Rokokotheater Schwetzingen Braucht es Pigage?

Jürgen  Gruler glaubt an die Kraft der Diskussion

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Jürgen Gruler
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Schwetzingen. Es hätte so einfach sein können. Kurz vor dem Wechsel des Geschäftsführers der Staatlichen Schlösser und Gärten (SSG), Michael Hörrmann, in den Ruhestand sollte Unerledigtes noch erledigt werden. So auch die Frage, ob das Schwetzinger Rokokotheater einen „richtigen Namen“ bekommt. Schon länger hatte ihm damit ein Schwetzinger Historiker in den Ohren gelegen und da traf es sich doch so trefflich, dass Nicolas de Pigage 2023 seinen 300. Geburtstag feiert – der Erbauer des Theaters. Also: Eine Pressemitteilung rausgeschickt, noch ausgegraben, dass angeblich die Zeitung „Hakenkreuzbanner“ den Namen erfunden habe, und gegessen ist der Käs.

Aber da haben die Schlossverwalter die Rechnung nicht mit dem Wirt gemacht oder besser gesagt mit der stets vorhandenen Schwetzinger Renitenz. Ob Altbürgermeisterrunde, Politikerstammtisch im „Fässl“, Festspiel-Freundeskreis, morgendlicher Treff im „Kaffeehaus“ oder zufällige Begegnung auf der Straße, es gibt nur noch ein Thema: Da will man unser geliebtes Theater umbenennen und fragt uns nicht mal. Dann sind es auch noch Leute, die gar nicht aus Schwetzingen kommen und schon gar keine Ahnung von Schwetzingen haben, die uns das einfach so mir nichts dir nichts überstülpen.

Nun ist es schon so, dass Nicolas de Pigage seine Verdienste um das hiesige Schloss und den Garten hat. Zudem stammt er auch noch aus der Schwetzinger Partnerstadt Lunéville und stärkt so die deutsch-französische Freundschaft. Aber braucht es wirklich einen Pigage, um den Wert des Rokokotheaters zu unterstreichen? Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wird es eh in den nächsten zwei Generationen beim alten Namen belassen, Besucher in die Irre schicken, wenn sie nach dem Weg zum Pigage-Theater fragen. So wie die Maximilianstraße in Speyer heute noch die Hauptstroß ist und man nicht ins Carl-Benz-Stadion, sondern auf den Waldhof geht.

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In dieser Zeit verändert sich so vieles, da brauchen die Menschen den einen oder anderen Anker. Als die Pressemitteilung an jenem Tag zu uns kam, habe ich gleich das Gefühl gehabt, dass sich die Schwetzinger das nicht gefallen lassen. Sie werden mit Petitionen oder Unterschriftensammlungen gegen die Umbenennung kämpfen und sie lassen die Drähte nach Stuttgart und anderswohin glühen, weil sie Bevormundung hassen. Die SSG hat ein Kommunikationsdebakel abgeliefert, versucht jetzt, mit einer Bürgerversammlung Vertrauen zurückzugewinnen. Also: Gehen Sie hin und überzeugen Sie die Experten vom Erhalt unseres Rokokotheaters.

Chefredaktion Jürgen Gruler ist Chefredakteur der Schwetzinger Zeitung.

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