas Wiest, Anna Bludau-Hary, Hannah Moser und Kathrin Schneider sind die Ausstellenden, deren Arbeiten sowohl auf der Ebene formaler Aspekte, als auch auf inhaltlicher Ebene und in der Auseinandersetzung mit dem künstlerischen die Möglichkeiten von Transformationsprozessen vermitteln. Alle Arbeiten, die gezeigt werden, sind 2020/2021 entstanden. Bedeutung der Kartoffelschalen Der Fotograf Jessen Oestergaard präsentiert seine inzwischen weit über die Region hinaus bekannten Fotoarbeiten auf der Grundlage von kleinformatigen Sofortbildern, die bearbeitet und in große Formate übertragen werden. So auch die Arbeiten aus dem Zyklus „Gefangene“, die sich als Serie mit dem Ersten Weltkrieg auseinandersetzen. In die für den Betrachter zunächst nicht sichtbaren Teile des Polaroidbildes werden Kriegsbilder aus historischen Bildenzyklopädien des Ersten Weltkrieges einmontiert und mit eher zufällig aufgenommenen Schattenbildern kombiniert. Die Bildhauerin Karin Schmiedebach nimmt in ihrem Helmkopf aus Marmor mit dem Titel „Athene“ ein Motiv der griechischen Antike auf und befragt es nach aktuellen Bezügen: Athena, die Göttin der Weisheit, der Strategie, der Kunst und des Kampfes, deren Geschick vor allem aber auch darin bestand, Kriege zu vermeiden. Eine großformatige Stilllebenmalerei von Karin Posmyk mit dem Titel „Potatoes peeling“ (Kartoffelschalen) spielt auf der einen Seite auf die Vergänglichkeit der Dinge an. Viele, vor allem ältere Menschen, erinnern sich aber auch daran, welche Bedeutung Kartoffelschalen in Zeiten von Lebensmittelknappheit und -mangel, so nach dem Krieg hatten, und mehr als Abfall waren. Dass sich in den Formen der Schalen Formen und Bildzeichen entdecken lassen, spielt auf die Bedeutung des Zufalls in künstlerischen Transformationsprozessen an. Josef Walch zeigt neue Variationen seiner Paper-Art-Arbeiten, die aus flüssiger Papiermasse bestehen, die – teilweise eingefärbt – gegossen und geschöpft wird, ein Material, so der Künstler, „das flüssig ist wie Farbe, leicht wie Luft, beweglich und stabil, das jede gewünschte Form annehmen kann“. Naturformen und historische Abbildungen von Pflanzen sind dabei wichtige Anregungen für den Künstler. Gerade die hinter uns liegende und vielleicht auch vor uns liegende Zeit der Pandemie hat schlagartig die existenzielle Bedeutung von Kunst, Musik, Literatur, Bildende Kunst und Tanz zum Ausdruck gebracht, darüber herrscht nicht unter den KIS-Künstlern ein breites Einverständnis. Gerade weil Kunst, wie es Peter F. Schmid zum Ausdruck bringt, „Fragen stellt nach dem Leben und seiner Gestaltung in verdichteter, eindringlicher, oft provozierender Form. Sie vermittelt eine Gegenerfahrung, die eine Gegenerfahrung zum Bekannten und Gewohnten hervorruft“ ist sie so wichtig. Dabei ist aber auch vor allem das Gespräch mit den Betrachtern, den Besuchern der Ausstellung für die Künstler von großer Bedeutung. Sowohl die Vernissage als auch die Finissage der Ausstellung am 12. und 26. September, jeweils um 11 Uhr in der Orangerie, dazu ein Künstlergespräch am Sonntag, 19. September, um 11 Uhr bieten hierfür Möglichkeiten.

    Mehr erfahren
AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1