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Stimmungsbild

Torsten Koloska vom Musikverein zeichnet vor der Wahl in Oftersheim ein Stimmungsbild

Torsten Koloska, Vorstand vom Musikverein, vermisst in der Gemeinde eine klare Kommunikation und verbindliche Leitlinien.

Von 
Joachim Klaehn
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Oftersheim/Schwetzingen. Er ist niemand, der gleich auf den Putz haut, wenn ihm etwas nicht so gefällt. Nein, Torsten Koloska (49), der in der Alfred-Delp-Straße mit seiner Frau und den drei Kindern (19, 18 und 14) lebt, wägt bei seinem Redaktionsbesuch die Worte klug und sorgfältig ab. Mit ihm ein Stimmungsbild vor der Wahl zu zeichnen, macht einfach Sinn. Sein Arbeitsumfeld ist die Verfahrenstechnik, er ist für das Unternehmen „Thaletec“ aus Sachsen-Anhalt im Vertrieb tätig. Eine Firma, die sich Anwendungen in der Energie-, Umwelt- und Kraftwerkstechnik verschrieben hat. Da käme es auf Qualitätsprodukte und insbesondere an allen Fronten auf eine einwandfreie Kommunikation an.

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Vor allem aber: Koloska ist ein „Kind“ der Region. In Ludwigshafen geboren und aufgewachsen, in Schwetzingen, Ketsch und seit 2007 in Oftersheim wohnhaft und laut eigener Aussage „schon sehr verwurzelt“. Was mit an seiner Leidenschaft liegt. Koloska kennt sich mit Instrumenten aus – da weiß und spürt man: Der (richtige) Ton macht die Musik. Seit Februar 2022 ist Koloska der Vorstand des Musikvereins Oftersheim, davor war er „Vize“ und engagierter Jugendleiter. In solchen Funktionen hat man viele Berührungspunkte in der Gemeinde mit anderen Vereinen, Organisationen und Institutionen. Sein Eindruck, was die allgemeine Stimmungslage anbetrifft? „Es herrscht da ein weitgehender Konsens vor. Man kommt gut miteinander aus. Aber es gibt einige unschöne Wahrheiten – und dann traut sich niemand den Mund aufzumachen“, sagt Koloska.

Zu Besuch in der Redaktion: Torsten Koloska, seit Februar Vorstand des Musikvereins Oftersheim. Zuvor war er „Vize“ und Jugendleiter. © Klaehn

Für den Vertriebler, Vorstand und Vater einer fünfköpfigen Familie steht inzwischen fest, dass es schon länger im Ort unterschwellige Gemengelagen, Grauzonen und Bermudadreiecke gibt. „Die erste Stellungnahme des Gemeinderates“, sagt Koloska, „hat mir die Augen geöffnet.“ Er könne eine bewusste Informationsfilterung und -steuerung, um Entscheidungen hinauszuzögern oder zu verhindern, nicht ausschließen. Koloska ordnet den Angriff gegen Bürgermeister Jens Geiß in sein Koordinatensystem so ein: „Eigentlich hat ein Gemeinderat andere Möglichkeiten, als in einem offenen Brief abzurechnen. Ich sehe es mal als Akt der Verzweiflung.“

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Offensichtlich sei freilich, dass es in der Hardtwaldgemeinde auf den verschiedensten gesellschaftlichen wie politischen Ebenen ein Kommunikationsproblem gebe, „sonst hätten diese Dinge nicht derartig eskalieren müssen“. Jens Geiß könne er gut leiden, der Bürgermeister komme „super sympathisch rüber“ und sei lange Jahre aktives Mitglied im Musikverein gewesen.

Lob und Kritik fallen bei Koloska differenziert aus. Seine Schilderungen sind unaufgeregt – und glaubhaft. Aus Brandschutzgründen habe der Musikverein den Proberaum in der Theodor-Heuss-Schule wechseln müssen – und die Lösungen hätten sich für die Mitglieder „nicht so optimal gestaltet“. Ein alter, beengter Werkraum wurde dem Musikverein sodann freigeräumt und zur Verfügung gestellt.

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Bürgermeisterwahl in Oftersheim: Gefühl, vertröstet zu werden

Als ortsansässiger Verein habe man es so wahrgenommen, dass einerseits von der Verwaltungsspitze „Luftschlösser gebaut und Lösungen versprochen werden“, andererseits habe man als Vereinsverantwortlicher das untrügliche Gefühl, vertröstet zu werden. „Man sieht dann schon Parallelen zu anderen Vereinen“, meint Koloska. Knapp 50 gibt es davon in Oftersheim, es sei „eine sehr aktive Gemeinde“. Koloskas Frau ist Erzieherin von Beruf sowie Betreuerin einer Aerobic-Kindertanzgruppe des TSV – darüber bekommt die Familie viele Hintergründe und Informationen mit.

Neben der entstandenen Raumproblematik ging es bei den Musikern wie bei anderen auch um das Vereinsleben während der Corona-Pandemie. Der Musikverein und insbesondere dessen Hygienebeauftragter Helmut Klee benötigten Richtlinien, um das Vereinsleben unter den gegebenen, ohnehin erschwerten Umständen fortführen zu können.

Bürgermeisterwahl in Oftersheim: Rathaus als „Servicebüro“

„Hier haben wir es vermisst, klare Ansagen zu bekommen. Vom Ordnungsamt gab es selten konkrete und umsetzbare Leitlinien“, bemängelt Koloska. Er wünsche sich ein Rathaus mittendrin als „bürgerfreundliches Servicebüro“. Koloska: „Man kriegt keine Antwort, die wirklich weiterhilft. Und das ergibt dann ein Bild.“ Im zweiten Corona-Jahr habe sich zumindest die Raumfrage etwas entspannt, der Verein probte entweder regelmäßig im Rose-Saal oder in der Sommerzeit auf dem Ausweich- und Firmengelände der Schreinerei Jacobs.

Oftersheim sei eben keine anonyme Großstadt. Die Menschen sollten stattdessen nah, eng und offen miteinander umgehen, diese Art von Kommunikation gehöre zum „Basishandwerkszeug“.

Familie Koloska fühlt sich wohl hier, „Ofdasche“ habe alles – kurze Wege und einen sanierungsbedürftigen Ortskern mit Potenzial. Eine Prognose vor dem Wahlsonntag wagt der neue „Chef“ des Musikvereins nicht. Er zählt darauf, dass sich die Bürger konstruktiv-kritisch mit dem Rathaus, dem Gemeinderat und auch den Kandidaten auseinandersetzen – und deshalb zur Wahl gehen. „Für mich“, sagt Torsten Koloska, „passiert Politik hier – und nicht auf Bundesebene. Meine Stimme ist noch etwas wert, ich kann hier und nicht in Berlin etwas bewegen.“ Der Vorstand weiß, dass es sich primär um eine Persönlichkeitswahl im Kommunalbereich handelt.

„Es wird total spannend“, so Torsten Koloska. Die Wahl betrifft (auch) die Zukunft der 49 Vereine ...

Kein Lautsprecher, sondern ein reflektierter Zeitgenosse: Thorsten Koloska am Mikrofon – umgeben von seinem Orchester. © Privat

Redaktion Seit Ewigkeiten im Mediengeschäft, seit Mai 2022 neuer Redakteur der Schwetzinger Zeitung. Reporter aus Passion - mit Allroundkompetenz. Bevorzugt menschliche Nähe sowie journalistische Distanz zur Sache.

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