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Dürre

Dramatische Lage im Schlossgarten Schwetzingen: Trockenster Sommer aller Zeiten

Auch wenn der September regnerisch erscheint: Der Schlossgarten in Schwetzingen hat den niederschlagärmsten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen hinter sich.

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Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg
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Hier ist die Moschee im Schwetzinger Schlossgarten zu sehen – vom Merkurtempel aus. © Günther Bayerl

Schwetzingen. Seit den 1940er Jahren werden die Niederschläge im Schlossgarten in Schwetzingen gemessen. Die trockensten Sommer waren bisher in den Jahren 2003, 2018 und 2019. In diesen Extremjahren wurden nur 40 bis 50 Prozent des sonst durchschnittlichen Niederschlags in den Monaten Juli und August gemessen. 2022 ist dieser Wert mit 8,5 Prozent noch einmal drastisch gesunken. Damit hat der Schlossgarten in Schwetzingen den niederschlagärmsten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt.

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Mit Blick auf den Klimawandel sagt Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg: „Die Lage ist sehr ernst. Nicht zuletzt dieser Sommer hat gezeigt, wie sehr der Klimawandel die historischen Parks und Gärten im Land bedroht – die aktuellen Zahlen aus Schwetzingen machen dies noch einmal deutlich.“ Umso wichtiger sei es, jetzt nicht nachzulassen: „Wenn wir unsere innovativen Initiativen und Pflegeansätze gegen die Folgen des Klimawandels fortsetzen, wird es gelingen, die Parks und Gärten des Landes für künftige Generationen zu bewahren“, blickt Michael Hörrmann optimistisch nach vorn. Zugleich räumt er ein: „Unsere Bemühungen werden in Zukunft wohl noch aufwändiger und noch mehr Personal und Kosten erforderlich machen.“

Schlossgarten Schwetzingen: Dürresommer häufen sich

Die Aufzeichnungen des Schwetzinger Schlossgartens zu den Niederschlagsmengen zeigen: Die Dürresommer häufen sich in den letzten beiden Jahrzehnten. „Die ersten niederschlagsarmen Jahre im Schlossgarten Schwetzingen gab es in den 1940er und 1950er Jahren“, sagt Professor Dr. Hartmut Troll, Gartenkonservator bei den Staatlichen Schlössern und Gärten. Der erste „Dürresommer“ war vor knapp 20 Jahren: 2003 regnete es im Juli und August insgesamt nur 57 Millimeter.

Hier werden neue Kastanien im Schwetzinger Schlossgarten angepflanzt. © Hanna Nimmenich

2018 und 2019 folgten zwei weitere, sehr niederschlagsarme Sommer: 2018 wurden im Juli und August insgesamt 70 Millimeter gemessen, 2019 zeichnete man 60 Millimeter Niederschlag auf. Auch 2020 war ein trockener Sommer mit insgesamt 85 Millimeter Niederschlag. 2021 gab es mehr Niederschlag: Im Juli und August 2021 regnete es in Summe 170 Millimeter. 2022 dann ein neuer Negativrekord: 7,9 Millimeter Niederschlag im Juli, 4 Millimeter Niederschlag im August – die beiden niedrigsten Werte, die bisher gemessen wurden. „Mit insgesamt knapp 12 Millimeter Niederschlag im Juli und August ist 2022 der trockenste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen“, stellt Professor Dr. Hartmut Troll fest.

Schlossgarten Schwetzingen: Gewässer drohen zu kippen

Der Klimawandel hat unmittelbare Folgen für den Schlossgarten Schwetzingen. So ist bei anhaltender Trockenheit und steigenden Wassertemperaturen in langsam fließenden und stehenden Gewässern ein verstärktes Algenwachstum und eine sogenannte Verkrautung festzustellen. „Grüne Algenteppiche führen zu einer erheblichen Verschlechterung der Wasserqualität“, erläutert Gerhard Raab vom Bereich Objektmanagement und Historische Gärten. Die Folge: „Die Gefahr, dass Gewässer ‚kippen‘, nimmt zu.“ Mehr Algen bedeuten, dass der Sauerstoffgehalt der Gewässer abnimmt – und das kann wiederum dazu führen, dass Fische sterben.

Um diesem Szenario entgegenzuwirken, haben die Schwetzinger Schlossgärtnerinnen und -gärtner bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen. So wird mit sogenannten Krautschneidebooten ein- bis zweimal im Jahr eine „Sohlentkrautung“ durchgeführt, das heißt: Krautige Wasserpflanzen werden abgeschnitten und entnommen. Dadurch wird der Sauerstoffgehalt der Gewässer verbessert, denn: Abbauprozesse im Wasser, die Sauerstoff binden, werden verringert.

Schwetzingen: „Mähaktion“ in Schlossgarten-Gewässern

Übrigens: Die Gewässer im Schlossgarten haben eine Fläche von zirka 50.000 Quadratmeter. „Die ‚Mähaktion‘, die eine Spezialfirma durchführt, dauert daher vier bis fünf Tage“, rechnet Gerhard Raab vor. Um die Wasservegetation zurückzudrängen und die Gewässer wieder auf ihre ursprüngliche Tiefe zu bringen, muss in einzelnen Gewässern wie dem Großen Weiher immer wieder Schlamm entnommen werden. „Das ist sehr kostenintensiv“, sagt Gerhard Raab. „Trotzdem muss die Maßnahme mit Blick auf den Klimawandel in nächster Zeit wiederholt werden.“ Die letzte Entschlammung des Großen Weihers erfolgte Ende der 1980er Jahre.

