Volkstrauertag

Eppelheim: Eine einsame Trompete zum Gedenken

Stadt und Kirchen mahnen zum Frieden und erinnern an die Lage von Kriegsopfern auf der ganzen Welt

Von 
Sabine Geschwill
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Bürgermeisterin Patricia Rebmann und Pastoralreferentin Judith Schmitt-Helfferich bei der Kranzniederlegung mit der Freiwilligen Feuerwehr Eppelheim. © Geschwill

Eppelheim. Gedenken ist wichtig, um das Vergessen zu verhindern: Daher laden alljährlich Stadt und Kirchengemeinden gemeinsam zu einer Gedenkfeier zum Volkstrauertag ein. Rund 50 Besucher hatten sich am Sonntagnachmittag bei schönstem Sonnenschein rund um das Kriegerdenkmal eingefunden, um still zu werden und den Worten von Bürgermeisterin Patricia Rebmann und Pastoralreferentin Judith Schmitt-Helfferich von der katholischen Stadtkirche zu lauschen.

„Wir alle waren schon einmal auf einem Soldatenfriedhof oder zumindest an Gedenkstätten für gefallene Soldaten“, hob die Bürgermeisterin an. Sie wertete solche Grab- oder Gedenkstätten als Zeichen der Versöhnung zwischen den Völkern. „Dort ruhen Soldaten der kriegsbeteiligten Länder unter einer Erde. Über ihren Gräber weht der gleiche Wind und es scheint die gleiche Sonne.“ An solchen Grabstätten oder Denkmälern werde die Sinnlosigkeit eines jeden Krieges besonders deutlich.

Johannes Häfner begleitet die Feier würdig auf der Trompete. © Geschwil

Der gerade in Europa herrschende Krieg, der russische Angriff auf die Ukraine, erschüttere die ganze Welt. „Tote, Verletzte, Vertreibung, Kriegsverbrechen und Zerstörung –das alles sehen wir allabendlich in den Nachrichten. Wir sehen Bilder, von denen wir gehofft hatten, dass es solche niemals wieder geben wird“, meinte Rebmann. Deshalb gedenke man in diesem Jahr im Besonderen der Kriegstoten in der Ukraine und ihrer Angehörigen. „Hunderttausend Tote, das ist eine Statistik. Aber einer, der fortgeht und nicht wiederkommt, das schmerzt – das ist viel mehr“, habe einst Antoine de Saint-Exupéry gesagt. Hunderttausend Tote seien auch Hunderttausend Namen und gleichviele Schicksale, die es nicht zu vergessen gelte.

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Viele der Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges hätten auf den Kriegsgräberstätten des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge ihre letzte Ruhestätte gefunden. „Und Putins Krieg in der Ukraine sorgt für traurigen Nachschub“, betonte die Bürgermeisterin. Deshalb sei die Mahnung zum Frieden, die man mit dem heutigen Gedenktag ausspreche, nach wie vor wichtig und aktuell.

Der Volkstrauertag gebe allen die Gelegenheit, über Vergangenes nachzudenken, und öffne gleichzeitig den Blick für Gegenwart und Zukunft. „Sehen wir ihn daher als wichtiges Erbe an und benutzen wir diesen Tag zum Innehalten, zum Nachdenken über Krieg und Gewalt und wie wir mit den Folgen und Auswirkungen der aktuellen Konflikte umgehen.“

Hoffnung und Solidarität

Für die Kirchengemeinden sprach Pastoralreferentin Judith Schmitt-Helfferich. Volkstrauertage, so wusste sie, gebe es schon seit genau 70 Jahren. Damals sei die Trauer um die im Krieg Getöteten noch sehr schmerzlich in fast jeder Familie zu spüren gewesen. Auch heute gebe es immer noch Kriege auf der Welt. Derzeit zähle man über 20 Kriegsschauplätze. Einen Krieg am eigenen Leib erleben zu müssen, wünschte sie keinem. Daher setzte auf die Kraft des Guten und auf die Menschen, deren große Aufgabe es nun sei, sich für Frieden einzusetzen.

„Ein Beitrag zum Frieden ist meiner Ansicht nach auch das Gebet“, erklärte sie. Die wöchentlichen ökumenischen Friedensgebete in der Christkönigkirche seien Zeichen der Hoffnung und Solidarität und die Kirche ein Ort, an dem die Sehnsucht nach Frieden wachgehalten werde. „Gebete geben Gott die Möglichkeit, sich in den Herzen derer, die da beten, auszubreiten.“ Sie wünschte allen Bürgern in der Stadt und weltweit, dass die Sehnsucht nach Frieden in jedem Herz wach bleibe oder neu geweckt werde, damit Frieden den Weg in die Köpfe und in die Herzen aller finde.

Musikalisch begleitet wurde die Gedenkfeier auf dem Friedhof von Johannes Häfner an der Trompete. Die Kranzniederlegung und die Ehrenwache am Kriegerdenkmal hatten die Mitglieder der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Eppelheim übernommen.

Freie Autorin Ich bin seit 1995 als freie Journalistin und Fotografin für die Schwetzinger Zeitung im Einsatz und betreue dabei hauptsächlich den Lokalbereich Eppelheim.

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