Nachgefragt

Nach Unfall in Schwetzingen: Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung laufen

Der Fahrer des Polizeiwagens, der an dem tödlichen Unfall im September beteiligt war, sagt, er habe „das Umschalten auf Rot nicht wahrgenommen“.

Von 
Jürgen Gruler
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Schwetzingen. Jener 21. September hat sich tief in die Erinnerung der Menschen eingetragen, die vor Ort den Unfall beobachtet haben: Eine 84-jährige Rentnerin will ihr Fahrrad über die Fußgängerampel beim städtischen Stadion an der Ketscher Landstraße schieben und wird von einem Polizeiwagen erfasst. Die Notärzte kämpfen um ihr Leben, doch die Verletzungen sind zu schwer, dass die Frau noch vor Ort stirbt. Schnell ist klar: Schuld am Unfall ist wohl der Fahrer des Polizeiwagens, der trotz der roten Ampel weitergefahren war und die Frau erfasst hatte. Das ergaben schon die Zeugenaussagen vor Ort. Einer der Zeugen sagte dieser Tage unserer Zeitung: „Ich kann einfach nicht vergessen, wie die Frau auf das Auto geprallt ist und weggeschleudert wurde. Und dass sie trotz des Fahrradhelms, den sie getragen hat, sterben musste.“

An der Ampelanlage am Stadion hat das Polizeifahrzeug die Rentnerin erfasst, die Grün hatte und ihr Rad über die Straße geschoben hat. Sie starb vor Ort. © PR-Video

Die Informationen am Unfalltag vonseiten der Polizei flossen äußerst spärlich, erst auf Nachfrage am nächsten Tag wurde bestätigt, dass der eigene Angestellte – es handelt sich um einen 59-jährigen Zivilangestellten des Präsidiums – bei Rot über die Ampel gefahren war. Es gab aber keine genaueren Angaben über mögliche weitere Ursachen für den Unfall und die Umstände, die beim Verursacher zu der Unaufmerksamkeit geführt haben. Das hat diese Zeitung auch massiv kritisiert.

Seither gab es auch keine aufklärende Stellungnahme zu dem Unfall und die danach erfolgten Ermittlungen. Nachdem uns nun noch mehrere Leser darum gebeten haben, für Aufklärung zu sorgen, haben wir nochmals Fragen zum Verfahrensstand an die Pressestelle des Polizeipräsidiums Mannheim und an die Staatsanwaltschaft geschickt, die die Sache inzwischen auf dem Tisch hat. Hier gibt es die Fragen unserer Redaktion und die entsprechenden Antworten des Pressesprechers der Polizei.

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Sind die Ermittlungen zu dem Unfall abgeschlossen und wurde mit den Ergebnissen nun die Staatsanwaltschaft eingeschaltet?

Polizeisprecher: Der Verkehrsdienst Mannheim hat die Unfallermittlungen und das damit einhergehende Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung an die Staatsanwaltschaft Mannheim abgegeben.

Ist der Mitarbeiter weiterhin im Dienst der Polizei?

Polizeisprecher: Der Mitarbeiter erlitt durch den Unfall einen schweren Schock.

Was konnten die Beamten als Unfallursache ermitteln?

Polizeisprecher: Der Unfall ereignete sich an einer bedarfsmäßig eingerichteten Lichtzeichenanlage. Die bisherigen Ermittlungen ergaben, dass die Unfallursache in der Missachtung des Rotlichts liegen dürfte. Die Fahrradfahrerin war zum Zeitpunkt des Rotlichtverstoßes bereits zu Fuß auf der Fahrbahn, als es zur Kollision mit dem Polizeiwagen kam.

Welche Geschwindigkeit konnte der Gutachter ermitteln?

Polizeisprecher: Das Gutachten des Sachverständigen wird von diesem direkt an die Staatsanwaltschaft übersandt. Hierzu können wir keine Auskunft geben.

Was gibt der Fahrer als Ursache dafür an, die rote Ampel überfahren zu haben?

Polizeisprecher: Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir hierzu im Hinblick auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft keine Angaben machen können.

Lagen beim Fahrer Beeinträchtigungen durch Alkohol oder Drogen vor – gab es einen Test?

Polizeisprecher: Bei dem Fahrer wurde kurz nach dem Unfallgeschehen ein Alkoholtest durchgeführt, welcher negativ verlief. Hinweise auf eine Beeinflussung durch Medikamente oder Drogen waren nicht gegeben.

Wurde der Führerschein eingezogen?

Polizeisprecher: Der vorläufige Entzug durch die Polizei richtet sich nach Regelbeispielen, die sich aus dem Paragraph 69 Strafgesetzbuch ergeben. Ein solches lag nicht vor. Inwiefern der Fahrer weiterhin geeignet ist, am Straßenverkehr teilzunehmen wird durch das Gericht und durch die Fahrerlaubnisbehörde im Rahmen des Verfahrens geprüft.

Wie geht die Sache weiter?

Polizeisprecher: Hierauf hat die Polizei keinen Einfluss. Die Staatsanwaltschaft entscheidet über den Fortgang des Verfahrens.

Gab es persönlichen Kontakt oder ein Schreiben des Polizeipräsidenten an die Angehörigen der Frau, die ums Leben gekommen ist?

Polizeisprecher: Seitens des Polizeipräsidiums Mannheim wurde nach dem Unfall telefonisch Kontakt mit den Angehörigen der Verstorbenen aufgenommen. Es erging außerdem ein Schreiben des Präsidenten an die Familie. Zudem wurde ein persönliches Gespräch angeboten. Soweit die Antwort der Pressestelle der Polizei. In Sachen Geschwindigkeit, die ja vom Sachverständigen anhand von Bremsspuren und dem Aufprall recht exakt ermittelt werden kann, gab es keine Auskunft, sodass wir bei der Staatsanwaltschaft Mannheim, die jetzt laut Polizei Herrin des Verfahrens sei, nachgefragt. Arg viel kam dabei nicht heraus, Pressesprecher Dr. Marc Schreiber, sagt, dass der Staatsanwaltschaft das Gutachten noch nicht vorliege. Zur Schuldfrage habe sich der Beschuldigte „über seinen Verteidiger dahingehend eingelassen, dass er das Umschalten der Ampel auf Rot nicht wahrgenommen“ habe. Eine Entscheidung über den Verfahrensabschluss könne erst nach Abschluss dieser Ermittlungen getroffen werden. Also demnach über die Frage, ob bei Gericht Anklage gegen den Fahrer des Polizeiwagens erhoben wird. Aktuell ermittle die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung, so Dr. Schreiner abschließend.

Übrigens hatte es bereits im Nachgang eines anderen tödlichen Unfalls auf besagter Ketscher Landstraße, bei dem ein Radfahrer ums Leben gekommen war, eine Initiative der Gemeinde Ketsch bei der Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes gegeben. Ziel war, die gesamte Strecke mit Tempo 70 auszuweisen. Bisher ist es so, dass für wenige hundert Meter die Tempobeschränkung aufgehoben wird, was immer wieder zu enormen Beschleunigungen hier führt und dann innerhalb der Beschränkungen oft zu überhöhten Geschwindigkeiten. Leider habe die Kreisverwaltung die Maßnahme abgelehnt, war aus dem Ketscher Gemeinderat zu erfahren.

Chefredaktion Jürgen Gruler ist Chefredakteur der Schwetzinger Zeitung.

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