Reaktionen

Geothermie in der Region: Reichlich Stoff für Zoff

Das Thema um die laufenden 3D-Seismik-Messungen in der Region um Schwetzingen und ihre Folgen hat an Dynamik gewonnen, verliert aber auch deutlich an Sachlichkeit.

Von 
Joachim Klaehn
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Die grüne Fläche zeigt den Bereich, in dem die Messungen schon abgeschlossen sind. © Geohardt

Region. Es hatte sich bereits Anfang Oktober angekündigt, dass die Geothermie-Pläne in der hiesigen Metropolregion zunehmend Kontur gewinnen. Das gilt insbesondere für die sieben Kommunen Mannheim, Brühl, Ketsch, Schwetzingen, Plankstadt, Heidelberg und Oftersheim, in denen in Zukunft 160 Grad heiße Quellen in bis zu 3500 Metern Tiefe angezapft werden sollen.

Noch ist es nicht so weit, noch befindet sich das Projekt der Geohardt GmbH, ein Joint-Venture der Energieunternehmen MVV und EnBW, im Erststadium der Voruntersuchung. Doch seit die beiden Kolonnen des Dienstleisters DTM mit ihren Vibrotrucks das insgesamt 7000 Hektar große Gebiet durchkämmen (wir berichteten), um 3D-Seismik-Messungen durchzuführen, ist die Aufregung bei den Bürgern groß.

Die grüne Fläche zeigt den Bereich, in dem die Messungen schon abgeschlossen sind.

Erste Beschwerden gab es in Oftersheim - dort kritisierten Anwohner im „Musebrotviertel“, dass sie nicht vorinformiert wurden. Einige hatten Flyer von Geohardt im Vorfeld erhalten, andere nicht. Ilse Jaeger, eine 80-jährige Dame, hatte von gesundheitlichen Problemen berichtet (Ausgabe vom 18. Januar). Gisela Plieger-Fischer war im Ortskern aus ihrem Wohnzimmer heraus ein Schnappschuss von den Vibrationsfahrzeugen gelungen. „Es hörte sich an, als ob Panzer vorbeifahren würden“, erzählte sie. Ihre 88-jährige Mama habe gedacht, sie „hätte einen Herzinfarkt gekriegt“.

In Schwetzingen hatten sich Gerti und Peter Miehle geschockt gemeldet: „Das war wie ein Erdbeben“. Im Schälzigweg zeigten und dokumentierten sie mehrere Risse und Putzschäden an den Wänden ihrer Wohnung (SZ vom 24. Januar). In Plankstadt vermochte die Kommune prophylaktisch Teile des Ortszentrums wegen derzeitiger Sanierungsarbeiten von alten Trinkwasserleitungen für Messungen zu blockieren.

Werner Müller aus Landau schreibt der Redaktion und bezieht das Ehepaar Miehle gleich mit ein: „Wir in Landau haben schon einiges erleben müssen. Unser Rat an die Geschädigten: Keine schnellen Lösungen anstreben. Auf jeden Fall einen neutralen, unabhängigen Sachverständigen, der Erfahrung mit Erdbeben besitzt, einschalten. Vorsicht ist geboten, wenn der Verursacher Sachverständige sendet oder empfiehlt. Auf jeden Fall sollten Gipsmarken über den Riss angebracht und mit der aktuellen Tageszeitung fotografiert werden. Eventuell können sich die Risse verstärken.“

Vernunft versus Hysterie

Landau, Staufen im Breisgau, Brühl, Vendenheim bei Straßburg, all dies sind Orte, die aus unterschiedlichen Gründen Kritiker von Geothermie (Erdwärme) auf den Plan riefen.

Die Diskussion bekommt gerade in den Sozialen Medien mehr und mehr Dynamik. Hier ist indes Vorsicht geboten. Die Bandbreite an Kommentaren sowie die Spaltung, was Hysterie, Sachlichkeit, Kenntnisse, Betroffenheit und eigenes Erleben anbetrifft, ist unübersehbar und leider nicht immer konstruktiv. Befürworter der Energiewende treffen auf Bedenkenträger, Kritiker und Fundamentalisten. „Das kann nicht gesund sein, weder für Mensch noch Tier und für die Gebäude auch nicht“, schreibt eine Nutzerin auf unserer Facebook-Seite. „Geothermie gerne, aber nicht in stark besiedelten Flächen wie in Deutschland“, so ein anderer. Die Energiewende werde „übers Knie gebrochen“, kommentiert ein weiterer Schreiber.

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Der Oftersheimer Bürgermeister Pascal Seidel betätigt sich im Netz als Mediator und Moderator. „Ich rate zum konstruktiv-kritischen Mitwirken, aber auch zu verbaler Abrüstung“, reagiert Seidel und bekräftigt seine im SZ-Interview vom 25. Januar geäußerte Haltung.

Das Thema bleibt brisant - birgt geradezu reichlich Stoff für Zoff. Und Medien haben, nicht nur in Sachen Geothermie, über die Faktenlage zu berichten. Wahrheitsgetreu, ausgewogen und glaubwürdig.

Redaktion Seit Ewigkeiten im Mediengeschäft, seit Mai 2022 neuer Redakteur der Schwetzinger Zeitung. Reporter aus Passion - mit Allroundkompetenz. Bevorzugt menschliche Nähe sowie journalistische Distanz zur Sache.