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Landtag

Schwetzinger Theaterintendant spricht im Plenum des Landtages

Der CDU-Abgeordnete Andreas Sturm sorgt für ein Podium für den Appell des Schwetzinger Theaterintendanten Joerg Steve Mohr. Er hält eine souveräne Rede.

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zg/bu
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Souveräner Auftritt im Landtag von Baden-Württemberg: Der Schwetzinger Theatermacher Joerg Steve Mohr während seiner Rede im Plenum. © Busse

Stuttgart/Schwetzingen. Joerg Steve Mohr, der seit dem Jahr 2006 das „Theater am Puls“ in Schwetzingen erfolgreich leitet, hinterlässt auch auf der politischen Bühne einen glänzenden Eindruck: Am Mittwoch sprach der Theaterintendant, Diplom-Sozialpädagoge im Plenum des Landtags von Baden-Württemberg bei einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kunst zum Thema „Kunst und Kultur in Zeiten nach Corona“.

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Möglich gemacht hatte dies der hiesige Landtagsabgeordnete Andreas Sturm (CDU), der in seiner Funktion als Kulturpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Mohr eingeladen hatte. Sturm sagt: „Ich kenne das Theater am Puls im Bassermannhaus und schätze die exzellente Arbeit, die Joerg Steve Mohr mit seinem engagierten Team dort leistet. Mir ist es wichtig, dass man in Stuttgart nicht nur über diejenigen spricht, um die es geht, sondern mit ihnen. Nichts kann einen Bericht aus der täglichen Praxis ersetzen.“

Mohr machte zu Beginn seiner sechsminütigen Rede deutlich, dass er in einer Doppelfunktion auftrete, zum einen als Sprecher der Privat-theater AG Baden-Württembergs, zum anderen als Intendant eines 90-Platz-Theaters in Schwetzingen „Bisher ist unser Theater dank der unterschiedlichsten Hilfen gut durch die Pandemie gekommen. Auch wenn alle Theater trotz Pandemie – dank der Hilfsprogramme – wirtschaftlich keine roten Zahlen zum Jahresende 2021 geschrieben haben, gibt es Anhaltspunkte dafür, dass die Auswirkungen noch lange nicht überwunden sind. So haben sich die Zuschauerzahlen bei Weitem noch nicht wieder erholt. Die Auslastung liegt derzeit im Durchschnitt bei eher unter 50 Prozent, vor der Pandemie waren es 80 bis 100 Prozent“, sagt Mohr.

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Und weiter: „Die Privattheater arbeiteten bereits vor der Pandemie am wirtschaftlichen und auch sozialen Limit. Schon bei unserer Umfrage 2019 war die Situation wirklich prekär. Bereits da haben wir festgestellt, dass 800 000 Euro zur Finanzierung fehlen, um das politisch angestrebte Ziel der 2:1-Förderung für alle institutionell vom Land geförderten Theater zu realisieren. 2014 war da die letzte wirkliche Anpassung. Wenn nun also die Hilfsgelder auslaufen, die Auslastungszahlen sich aber nicht so schnell wieder erholen, dann stehen viele Privattheater vor existenziellen Schwierigkeiten.“

Aus seiner Sicht sei es daher notwendig, wieder auf eine Festbetragsförderung statt eine Fehlbedarfsförderung zu setzen, damit Rücklagen gebildet werden können. Ferner sollte das selbst gesetzte politische Ziel einer 2:1-Förderung erreicht und die Hilfsprogramme bis Ende 2023 verlängert werden, bis die Auswirkungen der Pandemie überwunden und frühere Auslastungszahlen wieder erreicht seien.

2:1-Förderung benötigt

Detailliert ging Joerg Steve Mohr auf die Situation des „Theaters am Puls“ in Schwetzingen ein: „Noch im letzten Jahr lag der Zuschuss seitens der Stadt bei 131 000 Euro, das Theaterhaus können wir mietfrei nutzen. Wir bekommen zwar ab 2022 noch nicht die benötigte 2:1-Förderung, die wir dringend auch ohne Pandemie bräuchten – das wären in unserem Fall 65 000 Euro Landesförderung – aber dennoch bin ich natürlich sehr dankbar, dass wir dieses Jahr eine Erhöhung von 15 000 Euro auf jetzt 35 000 Euro erhalten haben“, so der Theatermacher. Das Programm des Theaters umfasse rund 15 laufende Eigenproduktionen sowie Gastspiele, jährlich gebe es fünf bis sechs Premieren.

Mohr sagt: „Wir haben kein festes Ensemble, sondern arbeiten mit unterschiedlichen Gästen aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Neben dem Freundeskreis, der inzwischen über 200 Mitglieder hat und uns außerhalb der Pandemie zwischen 15 000 und 20 000 Euro zukommen lässt, bleiben uns nur die Eintrittsgelder. Durch die Pandemie ist aber gerade diese Einnahmequelle sehr geschrumpft“, erzählt Mohr. Die Abendgage von Künstlern belaufe sich auf 150 Euro, für sechs Wochen Proben auf 1500 Euro. Wohnraum bekämen die Künstler, wenn sie von außerhalb kämen, gestellt: „Auch hier hilft uns die Stadt ganz toll.“ Ziel sei es, Künstlern die empfohlene Mindestgage zahlen zu können, diese steige von 200 Euro am Abend auf 300. „Mit unseren 150 Euro sind wir davon weit entfernt“, so Mohr. „Eine Besonderheit an unserem Theater ist sicherlich, dass Schwetzingen mich als Theaterpädagogen fest seit mehr als sechs Jahren eingestellt hat, was bedeutet, dass ich kein Gehalt als Intendant vom Theater beziehen muss. Weiterhin bin ich im Auftrag der Stadt für die Schnittstelle Theater und Schule zuständig. Somit arbeitet das Theater am Puls in enger Zusammenarbeit mit der Stadt in allen Schwetzinger Schulen.“ Die Stadt habe darüber hinaus weitere 20 000 Euro zu den 131 000 Euro bereitgestellt, um in den Klassen gezielt theaterpädagogisch präventiv als auch in der Intervention mit Kindern und Jugendlichen in den Schulen arbeiten zu können. Die enge Verzahnung zwischen Schule und Theater ermögliche es recht früh, Kinder und Jugendliche in Kontakt mit dem Theater zu bringen und habe sicherlich Modellcharakter.

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Liveatmosphäre ist essenziell

Mohr abschließend: „Ich möchte nochmals darauf hinweisen, wie toll es eigentlich ist, in einer so reichhaltig kulturellen Landschaft wie Baden-Württemberg leben zu dürfen. Das Theater, für das ich hier sprechen darf, ist in all seinen Facetten wichtig für unsere kulturelle Bildung, für unser Miteinander. Theater ist sicherlich ein Ort, der nicht ins Digitale verschoben werden sollte, er ist ein Ort, der live und im Moment passiert. Es liegt auch mit an Ihnen, sehr geehrte Abgeordnete, dass diese vielfältige kulturelle Landschaft überlebt“, so endete der Schwetzinger Theatermann in seiner Rede im Landtag und bekam viel Applaus.

Hier geht's zum Mitschnitt der Rede.

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