Dürre im Schlossgarten Schwetzingen: Mehr Karpfen, mehr Sauerstoff

Damit die Wasserqualität der Schlossgarten-Gewässer im grünen Bereich bleibt, werden weitere Maßnahmen ergriffen: Führt der Leimbach zu wenig Wasser, wird Frischwasser, das mit Sauerstoff angereichert ist, zugeleitet. Zudem werden Sauerstoffgehalt und Temperatur der Gewässer engmaschig kontrolliert. „Bei Bedarf wälzen wir das Wasser mit einem Teichbelüftungsgerät um und reichern es dabei mit Sauerstoff an“, erklärt Gerhard Raab. Die Fischbestände in den Gewässern des Schlossgartens werden nicht nur genau erfasst; die Gewässer werden beim sogenannten Hegefischen auch regelmäßig gezielt befischt.

Zudem sollen vermehrt sogenannte gründelnde Fische wie Karpfen eingesetzt werden. „Wenn Fische das Wasser aufwirbeln, gelangt weniger Sonnenlicht an den Grund, wodurch sich wiederum weniger Wasserpflanzen bilden“, erläutert Gerhard Raab. Schließlich dürfen Wasservögel und Fische im Schlossgarten nicht gefüttert werden – zum Schutz der Tiere, aber auch wegen der Wasserqualität. Denn die Fütterung mit Brotabfällen und daraus vermehrter Tierkot und Brotreste führen dazu, dass das Wasser mit zusätzlichen Nährstoffen und Krankheitskeimen angereichert wird.

Maßnahmen gegen Dürre im Schlossgarten Schwetzingen: Bessere Böden und „Vitaminkuren“

Ein weiteres Ziel ist es, die Bodenqualität im Schlossgarten Schwetzingen zu verbessern: Die Böden sollen mit weniger Wasser zurechtkommen und Nährstoffe und Wasser besser speichern können. So werden mit großem Aufwand die Standorte der Bäume und das Bodenleben verbessert, wobei alte Bäume hier im Fokus stehen: 70 bis 90 Zentimeter tiefe Bohrlöcher werden mit besonders fruchtbarer und mit Pflanzenkohle angereicherter Schwarzerde und Kompostextrakt aufgefüllt.

Die Pflanzenkohle kann aufgrund ihrer größeren Oberfläche mehr Nährstoffe und Wasser binden und diese über einen längeren Zeitraum speichern und an die Baumwurzeln abgeben. Einzelne, besonders geschädigte Bäume bekommen eine Art „Vitaminkur“. Dazu erläutert Professor Dr. Hartmut Troll: „Dreimal im Jahr wird unseren ‚Intensivpatienten‘ ein biologisch-homöopathisches Pflanzenmittel verabreicht, um ihre Vitalität zu stärken.“

Vielfältige und innovative Bewässerung gegen Dürre im Schwetzinger Schlossgarten

Infolge des Klimawandels müssen die historischen Gärten und Parks in den Sommermonaten mehr als bisher bewässert werden. Im Schlossgarten Schwetzingen gießen Fachfirmen und Schlossgärtner alle zwei Wochen oder wie aktuell wöchentlich die Alleen, die Bäume im Obstgarten sowie die Hainbuchenhecken in den Boskettbereichen. Hierfür nutzen sie Fasswägen, in die 6.000 bis 7.000 Liter Wasser passen.

Bei den geschnittenen Formhecken kommt auch die sogenannte Tröpfchenbewässerung zum Einsatz. „Hierfür werden kilometerweise Tropfschläuche mit kleinen Löchern verlegt, über die nur geringe, gut dosierbare Wassermengen abgegeben werden“, erläutert Gerhard Raab die ressourcensparende Technik. Dagegen müssen die rund 500 Kübelpflanzen teilweise zweimal täglich bewässert werden, auch an den Wochenenden.

Schwetzinger Schlossgarten: Dürre durch schonende Bewässerung bekämpfen

Große Teilbereiche, etwa des Englischen Gartens, können gar nicht bewässert werden. „Hier werden nur wertvolle alte Bäume, die besonders viel Pflege brauchen, mit Fasswägen angesteuert. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Die Ressource Wasser ist endlich. Hinzu kommt, dass aus offenen Gewässern kein Wasser entnommen werden darf. So muss sich die Schlossgärtnerei beim Wassermanagement eng mit den im Schlossgarten beschäftigten Fachfirmen abstimmen. Dies führt zu hohem logistischem Aufwand, da aufgrund der beschränkten Wassermengen aus der Eigenwasserversorgung nur abschnittsweise gewässert werden kann.

Um Wasser und Strom zu sparen, wurde die Zeitspanne, in der die Wasserspiele im Schlossgarten laufen, bereits verkürzt. Trotzdem müssen die Wasserbecken und -brunnen bei hohen sommerlichen Temperaturen häufiger gereinigt werden, da sich vermehrt Algen bilden. „In den vergangenen Wochen mussten wir die Brunnen und Becken alle zwei bis drei Wochen ablassen, auskratzen und ausspülen“, blickt Gerhard Raab zurück. Auch hier zeigt sich: Aufwand und Kosten zum Schutz und Erhalt des Schwetzinger Schlossgartens nehmen zu.

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